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Die gekreuzten Schwerter

Pinsel malt gekreuztes Schwert

Die Erfindung des "Meissener Porzellans"

August der Starke (1670 - 1733), sächsischer Kurfürst und polnischer König, war neben den schönen Künsten auch dem chinesischen Porzellan verfallen. Das hatte seinen Preis, zahlbar nur in Silber und Gold. So baute der "Sachsenkönig" auf die Kunst der Alchimisten und ließ den jungen Johann Friedrich Böttger nach Dresden holen. Dieser versuchte zunächst vergeblich, aus einfachen Metallen Gold herzustellen. Zusammen mit dem kursächsischen Rat und Naturwissenschaftler Ehrenfried Walther von Tschirnhaus gelang es ihm 1707 ein rotes Feinsteinzeug herzustellen - das "Böttgersteinzeug" - heute noch eingetragen als Wortmarke DD231494.

Gebäude

Porzellan Manufaktur Meissen

Ein Laborprotokoll vom 15. Januar 1708 belegt schließlich die Geburtsstunde des "Meissener Porzellans": der ursprünglichen Mischung fügte man weißen "Colditzer Ton" und Alabaster hinzu; es entstand das "weiße Gold". So gründete August der Starke im Jahr 1710 die erste europäische Porzellanmanufaktur, die zunächst auf der Albrechtsburg in Meißen beheimatet war. Im Jahr 1865 zog die Porzellanmanufaktur in das nahe gelegene Triebischtal um, wo die "Staatliche Porzellan Manufaktur Meissen" noch heute ihren Sitz hat.

Die Entstehung der "gekreuzten Schwerter"

Die Rezeptur des "Meissener Porzellans" wurde zunächst geheim gehalten, die Mitarbeiter waren immer nur zum Teil in die Herstellungsprozesse eingeweiht. Obwohl die Belegschaft gefängnisähnlich überwacht wurde, gelang es dem Arkanisten Samuel Stöltzel, die Rezeptur zu entschlüsseln und mit dieser nach Wien zu fliehen. Dort entstand 1718 die zweite Porzellanmanufaktur Europas.

Die älteste deutsche Marke

Teller mit Marken

Damit man das "Meissener Porzellan" zweifelsfrei identifizieren konnte, kennzeichnete die Manufaktur ab jetzt alle gefertigten Waren mit zwei gekreuzten Schwertern.

Im Jahr 1720 wurde in Meißen die blaue Unterglasurfarbe erfunden. Damit konnte man das Porzellan jetzt sicher markieren und gegen Verfälschungen und Nachahmungen schützen. Von Beginn an führte man das per Handmalerei, jedoch zunächst weitgehend uneinheitlich und unregelmäßig aus. Maßgebend waren meist die Wünsche der künftigen Eigentümer. In der Folgezeit schlug Manufakturinspektor Johann Melchior Steinbrück vor, die Schwerter aus dem Wappen des Kurfürstentums Sachsen zu benutzen. So entstand eine der ältesten, wenn nicht gar die älteste deutsche Marke.

Neben dem gekreuzten Schwerterpaar waren bis 1730 auch Buchstabenfolgen üblich, beispielsweise

Porzellan-Becher mit gekreuzten Schwertern

K.P.M. = Königliche Porzellan Manufaktur
M.P.M. = Meissener Porzellan-Manufaktur
K.P.F. = Königliche Porzellan-Fabrik

Ab 1731 hatten sich die "gekreuzten Schwerter" durchgesetzt. In der Folgezeit erfuhr die Marke nur unwesentliche Veränderungen. Zeitweilig wurden Sterne, Punkte, Ziffern und andere Zeichen hinzugesetzt, oft entsprechend den Wünschen der jeweiligen Manufakturdirektoren. Nach Inkrafttreten des Reichgesetzes zum Markenschutz ließ die Porzellan-Manufaktur Meissen ihre Marken am 20. Mai 1875 registrieren. Ab 1948 prägte man als zusätzliche Markierung in den Boden eines jeden Stückes "Meissener Porzellan" ein Jahreszeichen. Somit lässt sich das Herstellungsjahr jedes Porzellanstücks zweifelsfrei belegen.

Bilder: Staatliche Porzellan Manufaktur Meissen

Stand: 10.08.2021