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Den Clou der Erfindung verstehen

Details von Innovationen durchdringen und für geistiges Eigentum sensibilisieren: Dr. Veronika Kleißl gibt Einblicke.

Sie arbeiten als Patentprüferin und Gruppenleiterin im Bereich Medizintechnik. Was macht den Kern Ihrer Tätigkeit aus?

Steckbrief

Name: Dr. Veronika Kleißl
Aktuelle Position: Patentprüferin und Gruppenleiterin im Bereich Medizintechnik
Beim DPMA seit: 2012
Ausbildung/Studium: Medizintechnik, Master of Science in Biomedical Engineering, Promotion im Bereich der Magnetresonanztomographie

Was ist der Clou an der Erfindung – dieser Frage gehe ich bei jeder einzelnen Patentprüfung mit meinem medizintechnischen Wissen nach. Bei mir dreht sich alles speziell um Innovationen bei bildgebenden Verfahren in der Magnetresonanztomographie. Ich prüfe, ob einzelne Erfindungen patentfähig sind. Der Großteil meiner Arbeit: Recherche zum Stand der Technik in allen weltweit verfügbaren Quellen. Das findet ausschließlich am PC statt – dabei kann ich mir alles ganz frei einteilen, bin äußerst flexibel. Bei diffizilen Details mit Kolleginnen und Kollegen ins Sparring zu gehen, ist für mich sehr bereichernd. Bei meinem inneren fachlichen Sparring kommen häufig übrigens die besten Gedanken, nachdem ich in einer Pause beim Laufen war und ins Homeoffice zurückkehre.

Bei Ihrer Arbeit gehen Sie mit einer Fülle an Dokumenten und Literatur in verschiedenen Sprachen um. Können Sie dazu ein wenig erzählen...

Ja, für die Recherche zum Stand der Technik müssen wir sämtliche relevanten Veröffentlichungen aus aller Welt heranziehen. Wir arbeiten dabei in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Dabei bietet das DPMA übrigens auch die Möglichkeit, sich die Französisch-Kenntnisse noch anzueignen oder zu verbessern. Dafür gibt es eigene Lernangebote – online oder auch in Form von Präsenzkursen. Nach der relevanten Literatur können wir in der DPMA-eigenen Suchmaschine DEPATIS ganz umfassend recherchieren. Viele Erfindungen und damit auch viele relevante Unterlagen kommen heute aus dem asiatischen Raum. Dieses Material wird per Künstlicher Intelligenz ins Englische übersetzt und so zugänglich gemacht. KI zu nutzen, das ist bei uns im Amt bereits geübte Praxis.

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Sie geben Besuchergruppen einen Überblick zu gewerblichen Schutzrechten und wirken an Formaten zum Kundendialog mit, wie etwa DPMA Impuls. Was bedeutet Ihnen der Teil Ihrer Arbeit?

Was geistiges Eigentum für andere heißt, welche Perspektiven sie haben, das finde ich sehr interessant. Ob mit Schülerinnen und Schülern, Patentanwälten oder Menschen aus der Industrie: Ich schätze es, zu gewerblichen Schutzrechten in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen zu kommunizieren. Über geistiges Eigentum zu informieren und das Bewusstsein dafür zu schärfen, ist mir wichtig. Und ganz ehrlich gesagt: Ich mag auch den Nervenkitzel, wenn eine Veranstaltung ansteht – und bei allem akribischen Vorbereiten einfach nicht abzusehen ist, wie sich Diskussionen und Gespräche entwickeln werden.

Ein Hausaufgaben-Roboter oder eine Erfindung, die uns den Schlaf überspringen lässt. Diese Wünsche kamen von Kindern, die mit ihrer Grundschul-Klasse das DPMA besuchten. Überraschende Wünsche?

Dass Kinder die Hausaufgaben und das Nicht-schlafen-Wollen beschäftigen, hat mich nicht überrascht. Was ich erstaunlich finde: Wie sehr bei Viertklässlern schon das Gespür dafür ausgeprägt ist, dass man Innovationen schützen sollte – und dass es eben nicht in Ordnung ist, Markenprodukte zu fälschen.

Bilder: DPMA

Stand: 29.08.2025