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110 Jahre Kaffeefilter

Melitta und Hugo Bentz

Melitta Bentz, Mutter des Filterkaffees: Erfinderin und Unternehmerin

Patente Frauen

100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland: Das DPMA widmet sich in diesem Jahr besonders den Forscherinnen und Erfinderinnen. In einer losen Reihe stellen wir bedeutende Frauen aus Naturwissenschaft und Technik vor.

Vor 110 Jahren wurde beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin ein Gebrauchsmuster angemeldet, das in mehrfacher Hinsicht bedeutsam ist: Zum einen gehörte die Anmelderin zu den ersten Frauen, die ihre eigenen Erfindungen persönlich schützen ließen. Zum anderen war diese Erfindung äußerst erfolgreich und fehlt bis heute praktisch in keinem Haushalt.

Melitta Bentz (1873-1950), eine Hausfrau aus Dresden, meldete am 20. Juni 1908 ihren neuen Kaffeefilter beim Patentamt an. Bis dahin wurde Kaffee meist gebrüht, indem man feines Kaffeepulver in heißes Wasser schüttet und wartete, bis sich das Pulver am Boden der Kanne einigermaßen abgesetzt hatte. Oder man siebte das Gemisch ab. Aber das ergab selten einen sauberen Kaffee, denn die Löcher im Sieb waren meist entweder zu klein und verstopften oder aber zu groß und der Satz schwamm doch größtenteils wieder in der Tasse. Oft war der Kaffee nach dieser Prozedur nur noch lauwarm. Und der Kaffeesatz verursachte einen unangenehmen Nachgeschmack.

Genial einfach - einfach genial

Kaffeefilter "Original Melitta No 1"

Kaffeefilter "Original Melitta No 1"

Melitta Bentz, Mutter von drei Kindern, experimentierte in ihrer Küche mit einem durchlöcherten Messingbecher. Auf der Suche nach einem geeigneten Filter landete sie beim Löschpapier aus dem Schulheft ihres Sohnes. Das bedeutete eine Revolution in der Kaffeezubereitung.

Melitta Bentz erkannte früh das kommerzielle Potenzial ihrer Erfindung. Sie unternahm erste Schritte zur Vermarktung des neuen Filters und meldete ihn als Gebrauchsmuster an: "Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem und mit Vertiefung versehenem Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern". Das gewerbliche Schutzrecht wurde mit Registrierung vom 8. Juli 1908 auf Seite 1145 der Patentblätter des Kaiserlichen Patentamts zu Berlin gewährt.

Dieses Gebrauchsmuster wurde zur Grundlage einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte. Denn nur wenig später, am 15. Dezember 1908, folgte die Eintragung der eigens zur Vermarktung der Melitta-Kaffeefilter neu gegründeten Firma ins Handelsregister. Sitz dieser Firma (mit einem Startkapital von 72 Reichspfennig) war zunächst ein Zimmer in der Dresdner Wohnung der Familie Bentz.

Firmenchefin in schweren Zeiten

Melitta Kaffeefilter: Zeichnung aus der Patentschrift DE 653796A (1937)

Melitta Kaffeefilter: Zeichnung aus der Patentschrift pdf-Datei DE 653796A (1937)

Melitta Bentz und ihr Mann Hugo ließen zunächst 100 Kartons Filterpapier und 50 Filter anfertigen. Dann begannen sie, die Geschäfte abzuklappern und ihre Erfindung vorzustellen. 1909 wurden die Filter auf der Leipziger Messe vorgestellt und erwiesen sich mit über 1.200 verkauften Exemplaren gleich als Erfolg.

Das Ehepaar baute seine kleine Firma aus und verbesserte seine Produkte stetig. Der Erste Weltkrieg warf sie aber sehr zurück: Der Kaffeeimport kam zum Erliegen, Papier wurde knapp, Melittas Mann und Sohn mussten an die Front. Im Alleingang brachte sie das kleine Unternehmen durch die Kriegsjahre und die unruhige Zeit danach.

1923 wurde ihr ältester Sohn Willy Mitinhaber und beflügelte den Vertrieb. Der Aufschwung der Firma begann. In der bis heute typischen Form wurden die Papierfilter in den 1930er Jahren patentiert. Bald wurde der Raum zu knapp; das Unternehmen übersiedelte nach Minden, wo es bis heute sitzt. Das Familienunternehmen produziert jeden Tag 50 Millionen Kaffeefilter, denn trotz Tabs und Kapseln erfreut sich der klassische Filterkaffee weiterhin größter Beliebtheit.

Bilder: Wikimedia Commons, Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

Stand: 30.11.2018 

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