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Frauentag 2026: High-tech, low diversity

Neue Studie zu Frauen im MINT Bereich: Frauenanteil bei europäischen Patentanmeldungen aus Deutschland verharrt bei 10 Prozent
Die Beobachtungsstelle für Patente und Technologie des Europäischen Patentamts (EPA) veröffentlicht heute eine neue Studie zu Frauen in MINT-Berufen. Die Analyse zeigt den gleichermaßen langsamen Fortschritt und untersucht die europaweit bestehenden Lücken an den verschiedenen Stationen einer MINT-Karriere. Der im Vorfeld des Internationalen Frauentages veröffentlichte Bericht liefert fundierte Einblicke, wo das Potential von Frauen entlang der "Leaky Pipeline" verloren geht. Damit unterstreicht er zugleich die Bedeutung von Initiativen wie dem "Metavorhaben Innovative Frauen im Fokus", das gezielt die Sichtbarkeit herausragender Innovatorinnen fördert.
Die Studie zeigt, dass der Anteil von Erfinderinnen in Europa in den letzten Jahren nur leicht gestiegen ist, von 13 Prozent im Jahr 2019 auf 13,8 Prozent in 2022. Frauen sind zwar häufig Teil von Erfinderteams, werden aber deutlich seltener als Einzelerfinderinnen genannt.
Deutschland weist weiterhin eine der niedrigsten Beteiligungsquoten von Frauen im europäischen Patentwesen auf. Die Erfinderinnenquote (Women Inventor Rate, WIR), die den Anteil von Frauen an europäischen Patentanmeldungen misst, stieg lediglich leicht von 9,7 Prozent im Zeitraum 2013–2017 auf 10,3 Prozent in den Jahren 2018–2022. Trotz dieser marginalen Verbesserung zeigt sich die Beteiligung von Frauen an Patentanmeldungen damit auf einem dauerhaft niedrigen Niveau. Der Abstand Deutschlands zum EU-Durchschnitt lässt sich zu einem erheblichen Teil durch die spezifische Patentanmeldestruktur erklären: Deutschland verzeichnet einen hohen Anteil an Anmeldungen durch Unternehmen. Hinzu kommt die starke Spezialisierung der deutschen Patentanmeldungen auf Technologiefelder, in denen der Anteil von Erfinderinnen traditionell besonders gering ist.
Düsseldorf und Rostock mit starker Dynamik bei Erfinderinnen
Unter den 30 führenden Innovationsclustern Europas weist Düsseldorf die höchste Erfinderinnenquote unter den deutschen Regionen auf. Im Zeitraum 2018–2022 lag sie bei 19,1 Prozent, was vor allem auf die starke Spezialisierung im Chemiesektor zurückzuführen ist. Besonders dynamisch entwickelte sich zudem Rostock: Die Stadt gehört zu den 30 europäischen Regionen mit dem stärksten Wachstum bei Patentanmeldungen beim Europäisches Patentamt. Gleichzeitig verdoppelte sich die Erfinderinnenquote gegenüber dem Vergleichszeitraum 2013–2017 auf 22 Prozent und liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Bei Analyse aller europäischen Regionen fällt auf, dass die innovationsstärksten Regionen höhere Erfinderinnenquoten aufweisen als die nationalen Durchschnittswerte, was darauf hindeutet, dass führende Innovationscluster ein inklusiveres Umfeld bieten.
Frauenanteil je nach Technologiefeld sehr unterschiedlich
Europaweit variiert die Beteiligung von Frauen stark nach Technologiefeld. Am höchsten ist ihr Anteil in den Life-Sciences-Bereichen: Pharmazeutika (34,9 Prozent), Biotechnologie (34,2 Prozent) und Lebensmittelchemie (32,3 Prozent) weisen den höchsten Anteil an Erfinderinnen auf. Im Gegensatz dazu zeigen einige der patentintensivsten Bereiche der Ingenieurswissenschaften die niedrigsten Werte: Werkzeugmaschinen (5,7 Prozent), grundlegende Kommunikationsprozesse (5,5 %) und mechanische Bauteile (4,9 Prozent). Den mit Abstand höchsten Anteil an Erfinderinnen (24,4 Prozent) weisen Universitäten und öffentliche Forschungseinrichtungen auf, während KMU und Einzelantragsteller die niedrigsten Beteiligungsquoten verzeichnen.
Frauen bleiben im Tech-Unternehmertum stark unterrepräsentiert

Besonders ausgeprägt ist die Lücke bei europäischen Start-ups, die Patente anmelden. Nur 13,5 Prozent dieser Unternehmen verfügen über mindestens eine Gründerin. Europaweit gibt es hier große Unterschiede: Spanien, Portugal und Irland weisen die höchsten Beteiligungsquoten auf, während die Niederlande, Österreich und Deutschland in dieser Hinsicht zu den Schlusslichtern zählen.
Bei jüngeren Start-ups ist der Anteil von Gründerinnen mit 14 Prozent höher gegenüber nur rund 5,9 Prozent bei Unternehmen, die älter als 20 Jahre sind. Dies deutet auf eine zunehmende Diversität bei Neugründungen hin. Gleichzeitig stoßen von Frauen mitgegründete Unternehmen in der Wachstumsphase offenbar auf größere Barrieren: In fortgeschrittenen Finanzierungsrunden sinkt der Frauenanteil deutlich.
Gender Gap und ungenutzte Innovationskraft
Frauen sind unter promovierten Absolventen mit Patentanmeldungen in allen Ländern weiterhin unterrepräsentiert, obwohl sie auf Doktorandenebene durchaus stark vertreten sind. Die Geschlechterkluft wächst auf jeder Karrierestufe und liefert ein typisches Beispiel für eine weiterhin bestehende "Leaky Pipeline". Besonders sichtbar wird dies beim Übergang zur Kommerzialisierung von Erfindungen. Die Studie zeigt, dass Forschungsergebnisse von Frauen ein vergleichbares Innovationspotenzial wie jenes von Männern aufweisen. Die geringere Beteiligung von Frauen an Patentanmeldungen lässt sich damit nicht durch Unterschiede in der Qualität der Forschungsergebnisse erklären.
Weitere Information zur Studie und den vollständigen Bericht finden Sie auf der
Webseite des Europäischen Patentamts.
Sichtbarkeit schaffen: Innovative Frauen im Fokus
Damit innovative Frauen stärker wahrgenommen werden, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die
Richtlinie "Innovative Frauen im Fokus", aus der auch das Metavorhaben "Innovative Frauen im Fokus (meta-IFiF)" entstanden ist. Es vernetzt Forschungs- und Umsetzungsprojekte, stärkt den Austausch und sorgt mit gezielten Kommunikationsmaßnahmen für mehr öffentliche Aufmerksamkeit.
Zu den Leuchtturmprojekten gehören Initiativen wie "SiGi – Sichtbarkeit innovativer Gründerinnen und Gründer" und "InnoGründerinnen". Bei SiGi werden beispielsweise Gründerinnen wie Michelle Spitzer (eco:fibr), Joana Gil (Lignopure GmbH) und Tanja Zirnstein (UVIS UV-Innovative Solutions GmbH) vorgestellt. So entstehen greifbare Role Models, die Orientierung bieten und erfolgreiche Wege aufzeigen.
Auch die
Plattform #InnovativeFrauen gibt Frauen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft eine digitale Bühne und macht ihre Ideen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Diese Beispiele zeigen: Mehr Sichtbarkeit trägt dazu bei, innovative Leistungen von Frauen selbstverständlicher wahrzunehmen und strukturelle Hürden weiter abzubauen.
Bildnachweis: DrAfter123
Stand: 03.03.2026

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