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Frances "Poppy" Northcutt

Sie holte die Mondmänner wieder auf den Boden

Nach Frances Northcutt ist ein Mondkrater benannt, besser gesagt nach ihrem Spitznamen „Poppy“. Northcutt (geboren 1943) war die erste Ingenieurin, die in der „Mission Control“ der NASA arbeitete. Im Kontrollzentrum in Houston, in dem sie ab der Apollo 8-Mission mitwirkte, sah man damals nur Männer, daher sorgte die junge Frau in der Öffentlichkeit für Aufsehen.

„Die bloße Tatsache, dass viele Frauen zum ersten Mal herausfanden, dass es eine Frau im Kontrollzentrum gab, war eine sehr große Sache. Ich dachte, es sei wichtig, dass die Leute verstehen, dass Frauen diese Arbeit tun können - in die Wissenschaft gehen, in die Technologie gehen, etwas tun, was nicht stereotyp ist“, erinnerte sich Northcutt später.

Ob es nicht einschüchternd sei, in einem derart von Männern dominierten Umfeld zu arbeiten, fragte ein Reporter die damals 25jährige Northcutt nach der Mondumrundung von Apollo 8 1968. „Tatsächlich ist dieses Umfeld eher von Maschinen dominiert“, gab sie trocken zurück.

Frances "Poppy" Northcutt 2019

Frances "Poppy" Northcutt 2019

Nicht die Mondlandung, sondern die erste Mondumrundung von Apollo 8 sei der spannendste Moment in ihrer Raumfahrt-Karriere gewesen, so Northcutt später: das Warten auf die Rückmeldung des Raumschiffs aus dem Funkschatten auf der Rückseite des Mondes. Die Kontaktaufnahme erfolgte damals wenige bange Sekunden später als geplant. Eine minimale Verzögerung bei der Zündung des Schubs hätte Apollo 8 in die Weiten des Alls schicken können statt nach Hause. „Niemand im Raum atmet“, erinnerte sie sich später, „kein Herz schlägt.“

Sie hatte, wie andere Apollo-Frauen auch, zunächst als „Computress“, also als Mathematikerin begonnen. Ihr Arbeitgeber war TRW, ein Unternehmen, das für die NASA Systemtechnik herstellte. Dann aber stieg sie auf in ein Team für Planung und Analyse, das Abbruchsszenarien für die Mondflüge durchspielte und vor allem für den Rückflug der Raumschiffe zuständig war, den sogenannten „Re-entry“. Die Mondlandung von Apollo 11 verfolgte sie deshalb zu Hause vor dem Fernseher und legte sich dann schlafen – ihre Stunde schlug erst mit Beginn des Rückfluges.

Die Rettung von Apollo 13

Anzeige von Northcutts Arbeitgeber TRW im Time Magazine, 21.11.1969

Anzeige von Northcutts Arbeitgeber TRW im Time Magazine, 21.11.1969

Northcutt und ihre Kollegen spielten beispielsweise vorab Szenarien durch, falls etwa bei der Umrundung des Mondes mehr Treibstoff verbraucht würde als vorgesehen. Diese Voraussicht rettete später den Astronauten von Apollo 13 das Leben. Als bei dieser Mission der Sauerstofftank auf dem Weg zum Mond explodierte, wurden sofort Northcutt und die anderen Ingenieure, die das Computerprogramm für die Heimreise von Apollo 13 entwickelt hatten, ins Kontrollzentrum gerufen, um die nötigen Berechnungen zur Rettung des Raumschiffs auszuführen.

Apollo 13 konnte letztlich dank des Antriebssystems ihrer Mondlandefähre heil zur Erde zurückkehren (wäre das Unglück auf dem Rückweg passiert, hätte es keine Rettung gegeben). Northcutt und das „Mission Operations Team“ erhielten für die Rettungsaktion die Freiheitsmedaille des Präsidenten.

Kämpferin für Frauenrechte

Blick in das Kontrollzentrum der Apollo 13-Mission

Blick in das Kontrollzentrum der Apollo 13-Mission, die kurz vor der Katastrophe stand

"Ich wurde mir damals der Aufmerksamkeit, die ich als erste und einzige Frau in meiner Rolle im Mission Control Center erhielt, bewusst", sagte Northcott später. "Es schärfte mein Bewusstsein dafür, wie begrenzt die Möglichkeiten von Frauen sind. Es ist fast 1970, wir stehen kurz davor, zum Mond zu gehen, und wir haben immer noch nicht mehr Frauen? Ich hätte die 100. sein sollen!" Gleichzeitig, so erinnert sie sich heute, hatte sie „Angst, es für alle anderen zu versauen.“

Apollo 17, die letzte Mission zum Mond, landete neben Krater "Poppy". Northcott verließ danach die Raumfahrt und arbeitete als Frauenbeauftragte in Houston. Nebenbei studierte sie Jura, um noch besser für die Gleichberechtigung kämpfen zu können. Bis heute ist Frances Northcott eine engagierte Kämpferin für Frauenrechte.

Bilder: NASA, Jay Godwin LBJ Library [Public domain] via Wikimedia Commons, TRW, NASA

Stand: 29.07.2020 

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