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"Konformität werden Sie hier nicht finden"

Worauf wollen Erfinderinnen und Erfinder hinaus? Eine Schlüsselfrage für Justus Sebastian Kruse, der nach dem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik und einer langjährigen Laufbahn bei der Bundeswehr zum DPMA kam.
Patentanwalt. Diesen Beruf konnte sich Justus Sebastian Kruse, Jahrgang 1973, kurz vor seinem Abitur prima vorstellen. Sein Vater war Bergbauingenieur und bei der Zeche Auguste Victoria in Marl für Arbeitnehmererfindungen und Patentanmeldungen zuständig. So hatte Justus Kruse schon als Schüler einen guten Eindruck davon, was Patentanwälte machen. "Eine Tätigkeit, die mich durchaus ansprach." Vorher wollte er jedoch sein großes Interessensgebiet vertiefen – die Luft- und Raumfahrt. "Schon in meiner Schultüte befand sich eine Lego-Rakete. Von den deutschen Weltraummissionen in den 80er Jahren war ich fasziniert, bin auch zu vielen Vorträgen gegangen, die sich damit befassten."
Bis zur Einschulung elfmal umgezogen
Steckbrief
Name: Justus Sebastian Kruse
Aktuelle Position: Patentprüfer in der Abteilung "Fördertechnik, Eisenbahnen, Fahrräder, Wasser- und Luftfahrzeuge"
Beim DPMA seit: 2016
Ausbildung/Studium: Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik
Bis zu seiner Einschulung war Justus Kruse mit seinen Eltern und seiner Schwester elfmal umgezogen. Bedingt durch den Berufsweg seines Vaters. Von Aachen ging es nach Pittsburgh in Pennsylvania, dann zurück an verschiedene Orte im Raum Aachen – und schließlich nach Marl. „Mit 18 wollte ich dann selbst raus, raus aus dem Ruhrgebiet. Auf eigenen Füßen stehen, Erfahrungen machen. Die Offizierslaufbahn bei der Luftwaffe erschien mir daher sehr attraktiv.“ Justus Kruse begann das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Bundeswehr-Uni in Neubiberg bei München. Fürstenfeldbruck, Neubiberg, Lechfeld, Bonn, Berlin, Hamburg, El Paso/USA, Afghanistan. Das sind nur einige Stationen, an die ihn die Bundeswehr in über 20 Jahren führte.
Mit externen Impulsen den Blick weiten und schärfen
Beim DPMA In München arbeitet Justus Kruse seit 2016. "Konformität werden Sie hier nicht finden", sagt er – und ist selbst das beste Beispiel dafür. Ab Tag 60 hat er nach seinem Start als Patentprüfer verschiedene Zweit-, Dritt- und Viert-Jobs im Amt: Ausbildung von Patentprüferinnen und Patentprüfern und Patentanwaltskandidaten, Mitarbeit bei Projekten anderer Hauptabteilungen, Dozententätigkeit. Eines seiner aktuellen Projekte: Der Tag der Technik. Justus Kruse gewinnt Expertinnen und Experten von Hochschulen, aus Unternehmen, von Verbänden für Vorträge zu aktuellen und querschnittlichen Themen – zu Erneuerbaren Energien oder zu Robotik beispielsweise. Deren Impulse und Praxiserfahrungen sollen den Blick der Patentprüferinnen und Patentprüfer in grundsätzlichen Technologiebereichen schärfen – und helfen, die erfinderische Tätigkeit immer wieder neu einzuordnen.
"Heute prüfe ich als Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik Patentanmeldungen aus dem Bereich der Logistik. Bei den von mir geforderten Entscheidungen versuche ich stets zu fragen, worauf der Techniker mit seiner Erfindung hinauswill. Ich will zwar nicht miterfinden, aber auf Augenhöhe kommen. Die Sprache eines Technikers ist ja an sich die Zeichnung. Im Zentrum einer Patentmeldung steht jedoch das geschriebene Wort. Was steckt also hinter den notwendigen juristischen Formulierungen?" Berufs- und Lebenserfahrung, aber auch die Bereitschaft, offen zu sein und zuzuhören, hält Justus Kruse bei dieser Analyse für entscheidend.

Vielseitig, mit Respekt und Humor unterwegs
Mit Menschen aus unterschiedlichen Branchen und Bereichen zusammenarbeiten, parallel verschiedene Felder bespielen, Dinge interdisziplinär betrachten und zusammenbringen. Das liebt und praktiziert Justus Kruse seit jeher. Bei der Bundeswehr führte ihn sein Weg bis zur Generalstabsausbildung. Während seiner Zeit bei DPMA legte Justus Kruse berufsbegleitend noch einen Master in Sicherheitspolitik und Strategie ab. Neben seiner prüferischen Tätigkeit ist Justus Kruse Referent der Leitung der Hauptabteilung "Patente und Gebrauchsmuster". Menschen mit Respekt und Humor begegnen, die gemeinsame Suche nach dem Kompromiss beschreibt er als Schlüsselwerte, -instrumente, -wege. „Als Patentprüfer genießen wir ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit. Das muss man allerdings auch ausfüllen wollen. Und können.“
Auch privat hat Justus Kruse eine feste Heimat gefunden: Zusammen mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter lebt er in Königsbrunn bei Augsburg. "Meine Tochter darf durchaus verwurzelter aufwachsen als ich", sagt er. Justus Kruse schätzt die Möglichkeiten des Homeoffice, um viel Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Genauso genießt er aber auch bei seinen Tagen im Amt die vielen spannenden und anregenden Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen aus der Patenprüfung und aus anderen Bereichen.
Patentanwalt – Dieser Beruf ist es bei Justus Sebastian Kruse nicht geworden. Eine Tätigkeit, bei der sich alles um Innovationen dreht, durchaus. "Ich könnte sagen, dass ich meine Arbeit als Patentprüfer sehr zielstrebig angesteuert habe; mit einem großen Bogen." Wo dieser Weg begann, in Marl, schloss übrigens Ende 2015 die Zeche Auguste Victoria nach 116 Jahren Steinkohleabbau endgültig.
Stand: 29.08.2025
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