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Bernhard Neumayer

„Ich hatte den Eindruck, dass es zwischen den Kolleginnen und Kollegen aus dem ehemaligen Amt für Erfindungs- und Patentwesen abteilungsübergreifend einen großen Zusammenhalt gab.“

Ehemals Patentprüfer im DPMA

Bernhard Neumayer hatte keine Verwandten in Ostdeutschland – das klingt fast ein bisschen nach Bedauern, denn er war tief bewegt, als die Mauer fiel. Seit 1983 arbeitete er als Prüfer in der Patentabteilung für elektrische Energietechnik und Steuerungstechnik im Deutschen Patentamt in München. Als die ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen kamen, sah er, dass sie nicht nur Erfahrung und Fachkenntnisse mitbrachten. Sie lebten abteilungsübergreifend eine Gemeinsamkeit und einen Zusammenhalt, den er so nicht kannte. Und noch etwas war neu: Sie brachten viele Frauen in die westdeutsche Patentprüfung, denn bis auf den Bereich der Chemie gab es kaum Patentprüferinnen im DPA.

DPMA:Wie haben Sie die Zeit 1989/90 erlebt?

Bernhard Neumayer:Der Fall der Mauer hat mich persönlich sehr berührt. Zwar hatte ich keine Verwandten in Ostdeutschland. Habe aber oft darüber nachgedacht, wie es gewesen sein muss, in einem Staat zu leben, der sich mit unüberwindlichen Grenzen vom Westen abschottete. Die Wende habe ich im Fernsehen und Radio mitverfolgt. Ich habe mich gefreut, dass es so ausgegangen ist. Es hat mich sehr fasziniert, dass alles friedlich abgelaufen ist. Das finde ich heute noch sehr bemerkenswert.

DPMA:Kamen Anfang der 90er Jahre Kolleginnen oder Kollegen aus dem ehemaligen AfEP in Ihre Abteilung und wenn ja, wie wurden sie aufgenommen?

Bernhard Neumayer:Anfang der 90er Jahre, das Jahr weiß ich nicht mehr genau, hat uns unser Abteilungsleiter informiert, dass wir jetzt auch eine Prüferin aus dem AfEP bekämen. Und einen zweiten Prüfer, der damals noch relativ jung war und wohl seine Prüferausbildung im damaligen DDR-Patentamt erst begonnen hatte. Bald kamen dann nach und nach immer mehr Prüfer aus dem Osten in die Patentabteilungen.

Ich hatte den Eindruck, dass es zwischen den ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen abteilungsübergreifend einen großen Zusammenhalt gab. Zumindest in unserer Abteilung war es so, dass sich das offensichtlich in DDR-Zeiten erforderliche Organisationtalent recht positiv auswirkte. Das hat sicherlich auch mit dazu beigetragen, dass wir die Kollegin und den Kollegen gut aufgenommen haben, da gab es keine Probleme.

DPMA:Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, dass das Patentamt wieder von München nach Berlin ziehen könnte?

Bernhard Neumayer:Damals war im Gespräch, dass das Amt im Rahmen des Bonn-Berlin-Gesetzes – was den Umzug einer Bundesbehörde nach sich gezogen hätte – eventuell nach Bonn ziehen könnte. Nachgedacht wurde über einen Umbau des Hauptgebäudes in München oder über einen Umzug. Da musste man sich schon überlegen: Mensch, wenn das Amt nach Bonn gehen würde, würde ich da mitgehen? Oder ein Umzug nach Berlin ... Denn ich hatte meine ganze Verwandtschaft hier in München.

DPMA:Ein Umzug wäre Ihnen also schwergefallen?

Bernhard Neumayer:Ja, das wäre mir wirklich schwergefallen. Ich kann mich noch an eine Personalversammlung erinnern. Sie brachte die Erlösung für mich. Präsident Dr. Erich Häußer hatte damals gesagt, dass untersucht worden sei, was ein Umzug im Vergleich zum Umbau des Gebäudes kosten würde. Dabei war herausgekommen, dass ein Umbau günstiger ist als ein Umzug. Den meisten von uns ist ein großer Stein vom Herzen gefallen.

DPMA:Gab es im Patentamt in München eigentlich viele Prüferinnen?

Bernhard Neumayer:Bei uns im Münchner Amt gab es vor 1990 wenige Patentprüferinnen – außer im Bereich der Chemie. Auch in unserer Abteilung waren damals keine Prüferinnen beschäftigt. Mit der Wiedervereinigung stieg der Frauenanteil erheblich. Vielleicht hat bei uns auch die Tatsache, dass man nach dem Studium fünf Jahre Berufserfahrung haben muss, um ins Deutsche Patentamt zu kommen, dazu beigetragen, dass es so wenige Mitarbeiterinnen in der Patentprüfung gab. Bei uns haben eventuell viele Frauen nach dem Studium ihren Beruf für Familie und Kinder aufgegeben. Außerdem haben sich zu meiner Studentenzeit nur sehr wenige junge Frauen für ein Studium beispielsweise der Fachrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau oder Physik interessiert.

DPMA:Welche Erinnerungen haben Sie sonst noch an diese Zeit?

Bernhard Neumayer:Das Patentamt war schon damals regelmäßig auf Messen unterwegs, um in Sachen gewerblicher Rechtsschutz zu informieren. So habe ich als Patentprüfer mehrmals im Jahr Messestände betreut. Anfang der 90er kamen dann auch die Kollegen aus dem Ostamt mit auf die Messen, um zumindest in den ersten Jahren auch über Fragen zum Fortbestand von Schutzrechten aus der ehemaligen DDR zu informieren. Gerade diese Fragestellungen haben die Messebesucher sehr interessiert. Mit dabei waren auch der Kollege Bernd Antonius und Mitarbeiter des Patentinformationszentrums Dresden und der Uni Ilmenau. Daraus entstanden gute Kontakte, die bis heute gehalten haben.

Stand: 15.10.2020 

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