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Zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

„Man wird jeden Tag aufs Neue überrascht, welche Ideen die Anmelder haben. Als Patentprüferin arbeite ich schon jetzt an dem, was die Gesellschaft in den nächsten Jahren bewegen wird. Es macht Spaß, mit den neuesten Patentanmeldungen am Puls der Zeit zu arbeiten.“

Patentprüferin im Interview - Dr. Veronika Semel, Patentprüferin im Bereich Grundlegende elektrische Bauteile, Batterien, KFZ-Elektrik

Die Gleichstellung der Geschlechter und der gleichberechtigte Zugang zu wissenschaftlichen Berufen ist noch immer keine Selbstverständlichkeit. Die Vereinten Nationen haben daher den 11. Februar zum "Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft" erklärt. Was das mit dem Deutschen Patent- und Markenamt zu tun hat? Unsere Patentprüferinnen und -prüfer müssen ein naturwissenschaftliches oder technisches Hochschulstudium absolviert haben. Dabei ist unser erklärtes Ziel, den Patentprüferinnen-Anteil deutlich zu erhöhen. Das beginnt schon damit, Mädchen für naturwissenschaftlich-technische Studiengänge zu begeistern. Hierzu beteiligt sich das DPMA auch am nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen "Komm, mach MINT!".
Veronika Semel hat Werkstoffwissenschaften studiert. Hier berichtet sie, wie sie zu einem naturwissenschaftlichem Studium kam und was sie an ihrer Arbeit als Patentprüferin besonders fasziniert.

DPMA:Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für Ihren Beruf?

Dr. Veronika Semel :Man benötigt Interesse an Naturwissenschaften und technischen Zusammenhängen sowie eine ausgeprägte Auffassungsgabe. Die entsprechenden Fähigkeiten für meinen Beruf erwirbt man im Rahmen eines Studiums der Ingenieur- oder Naturwissenschaften, darüber hinaus wird man beim Deutschen Patent- und Markenamt im Rahmen der Qualifizierung zur Patentprüferin, zum Patentprüfer sehr gut auf den Arbeitsalltag vorbereitet. Hier eignet man sich auch das notwendige juristische Know-how an.

DPMA:Was und an welcher Hochschule haben Sie studiert?

VS:Studium der Werkstoffwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, danach Promotion im Bereich Halbleitermaterialien am Fraunhofer Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie (Fraunhofer IISB) in Erlangen.

DPMA:Was hat Sie dazu bewogen, dieses Studium zu realisieren?

VS:Der Trigger war sicherlich ein Besuch der Bionik-Ausstellung im Lokschuppen in Rosenheim: Die Exponate dieser interdisziplinären Wissenschaft haben mich so begeistert, dass ich ein technisches Studium in Betracht gezogen habe. Ein Gespräch über berufliche Perspektiven mit Bekannten meiner Eltern hat mich schließlich auf den Studiengang Werkstoffwissenschaften aufmerksam gemacht.

DPMA:Was raten Sie Mädchen und jungen Frauen, die überlegen, ein MINT-Fach zu studieren?

VS:Habt keine Angst! Jungs haben keine besseren Fähigkeiten als Ihr! Das Studium wird Euch Spaß machen und die Studierenden wachsen schnell zu einer homogenen Gruppe zusammen, die gemeinsam die Herausforderungen des Studiums bewältigt.

DPMA:An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?

VS:Aktuell bin ich in der Qualifizierung zur selbstständigen Patentprüferin. Doch prinzipiell arbeiten wir hier nicht an Projekten, sondern prüfen neue Patentanmeldungen.

DPMA:Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

VS:Ich fange meinen Arbeitstag gerne früh an. Zuerst öffne ich die elektronische Akte einer neuen Patentanmeldung und erfasse deren Inhalt. Die einzelnen Patentanmeldungen sind sehr unterschiedlich und die ersten Minuten verbringe ich nicht selten staunend ob der neuen Ideen. Anschließend recherchiere ich in der Patentliteratur (also in den weltweit veröffentlichten Patenten), dem Internet und Büchern beziehungsweise Zeitschriften den weltweiten Stand der Technik zu der aktuellen Patentanmeldung. Die Arbeit ähnelt hier einer wissenschaftlichen Detektivarbeit und kann auch schon mal einen gesamten Tag dauern. Schließlich beurteile ich, ob die aktuelle Patentanmeldung gegenüber dem recherchierten Stand der Technik als neu (Gibt es den Anmeldegegenstand bereits?) und erfinderisch (Ergibt sich der Anmeldegegenstand für den Fachmann in naheliegender Weise aus dem Stand der Technik?) anzusehen ist. Das Ergebnis bringe ich zu Papier und sende ein Schreiben an den Patentanmelder.

Insgesamt schätze ich es sehr, dass ich als Patentprüferin geregelte Arbeitszeiten habe.

DPMA:Ist es für eine Frau schwieriger in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten? Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

VS:Nein! Die fachlichen Anforderungen sind geschlechtsunabhängig. Die Zusammenarbeit mit männlichen Kollegen empfinde ich als erfrischend und mir wurde glücklicherweise noch nie das Gefühl gegeben, als Frau – im Sinne einer Besonderheit - in einem männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten. Vielmehr habe ich mich immer als Teil einer Gemeinschaft empfunden.

DPMA:Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?

VS:Mein Arbeitsgebiet ist sehr spannend. So prüfe ich neue Bedienelemente an Autos, wie beispielsweise bedienbare Displays mit 3-D-Anzeige oder Steuerung mit Gesten. Man wird überhaupt jeden Tag aufs Neue überrascht, welche Ideen die Anmelder haben. Als Patentprüferin arbeite ich schon jetzt an dem, was die Gesellschaft in den nächsten Jahren bewegen wird. Es macht Spaß, mit den neuesten Patentanmeldungen am Puls der Zeit zu arbeiten und die technischen Innovationen hinsichtlich ihrer Patentierbarkeit beurteilen zu dürfen.

DPMA:Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie zu vereinbaren?

VS:Ich teile mir die familiären Aufgaben mit meinem Mann, der als Ingenieur in der freien Wirtschaft arbeitet. Auf diese Weise kann jeder seine beruflichen Ziele verwirklichen und die Familie steht nicht hintenan.

Stand: 05.02.2021 

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