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Innovations-Roadshow: Weitere Stationen 2026

- Achte Station: Aachen
- Siebte Station: Dortmund
- Sechste Station: Hannover
- Fünfte Station: Bremen
- Vierte Station: Hamburg
- Dritte Station: Kiel
- Zweite Station: Rostock
- Erste Station: Berlin
Achte Station: Aachen

Das sagen Partner zur Innovations-Roadshow
Roadshow-Finale in Aachen: Wenn aus Ideen Unternehmenswerte werden
Acht Städte, acht Veranstaltungen, unzählige Gespräche über Ideen, Schutzrechte und unternehmerische Entscheidungen: Im Ericsson Eurolab in Herzogenrath bei Aachen ist die Innovations-Roadshow 2026 am 10. September zu ihrer letzten Station dieses Jahres angekommen. Und kaum ein Ort hätte besser zum Abschluss gepasst. Denn beim Gastgeber Ericsson gehören Innovation und geistiges Eigentum seit Jahrzehnten zum Kerngeschäft.
Jan-Peter Meyer-Kahlen, Leiter des Ericsson ICT Development Center Eurolab, begrüßte die Gäste an einem Standort, an dem an den Mobilfunktechnologien der Zukunft gearbeitet wird. Allein die deutschen Forschungs- und Entwicklungsstandorte von Ericsson in Aachen und Rosenheim haben mehr als 4.700 Patente hervorgebracht. In Aachen wird heute unter anderem an 6G geforscht – gemeinsam mit Partnern wie dem Forschungszentrum Jülich und unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz und High-Performance-Computing. Durch den Abend führte Arne Krüger, Vorstandsvorsitzender des PIZnet, der die unterschiedlichen Perspektiven der Partner und Unternehmen immer wieder zusammenführte und den Bogen von den Unterstützungsangeboten für KMU bis zu ganz konkreten Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis spannte. Damit war der Rahmen gesetzt für einen Abend, bei dem es weniger darum ging, ob Unternehmen ihre Innovationen schützen sollten, sondern vielmehr darum, wie sie Schutzrechte so einsetzen, dass daraus wirtschaftlicher Wert entsteht.
Ein starkes Netzwerk für innovative Unternehmen

Jan-Peter Meyer-Kahlen (Ericsson ICT Development Center Eurolab)
Wie bei allen Stationen der Roadshow stellten zunächst die Partner ihre Perspektiven und Unterstützungsangebote vor. Robert Lemperle, Leiter der Hauptabteilung Information des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA), machte deutlich, warum gerade kleine und mittlere Unternehmen Schutzrechte frühzeitig in ihre Unternehmensstrategie einbeziehen sollten. Dr. Birgid Wichmann, Chief IP Counsel bei LANXESS und Vertreterin des VPP, rückte IP als strategischen Erfolgsfaktor für den Mittelstand in den Mittelpunkt. Auch die IHK Aachen, das Patent- und Normenzentrum der RWTH Aachen und die AGIT zeigten, welche Beratungs-, Recherche- und Förderangebote Unternehmen und Gründenden in der Region zur Verfügung stehen. Wie wichtig dieses Zusammenspiel sein kann, zeigte anschließend das Herzstück des Abends: das von Peter Berg moderierte Podiumsgespräch.
Fünf Unternehmen – und fünf ganz unterschiedliche Wege zu IP
Mit Philipp Ketteniß von Regascold, Enno Dülberg von AUXSYS, Dr. Klaus Vossenkaul von Membion, Dr. Valentina König von ModuleWorks und Stefan Liebich von Qualcomm kamen fünf Perspektiven zusammen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – von GreenTech und Abwassertechnik über Exoskelette bis hin zu Software und digitalen Technologien. Philipp Ketteniß stellte die Technologie von Regascold vor. Das Aachener GreenTech-Unternehmen gewinnt Kälte zurück, die bei der Regasifizierung tiefkalter Flüssiggase bislang vielfach ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird. Anschaulich verglich er das mit einem Kühlschrank, dessen Tür man offen stehen lässt. Die zurückgewonnene Energie kann für industrielle Kühlprozesse, Kühltransporte oder an LNG-Terminals genutzt werden. Enno Dülberg und AUXSYS entwickeln aktive Exoskelette – robotische Systeme, die Menschen bei körperlich belastender Arbeit unterstützen. Dülbergs Weg zur Technologie begann früh: Schon als Schüler beschäftigte ihn die Idee, Maschinen zu bauen, die Menschen unterstützen können. Heute arbeitet AUXSYS an Systemen für anspruchsvolle Einsatzfelder. Gerade in einem kapitalintensiven Markt mit großen internationalen Wettbewerbern spielt IP für ein junges Unternehmen eine zentrale Rolle. Dr. Klaus Vossenkaul von Membion brachte mehrere Jahrzehnte unternehmerischer Erfahrung mit. Sein Unternehmen entwickelt innovative Membranfilter für die Abwasserreinigung. Die dünnen Hohlfasern, die Vossenkaul anschaulich mit "Spaghetti, innen hohl wie Makkaroni" beschrieb, ermöglichen eine besonders leistungsfähige und platzsparende Reinigung von Abwasser. Hinter der Technologie steht ein umfangreiches Patentportfolio – und eine Unternehmensgeschichte, die eindrucksvoll zeigt, was Schutzrechte im Ernstfall wert sein können. Mit ModuleWorks kam wiederum die Softwareperspektive hinzu. Das Aachener Unternehmen entwickelt hochspezialisierte Softwarekomponenten zur Berechnung und Simulation von Werkzeugbahnen für CNC-Maschinen und arbeitet mit zahlreichen Herstellern weltweit zusammen. Lange galt das Unternehmen in der Branche als eine Art "bestgehütetes Geheimnis". Heute ist der eigene Name selbst zum Qualitätsmerkmal geworden – und damit auch die Marke zu einem strategischen Asset. Stefan Liebich von Qualcomm ergänzte Erfahrungen aus technologieintensiven Gründungs- und Entwicklungsprojekten. Gerade bei Software, Algorithmen und KI stellte sich damit immer wieder die Frage: Was sollte patentiert werden – und was ist möglicherweise besser als Know-how geschützt?
Erst die Firma, dann das Patent

Peter Berg, Dr. Valentina König, Dr. Klaus Vossenkaul, Enno Dülberg, Philipp Ketteniß und Stefan Liebich
Zu den eindrücklichsten Momenten des Abends gehörte eine Erfahrung von Klaus Vossenkaul, die er Gründenden ausdrücklich ersparen möchte. Bei einer früheren Unternehmensgründung hatte er Patente zunächst privat angemeldet und erst später in die Gesellschaft eingebracht. Was zunächst naheliegend erschien, wurde nach dem späteren wirtschaftlichen Erfolg der Firma zum erheblichen steuerlichen Problem. Der Streit um die Bewertung der eingebrachten Patente kostete ihn nach eigener Schilderung persönlich rund 800.000 Euro. Sein Rat fiel entsprechend eindeutig aus: Wer die Gründung eines Unternehmens plant und Patente anmelden möchte, sollte sehr genau darauf achten, wem die Schutzrechte von Anfang an gehören. Insbesondere bei einer späteren Venture-Capital-Finanzierung müssen die zentralen IP-Assets sauber in der Gesellschaft liegen. Oder noch einfacher: Wenn möglich erst die Firma gründen – dann das Patent anmelden.
Hochschulausgründungen: Gründerfreundlichkeit muss sich in der Praxis beweisen
Auch die Erfahrungen mit Technologietransfer aus Hochschulen wurden offen diskutiert. Mehrere Podiumsteilnehmer hatten selbst aus einer Hochschule heraus gegründet und berichteten von schwierigen beziehungsweise langwierigen Verhandlungen über Patente, Beteiligungen und Nutzungsrechte. Gerade für Start-ups sei Geschwindigkeit jedoch existenziell. Förderzeiträume laufen, Investoren warten nicht unbegrenzt und Märkte entwickeln sich weiter. Enno Dülberg plädierte deshalb dafür, Gründerfreundlichkeit tatsächlich ernst zu nehmen. Hochschulen könnten nicht einerseits zur Ausgründung ermutigen und andererseits Strukturen schaffen, die junge Unternehmen durch langwierige Verhandlungen ausbremsen. Zugleich wurde deutlich, dass sich gerade in Aachen inzwischen viel bewegt hat und zunehmend standardisierte und investorenfähige Modelle entstehen. Ein Satz aus der Runde brachte eine weitere Erfahrung auf den Punkt: "Frühes Geld ist schwierig, späteres Geld ist akzeptabel." Gerade deshalb können klare IP-Verhältnisse in der frühen Phase darüber entscheiden, ob eine Finanzierung gelingt.
Kleine gegen Große – wirklich chancenlos?
Eine Frage aus der Diskussion traf einen verbreiteten Zweifel: Was nützt einem kleinen Unternehmen überhaupt ein Patent, wenn der Gegner ein Weltkonzern ist? Klaus Vossenkaul antwortete mit einer Geschichte aus seiner früheren Firma. Nachdem das junge Unternehmen erfolgreich geworden war, geriet es in einen massiven Schutzrechtsstreit mit einem deutlich größeren Wettbewerber. Mitten in einer Finanzierungsphase wurde das Start-up mit einem Gebrauchsmuster und einer Millionenforderung konfrontiert. Für ein junges Unternehmen kann schon ein solcher Rechtsstreit existenzbedrohend sein – unabhängig davon, wer am Ende Recht bekommt. Doch die Geschichte nahm eine andere Wendung. Ein US-amerikanisches Unternehmen ließ die Patentposition des Start-ups durch Spezialisten prüfen, erkannte deren Stärke und stieg ein. Der Streit wurde durchgestanden und gewonnen. Am Ende musste der Wettbewerber nach Vossenkauls Schilderung rund 3,6 Millionen Euro zahlen. Die Botschaft war nicht, Patentstreitigkeiten zu suchen. Sie war eine andere: Gute Schutzrechte können einem kleinen Unternehmen durchaus ermöglichen, gegenüber einem sehr großen Wettbewerber zu bestehen. Und sie können darüber hinaus entscheidend dafür sein, ob Investoren oder Käufer überhaupt einsteigen.
Das Patent muss zum Geschäftsmodell passen

Wie unterschiedlich eine sinnvolle IP-Strategie aussehen kann, zeigte sich besonders bei der Frage: Was soll überhaupt patentiert werden? Bei Membion ist ein wesentliches Kriterium, ob eine mögliche Verletzung später nachweisbar wäre. Was sich am Produkt oder Verfahren eines Wettbewerbers erkennen lässt, kann patentiert werden. Technologien, deren Nutzung von außen praktisch nicht feststellbar ist, bleiben dagegen unter Umständen besser als Know-how im Unternehmen. Im Softwarebereich stellt sich diese Frage noch schärfer. Ein komplexer Algorithmus kann technisch höchst wertvoll sein – aber wenn sich später nicht erkennen lässt, ob ein Wettbewerber denselben Algorithmus verwendet, ist ein Patent nicht zwangsläufig die beste Lösung. Damit war die Diskussion weit entfernt von der einfachen Formel "Erfindung gleich Patent". Entscheidend ist vielmehr die Verbindung von Technik, Markt und Geschäftsmodell.
Schnell anmelden – oder monatelang recherchieren?
Besonders lebhaft wurde es bei der Frage, wie viel Zeit und Aufwand eine Patentanmeldung eigentlich braucht. In schnelllebigen Technologiemärkten kann es sinnvoll sein, früh einen Anmeldetag zu sichern. Digitale Werkzeuge und KI können Recherche und erste Entwürfe inzwischen erheblich beschleunigen. Gerade wenn Märkte sich rasant entwickeln, kann Nichtstun ebenfalls ein erhebliches Risiko sein. Auf der anderen Seite berichtete Vossenkaul, dass er bei seiner aktuellen Firma gemeinsam mit seinem Partner über Monate intensiv recherchiert habe. In einem technologisch dichten und wirtschaftlich bedeutenden Markt komme es eben nicht darauf an, irgendein Patent zu erhalten. Denn ein Patent zu bekommen, sei vergleichsweise einfach. Die eigentliche Kunst bestehe darin, Ansprüche so zu formulieren, dass sie den wirtschaftlich relevanten Bereich möglichst gut schützen und Wettbewerbern möglichst wenig Raum zum Ausweichen lassen. Beide Perspektiven blieben am Ende nebeneinander stehen – und genau darin lag vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse des Abends: Die richtige IP-Strategie hängt vom Markt ab.
Und die Marke?

Dass geistiges Eigentum weit mehr umfasst als Patente, wurde ebenfalls deutlich. Ein Beispiel aus dem Podium: Ein befreundetes Start-up musste sich gleich zweimal umbenennen. Für ein kleines Team bedeutet das nicht nur Kosten für neue Logos, Webseiten und Kommunikation. Vor allem bindet es Zeit und Aufmerksamkeit, die eigentlich für Produkt und Markt gebraucht werden. Der Rat der Runde: Namen früh recherchieren, Marken rechtzeitig anmelden und dabei nicht nur das Markenregister betrachten. Auch Domains, Social-Media-Namen und internationale Märkte gehören dazu. Bei ModuleWorks zeigt sich inzwischen sogar die andere Seite dieser Entwicklung: Aus einem Unternehmen, dessen Name lange kaum sichtbar war, ist ein Anbieter geworden, mit dessen Namen Kunden selbst werben. Die Marke ist zum Qualitätssiegel geworden.
Schutzrechte sind kein Selbstzweck
So unterschiedlich die fünf Unternehmen und ihre Erfahrungen waren, in einem Punkt kamen die Perspektiven immer wieder zusammen: Schutzrechte sind kein Selbstzweck. Ein Patent ist wertvoll, wenn es ein Geschäftsmodell schützt, Finanzierung ermöglicht, Wettbewerber auf Abstand hält, Kooperationen absichert oder bei einem späteren Unternehmensverkauf einen wesentlichen Teil des Unternehmenswerts ausmacht. Eine Marke ist wertvoll, wenn sie Wiedererkennbarkeit, Vertrauen und Marktposition sichert. Und manchmal ist die beste Strategie eben auch, Wissen nicht offenzulegen, sondern geheim zu halten. Dafür braucht es Fachwissen – im Unternehmen ebenso wie von außen. Mehrere Podiumsteilnehmer betonten die wichtige Rolle spezialisierter Patentanwältinnen und Patentanwälte. Zugleich müsse das technische Verständnis im Unternehmen bleiben. Gute Schutzrechte entstehen deshalb vor allem dort, wo Entwickler, Geschäftsführung und IP-Fachleute eng zusammenarbeiten.
Acht Stationen – und viele gemeinsame Erkenntnisse
Mit Aachen endete die erste Etappe der Innovations-Roadshow nach Stationen in Berlin, Rostock, Kiel, Hamburg, Bremen, Hannover und Dortmund. Was an acht sehr unterschiedlichen Orten immer wieder sichtbar wurde: Es gibt nicht die eine perfekte Schutzrechtsstrategie. Unternehmen unterscheiden sich in Technologie, Markt, Größe, Geschwindigkeit und Risikobereitschaft. Aber überall geht es letztlich um dieselben Fragen: Was ist meine Idee wert? Was möchte ich daraus machen? Und wie verhindere ich, dass andere den wirtschaftlichen Wert meiner Innovation abschöpfen?

Arne Krüger, Dr. Bernd Läßiger, Peter Berg, Anne Fröhlich, Robert Lemperle und Julian Kulaga
Zum Abschluss dankte Arne Krüger allen Partnern und Beteiligten, die die Roadshow möglich gemacht hatten – und hob noch einmal diejenigen hervor, die die Tour durch alle acht Stationen begleitet hatten: Peter Berg für den VPP, Julian Kulaga für die DIHK, Robert Lemperle für das DPMA sowie Anne Fröhlich, die die Roadshow seitens des DPMA organisiert und begleitet hatte. Mindestens ebenso wichtig waren aber die vielen Helferinnen und Helfer an den einzelnen Stationen: Ohne diejenigen, die vor Ort organisiert, unterstützt, Kontakte hergestellt und ganz praktisch mit angepackt haben, wäre eine Roadshow über acht Städte schlicht nicht möglich gewesen. Nach acht Städten, vielen hundert Kilometern und ebenso vielen Geschichten über gelungene wie misslungene Entscheidungen rund um geistiges Eigentum bleibt damit vor allem eine Erkenntnis: Gute Ideen sind der Anfang. Was daraus wird, ist eine strategische Entscheidung. Das Wissen um IP ist dabei elementar.
Und: Nach der Roadshow 2026 ist vor der Roadshow 2027 …
Siebte Station: Dortmund

Das sagen Partner zur Innovations-Roadshow
Innovation braucht Mut – aber keinen Blindflug

Dr. Ronald Kriedel (CET Centrum für Entrepreneurship & Transfer, TU Dortmund)
Wie viel Risiko braucht Innovation? Und wie viel Schutz? Diese beiden Fragen zogen sich in Dortmund überraschend konsequent durch den Nachmittag – von den Workshops über die Impulse bis in die Podiumsdiskussion. Prof. Gerhard Schembecker, Prorektor Finanzen der TU Dortmund und selbst mit Gründungserfahrung, brachte es später auf eine einfache Formel: Risiko ist die eine Seite der Medaille. IP die andere. Wer Innovation will, kann nicht jedes Risiko ausschließen. Aber er kann lernen, damit umzugehen. Wie das ganz praktisch aussehen kann, zeigte sich bereits in den vorgeschalteten Workshops. Neben der IP-Funktion in kleinen und großen Unternehmen mit Peter Berg und Strategien für eine erfolgreiche Patentanmeldung mit Dr. Bernd Läßiger stand dabei ein Thema im Mittelpunkt, das für den Transfer aus der Wissenschaft zunehmend entscheidend wird: Wie kommt geistiges Eigentum schneller aus der Hochschule in Ausgründungen und damit in die wirtschaftliche Anwendung? Genau dort setzt das von Dr. Ronald Kriedel vorgestellte Dortmunder IP-Transfer-Modell an. Wenn die Übertragung von Hochschul-IP durchschnittlich mehr als 18 Monate dauert, Konditionen von Fall zu Fall neu ausgehandelt werden und Gründerinnen und Gründer lange keine Planungssicherheit haben, kann der Transfer selbst zum Hindernis werden. Die Antwort der TU Dortmund: standardisierte Prozesse, klare Fristen und vorhersehbare Konditionen – "Einfach. Fair. Schnell." Bemerkenswert war dabei vor allem die Perspektive: "Fokus auf Chancen (upside), nicht auf Risiken (downside)." Nicht jede theoretisch mögliche Entwicklung soll vorab vertraglich mit "Gürtel und Hosenträgern" abgesichert werden. Statt Risikovermeidung geht es um Risikobewusstsein – und darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem Universität und Gründende Entscheidungen treffen können, obwohl sich der spätere Erfolg einer Innovation nie vollständig vorhersehen lässt. Ein Ansatz, der in der lebhaften Diskussion im Workshop viel Resonanz fand – und der die Frage berührt, wie aus exzellenter Forschung häufiger wirtschaftliche Anwendung werden kann.

Holger Welsing (VPP)
Genau an diesem Punkt knüpfte Schembecker in seiner Begrüßung an. Deutschland, so seine Beobachtung, müsse wieder mehr wagen. Andere Innovationsökosysteme – insbesondere die USA – gingen selbstverständlicher mit unternehmerischem Risiko um. Seine Botschaft war dabei keineswegs ein Plädoyer für blindes Risiko, sondern für Mut zur Entscheidung trotz Unsicherheit. Und damit war der rote Faden für den Dortmunder Nachmittag gelegt. Dass dafür gute Strukturen und die richtigen Ansprechpartner notwendig sind, zeigten anschließend die Partnerimpulse. Dr. Stephan Jekat und Dr. Ronald Kriedel machten deutlich, wie sich an der TU Dortmund das Centrum für Entrepreneurship & Transfer (CET) und das Informationszentrum Technik und Patente (ITP) ergänzen: Gründungs- und Transferunterstützung auf der einen, IP-Kompetenz und Recherche auf der anderen Seite. Kriedel nahm dabei die Transferfrage noch einmal auf einer zweiten, grundsätzlicheren Ebene auf: "Warum reparieren wir Schlaglöcher auf einem Feldweg?" Solange Forschung und Lehre die gut ausgebaute "Autobahn" wissenschaftlicher Karrieren sind, während Transfer und Ausgründung der schwierigere Weg bleiben, reicht es nicht, einzelne Transferfälle besser abzuwickeln. Auch Anreiz- und Karrierestrukturen müssen mitgedacht werden. Nicht nur die zehn ohnehin Gründungswilligen besser begleiten – sondern Bedingungen schaffen, unter denen aus zehn irgendwann hundert werden. Simone Herrmann von der IHK zu Dortmund setzte einen weiteren Baustein hinzu: Man muss nicht alles selbst wissen – aber man muss wissen, wen man fragen kann. Netzwerke werden damit zu einem entscheidenden Teil erfolgreichen Transfers: Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringen, Start-ups gezielt mit etablierten Unternehmen und Professorinnen und Professoren verbinden und vorhandene Kompetenzen nutzbar machen. Robert Lemperle rückte für das Deutsche Patent- und Markenamt die strategische Nutzung gewerblicher Schutzrechte in den Mittelpunkt. Und Holger Welsing vom VPP stellte die Frage, was von einem Unternehmen eigentlich übrigbleibt, wenn man Maschinen, Halle und Lager abzieht. Viel Wert steckt im Wissen – in Konstruktionen, Verfahren, Software, Daten und Erfahrung. Schutzrechte können diesen häufig unsichtbaren Wert sichtbar, bewertbar und übertragbar machen. Sein Schlussgedanke brachte die strategische Perspektive auf den Punkt: Nicht mit der Anmeldung anfangen, sondern mit der Frage: Welcher Umsatz von morgen braucht heute Schutz?

Prof. Gerhard Schembecker, Michael Ullrich, Dr. Bernd Burchard, Dr. Linh Phan, Dr. Stephan Jekat, Prof. Dr. Daniel Rauh
Wie unterschiedlich die Antwort darauf ausfallen kann, zeigte anschließend das von Schembecker moderierte Podium mit Dr. Linh Phan von MURTFELDT, Dr. Bernd Burchard von Elmos Semiconductor, Prof. Dr. Daniel Rauh von der TU Dortmund und Michael Ullrich von BILSTEIN SERVICE. Denn eine Patentstrategie ist eben nicht automatisch die richtige IP-Strategie. Bei MURTFELDT liegt der Schwerpunkt beispielsweise bewusst auf Marken: Zahlreiche Produktbezeichnungen beginnen mit "Mur" und schaffen Wiedererkennung und Verbindung zum Unternehmen. Linh Phan formulierte deshalb einen Satz, der hervorragend zu diesem Nachmittag passte: "Das Ziel sollte nicht das Patent sein." Ausgangspunkt müsse vielmehr die Frage sein: Welches Problem soll eigentlich gelöst werden? Bei BILSTEIN SERVICE sieht die Perspektive wiederum anders aus. Auch in einer traditionsreichen Branche wie Stahl entstehen immer neue Anwendungen – etwa im Umfeld der Elektromobilität. Michael Ullrich machte deutlich, wie wichtig es deshalb ist, Ingenieurinnen und Ingenieure frühzeitig für IP zu sensibilisieren. Im Zweifel lieber einmal zu viel prüfen, ob etwas schutzfähig ist, als eine Chance zu verpassen. Gleichzeitig gilt auch hier: Ein Patent allein verdient noch kein Geld. Ideen müssen in die Anwendung kommen. Wie schnell eine Chance dagegen unwiederbringlich verloren sein kann, schilderte Bernd Burchard aus der Unternehmenspraxis bei Elmos. Dort gehört ein regelmäßig tagender Patentausschuss inzwischen fest zum IP-Management. Sein drastisches Bild blieb hängen: "Eine einmal abgesoffene Erfindung holt man nicht mehr aus der Kanalisation raus." Wer eine technische Idee gegenüber Kunden oder Partnern offenlegt, bevor über Schutz nachgedacht wurde, kann zu spät kommen. Seine Kurzfassung: "Wer nicht anmeldet, verliert." Prof. Daniel Rauh brachte schließlich die Perspektive der universitären Forschung ein. Gerade in der Wirkstoffforschung können chemische Strukturen Ausgangspunkt für Patente, Ausgründungen, Venture Capital und Kooperationen mit Unternehmen werden. Doch der tatsächliche Wert einer Erfindung zeigt sich häufig erst sehr viel später. Umso wichtiger sei die Frage, wie entlang der Wertschöpfungskette geschützt werden müsse – nicht einfach nur, ob ein Patent angemeldet wird. Und auch er blickte selbstkritisch zurück: Was würde er nach vielen Jahren an der Universität anders machen? Vor allem eines: nicht nichts tun. "Loss of opportunity." Damit war die Diskussion wieder dort angekommen, wo Schembecker den Nachmittag begonnen hatte. Erfindungen lassen sich nicht planen. Ihr späterer Wert lässt sich nicht sicher vorhersagen. Und ob aus ihnen am Ende ein Markterfolg entsteht, weiß man im Moment der Entscheidung erst recht nicht. Genau deshalb braucht Innovation neben Wissen, Strukturen und Schutzrechten eben auch Mut. Oder, wie Schembecker es zum Abschluss deutlich einfacher formulierte: Einfach mal Dinge machen.
Beim anschließenden Get-together war dann Gelegenheit, genau das fortzusetzen, was die Roadshow an allen Stationen ausmacht: das zuvor Gehörte weiterzudenken, konkrete Fragen mit den Partnern zu besprechen, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Netzwerke zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und IP-Praxis zu vertiefen. Unser Dank gilt allen, die den Dortmunder Stopp möglich gemacht und mit Leben gefüllt haben: der TU Dortmund mit CET und ITP, der IHK zu Dortmund, dem VPP und seinen Vertreterinnen und Vertretern, allen Workshop-Leitenden und Podiumsgästen sowie natürlich allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die ihre Fragen, Erfahrungen und Perspektiven eingebracht haben.
Und jetzt heißt es für die Innovations-Roadshow 2026: Auf zur letzten Station – Aachen!
Sechste Station: Hannover

Das sagen Partner zur Innovations-Roadshow
Von der Erfindung zur Innovation – und manchmal zurück zur ersten Entscheidung
Ein historischer Ort für ziemlich aktuelle Fragen: Die Hannoveraner Station unserer Innovations-Roadshow führte uns in den Marstall der Leibniz Universität Hannover. Mitte der 1860er-Jahre für Pferde und Kutschen des hannoverschen Königs errichtet, wurde das denkmalgeschützte Gebäude in den vergangenen Jahren aufwendig und mit viel Liebe zum historischen Bestand saniert. Seit 2024 ist der Marstall wieder geöffnet und bietet heute unter anderem der TIB Raum für Wissen, Forschung und Austausch. Und dort ging es gleich sehr praktisch los. Den Auftakt machte der VPP-Workshop "IP-Funktion im Unternehmen – was kleine und große Firmen voneinander lernen können". Anschließend wurde im DPMA-Workshop "Mit Patenten Chancen sichern – Strategien für eine erfolgreiche Anmeldung" mit Dr. Bernd Läßiger, Leiter der Hauptabteilung "Patente und Gebrauchsmuster" beim DPMA, intensiv diskutiert: über Patentstreitigkeiten zwischen großen und kleinen Unternehmen, über das Zusammenspiel von DPMA und EPA – wobei das DPMA häufig als Erstanmeldeamt fungiert – und über Anmeldungen, die mithilfe von KI erzeugt werden. Sie nehmen zu und machen unserer Einschätzung nach bei Patentanmeldungen bislang einen Anteil von unter zehn Prozent aus; bei Markenanmeldungen liegt er etwas höher.
Nach Empfang und erstem Networking begann der gemeinsame Programmteil. Prof. Dr. Sören Auer, Direktor der Technischen Informationsbibliothek (TIB), brachte in seiner Begrüßung ein Spannungsfeld auf den Punkt, das sich durch den weiteren Abend ziehen sollte: Offenheit und Schutz gehören zusammen. Gerade mit Blick auf Open Science komme es darauf an, die richtige Balance zu finden: Wissen zugänglich machen und koordinieren – und zugleich bewusst entscheiden, was geschützt werden sollte. Wie das ganz praktisch aussehen kann, zeigte anschließend Claudia Todt vom PIZ Hannover an der TIB. Unter dem Motto "Patentinformation neu gedacht – von der Neuheitsrecherche zum Technologietransfer" stellte sie ein neues Portal vor, das technische Erfindungen nicht nur über ihre bibliografischen Daten erschließt, sondern sie verständlich und sichtbar macht. Das Beispiel dafür sollte uns wenig später noch einmal begegnen: die Erfindung von Bardia Akaberi. Ein Video mit Erläuterungen, Transkript und ergänzenden Informationen macht nachvollziehbar, was sich aus einer technischen Zeichnung allein nicht jedem sofort erschließt. Patentinformation wird damit zu einem Instrument des Technologietransfers: Aus dokumentiertem Wissen wird verständliches Wissen – und damit Wissen, das leichter seinen Weg in die Anwendung finden kann. Dass hinter solchen Angeboten ganz konkrete Unterstützung steckt, bestätigte Akaberi später selbst auf dem Podium. Gerade bei den technischen Schutzrechten habe ihn Claudia Todt intensiv begleitet.
Von der Erfindung zur Innovation

Genau an dieser Schnittstelle setzte auch Arne Krüger, Vorstandsvorsitzender von PIZnet, mit seinem Impuls an. Die 15 deutschen Patentinformationszentren verstehen sich nicht erst dann als Ansprechpartner, wenn die Entscheidung für ein bestimmtes Schutzrecht längst gefallen ist. Ihr Ansatz reicht von der ersten Orientierung und Recherche über IP-Strategie, Freedom to Operate und Bewertung bis hin zu Schutz, Verwertung und Technologietransfer. Oder, wie der Titel seines Impulses es zusammenfasste: "Von der Erfindung zur Innovation." Dabei richtete Krüger den Blick nicht nur auf die einzelne Erfindung, sondern auf eine grundsätzliche Aufgabe: IP-Kompetenz muss früher beginnen. Start-ups und Mittelstand müssen vor Ort erreicht werden – und auch an Hochschulen sollte Wissen über geistiges Eigentum stärker und systematischer bei Lehrenden und Studierenden verankert werden. Zu den strategischen Zielen von PIZnet gehören außerdem die Einbettung in eine nationale IP-Strategie und die weitere Modernisierung der Zusammenarbeit zwischen den Patentinformationszentren und dem DPMA. Wie wichtig dieser Ansatz ist, zeigte sich später fast wie von selbst: Die drei Gäste auf dem Podium waren auf völlig unterschiedlichen Wegen mit IP in Berührung gekommen. "IP ist teuer. Kein IP ist teurer." Mit dieser Zuspitzung lenkte Dr. Jan Bellin vom VPP den Blick auf die Werte, die in einem Unternehmen häufig unter der sichtbaren Oberfläche liegen. Das Produkt, so sein Bild, sei nur die Spitze des Eisbergs. Technische Erfindungen, Marken, Designs, Software und andere immaterielle Werte können durch eine durchdachte IP-Strategie sichtbar, schützbar und wirtschaftlich nutzbar werden. Robert Lemperle rückte für das DPMA den strategischen Umgang mit gewerblichen Schutzrechten in den Mittelpunkt. Marcus Brünnel von der IHK Braunschweig zeigte wiederum, dass der Einstieg in das Thema keine hohe Hürde sein muss, und verwies insbesondere auf die kostenlosen Erfinderberatungen durch Patentanwältinnen und Patentanwälte bei den IHKs.
Drei Perspektiven, drei Wege zum IP

Anschließend wechselte Arne Krüger die Rolle: Als Moderator des Podiumsgesprächs "Deine Idee. Dein Schutz. Dein Business." brachte der PIZnet-Vorstandsvorsitzende drei unterschiedliche unternehmerische Perspektiven und Erfahrungsstufen zusammen. Und gerade dadurch wurde deutlich, dass es den einen Weg zur richtigen IP-Strategie nicht gibt. Lennart Weiß berichtete von einem entwickelten Tool, das Kontext recherchiert. Beim Markenschutz hat sein Unternehmen früh gehandelt. Den KMU-Fonds des EUIPO und den IP Scan kennt Weiß aus eigener Erfahrung und hob insbesondere die unkomplizierte und schnelle Beantragung hervor. Beim Patent fiel seine Entscheidung damals anders aus: Der Algorithmus sollte geheim bleiben. Die notwendige Offenlegung und die besonderen Voraussetzungen für softwarebezogene Erfindungen gaben den Ausschlag. Rückblickend würde Weiß heute sehr viel aktiver prüfen, ob Patentschutz möglich ist. Den damaligen Verzicht bezeichnete er selbst als "strategischen Lapsus". Denn ein Patent ist zunächst ein immaterieller Wert – kann für ein Unternehmen aber sehr materiell werden. Auch Bardia Akaberi ist auf dem Weg von der technischen Idee zum Unternehmen. Für einen Dämpfer für ein Rahmentragwerk meldete er 2025 ein Gebrauchsmuster an, parallel arbeitet er am Markenschutz für GOLDHOOP. Unterstützung fand er beim PIZ Hannover/TIB – von der Orientierung, welches Schutzrecht zu seiner Situation passt, bis zur Recherche zum Stand der Technik. Für Akaberi ist das Schutzrecht dabei ein Baustein auf dem Weg von der Idee zum Unternehmen. Rückblickend würde er noch früher einen Patentanwalt einbeziehen, Fördermöglichkeiten stärker nutzen und sich möglichst früh beraten lassen. Grundsätzlich, das machte er ebenfalls deutlich, ist er mit seinem bisherigen Weg sehr zufrieden. Dr.-Ing. Ansgar T. Kirk wiederum brachte viel Erfahrung mit Schutzrechten aus der Wissenschaft mit einer besonderen Wendung mit: Während seiner Promotion wirkte er an zwölf Patenten mit, die sämtlich erteilt wurden. Als die Leibniz Universität Hannover später ihr Patentportfolio verkleinern wollte, konnte er ein Patent günstig übernehmen. Ein weiteres Patent wurde lizenziert und bildet eine Grundlage seines Unternehmens ACKISION GmbH, das über EXIST-Forschungstransfer gegründet wurde. Dass Schutzrechte für den Transfer aus der Forschung ins Unternehmen entscheidend sein können, hat Kirk damit ganz unmittelbar erlebt. Und auch die Marke kam später hinzu – inklusive einer Auseinandersetzung mit einem schwedischen Unternehmen, die mithilfe einer Markenanwältin schnell geklärt werden konnte. Sein Rat aus heutiger Sicht: Vor einer Anmeldung alle Optionen bedenken. Denn mit der Anmeldung werden Weichen gestellt – Zufälle sollte man dabei möglichst ausschließen. Bei einem Punkt lagen die Erfahrungen auf dem Podium nah beieinander: IP ist Chefsache. Markenüberwachung, Recherchen zu Wettbewerbern und die strategische Weiterentwicklung des eigenen Schutzrechtsportfolios gehören nicht an den Rand eines Unternehmens. Sie sind Teil der Unternehmensstrategie.
Und wo lernt man das eigentlich?

Eine der aufschlussreichsten Runden begann deshalb mit einer einfachen Frage: Wann seid ihr IP zum ersten Mal begegnet? Weiß hatte bereits während seines Maschinenbaustudiums in Dresden entsprechende Inhalte kennengelernt – heute seien sie dort nicht mehr Bestandteil des Studiums. Angesichts eines globalen Innovationswettbewerbs werde IP-Wissen in der Ausbildung aus seiner Sicht "sträflichst vernachlässigt". Akaberi wiederum stieß aus eigener Initiative und eher zufällig auf das PIZ. Kirk erinnerte sich, dass IP während seines Studiums allenfalls eine Randnotiz gewesen sei. Intensiv damit beschäftigt habe er sich erst während seiner Promotion – unterstützt durch einen Professor mit großer Affinität zu Schutzrechten und durch die Mitarbeit an zwölf Patenten. Heute gibt Kirk selbst Entrepreneurship-Vorlesungen an der Leibniz Universität Hannover. Und damit landete die Diskussion ziemlich genau bei dem Punkt, den PIZnet zuvor gesetzt hatte: Wer möchte, dass Gründerinnen, Gründer und innovative Unternehmen IP von Anfang an strategisch mitdenken, muss das Wissen darüber früher vermitteln. Beratung kann viel auffangen – noch besser ist es, wenn die Kompetenz bereits vorhanden ist, bevor die erste entscheidende Weiche gestellt wird. Vielleicht passte deshalb auch die letzte Publikumsfrage so gut: Wenn 2026 wieder mehr gegründet wird als im Vorjahr – erleben wir gerade ein neues Momentum? Kirk verwies auf Kosten und Fördermöglichkeiten, aber seine wichtigste Botschaft war denkbar einfach: "Einfach machen!" Gleichzeitig müsse vieles weniger bürokratisch und einfacher werden. Weiß sieht zwei Entwicklungen: Zum einen habe die verstärkte Gründungsförderung aus dem Hochschul- und Wissenschaftsumfeld, etwa über EXIST und die neuen Start-up Factories, der Start-up-Szene zusätzlichen Schub gegeben. Zum anderen verändere sich die wirtschaftliche Realität. Wenn klassische Angestelltenverhältnisse weniger sicher erscheinen, schrumpfe auch der Abstand zwischen dem vermeintlichen Risiko einer Gründung und der vermeintlichen Sicherheit einer Festanstellung.
So endete ein Nachmittag, an dem viel über Patente, Marken und Gebrauchsmuster gesprochen wurde – letztlich aber vor allem über Entscheidungen: offenlegen oder geheim halten? Patentieren oder nicht? Wann Beratung holen? Welche Förderung nutzen? Und wann aus einer Idee tatsächlich ein Unternehmen machen? Die Hannoveraner Antwort darauf: früh informieren, Optionen kennen, strategisch entscheiden – und dann auch machen.
Ein herzlicher Dank gilt unseren Gastgeberinnen und Gastgebern vor Ort, insbesondere der TIB, dem PIZ Hannover und der Leibniz Universität Hannover für die Organisation, die Gastfreundschaft und den außergewöhnlichen Rahmen für diese Station der Innovations-Roadshow. In einem ehemaligen königlichen Marstall, der heute Raum für Wissen, Forschung und Austausch bietet, hätte die Frage, wie aus Wissen Innovation wird, kaum besser aufgehoben sein können.
Deine Idee. Dein Schutz. Dein Business. – nächste Station: Dortmund.
Fünfte Station: Bremen
Das sagen Partner zur Innovations-Roadshow

„Ein Patent ist eine Wette“
Eine gute Idee ist noch kein gutes Geschäft. Was soll daraus werden? Wo liegt ihr wirtschaftliches Potenzial? Und was davon sollte geschützt werden? Bei der Bremer Station der Innovations-Roadshow 2026 rückte eine Frage immer wieder in den Mittelpunkt: das „Wofür?“.
Denn am Ende braucht es eine unternehmerische Entscheidung – darüber, welchen Weg eine Innovation nehmen und welche Rolle geistiges Eigentum dabei spielen soll. Am 7. September machte die Innovations-Roadshow unter dem Motto „Deine Idee. Dein Schutz. Dein Business.“ Station in Bremen. In der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven trafen Unternehmen, IP-Fachleute und die Partner der Roadshow zusammen. Nach vier kurzen Impulsen wurde es ausgesprochen praktisch: Vier Unternehmen öffneten den Blick auf ihre eigenen Erfahrungen mit geistigem Eigentum – auf Entscheidungen und Lernprozesse, unterschiedliche Strategien und nicht zuletzt auf die Frage, wann sich eine Investition in Schutzrechte tatsächlich auszahlt.
Unterstützung und Expertise zusammenbringen

Andreas Köhler, Handelskammer Bremen/IHK für Bremen und Bremerhaven
Nach der Begrüßung durch Andreas Köhler von der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven eröffneten vier kurze Impulse den Abend. Robert Lemperle vom Deutschen Patent- und Markenamt zeigte, dass der Einstieg in den Patentschutz niedrigschwelliger sein kann, als vielfach angenommen. Für zunächst 40 Euro kann eine deutsche Patentanmeldung eingereicht und damit ein Anmeldetag gesichert werden. Danach bleibt Zeit, die Erfindung weiterzuentwickeln und über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Seine Botschaft: Schutzrechte frühzeitig mitdenken und die vorhandenen Informations- und Unterstützungsangebote nutzen.
Dr. Henning Lütjens stellte den VPP (Vereinigung von Fachleuten des gewerblichen Rechtsschutzes) und sein Netzwerk vor. Rund 2.900 Mitglieder aus unterschiedlichen Branchen und Tätigkeitsbereichen, regionale Bezirksgruppen und Fachreferate zu Themen vom Patent- und Arbeitnehmererfinderrecht bis zu KI in der IP-Praxis bieten Raum für fachlichen Austausch, Vernetzung und Weiterbildung.
Die regionale Perspektive brachte Birte Löhr von der IHK Niedersachsen ein. Sie zeigte, welche Rolle die IHKs dabei spielen, Unternehmen für Innovationsthemen zu sensibilisieren, Orientierung zu geben und den Zugang zu passenden Unterstützungsangeboten und Ansprechpartnern zu erleichtern. Wie konkret eine solche Begleitung aussehen kann, erläuterte Dr. Lieselotte Riegger von InnoWi – Patent- und Markenzentrum Bremen. Das Angebot für Start-ups und Unternehmen reicht von Erstberatung und IP-Scans über Schutzrechtsstrategien und Recherchen bis zur Technologie- und Wettbewerbsbeobachtung. Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt InnoWi unter anderem bei der Bewertung von Erfindungen, beim Patent- und Portfoliomanagement und bei der Lizenzierung. Das Ziel brachte eine ihrer Folien auf den Punkt: „aus wissenschaftlichen Ergebnissen geschützte Innovationen machen.“
Vier Unternehmen – und vier ganz unterschiedliche Ausgangspunkte

Dr. Andreas Wulfes, Dr. Jens Boßmeyer, Dr. Lieselotte Riegger, Dr.-Ing. Claudio Uriarte, Heiko Plorinn
Wie unterschiedlich dieser Weg aussehen kann, zeigten anschließend Heiko Plorinn von Roland Werk, Dr. Jens Boßmeyer von Bruker Daltonics, Dr. Andreas Wulfes von DOYMA und Dr.-Ing. Claudio Uriarte von cellumation. Bei Roland Werk standen die Kinderlaufräder „nick“ und „mika“ der Marke smoovotech auf der Leinwand. An ihnen machte Heiko Plorinn sichtbar, dass schon ein einzelnes Produkt ganz unterschiedliche Ansatzpunkte für Schutz bieten kann – vom Namen über technische Lösungen bis zur Gestaltung und Konstruktion. Sein Fazit: „Neue Ideen brauchen Mut – und Schutzrechte!“
Dr. Jens Boßmeyer brachte mit Bruker Daltonics die Perspektive eines international tätigen Hightech-Unternehmens ein. Hier geht es längst nicht mehr um das einzelne Patent, sondern um die strategische Funktion eines Portfolios: Investitionen absichern, Handlungsspielräume erhalten, Verhandlungspositionen stärken – und Patentinformationen zugleich nutzen, um technologische Entwicklungen und Wettbewerber im Blick zu behalten. Bei DOYMA führte das Beispiel zu einem Bauteil, an dem wohl die wenigsten zunächst eine umfassende IP-Strategie vermuten würden: einer Wanddurchführung für Wärmepumpenleitungen.
Dr. Andreas Wulfes zeigte daran, wie viele Entscheidungen von der Entwicklung bis zum Markt zusammenkommen – von frühen technischen Anmeldungen und möglichen Umgehungslösungen über die Auswahl relevanter Auslandsmärkte bis zur passenden Markenstrategie. Und bei cellumation begann alles mit einer Forschungsidee. Dr.-Ing. Claudio Uriarte zeichnete den Weg „von der Forschungsidee zum geschützten Geschäftsmodell“ nach. Patente, Marken, Geschäftsgeheimnisse und Verträge können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Doch bevor über das passende Instrument entschieden wird, steht eine andere Frage: Wofür? Was soll aus der Idee werden? Welchen Kundennutzen schafft sie? Wo liegt der Wettbewerbsvorteil? Und wie lässt sich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln? Damit war die Frage gestellt, die auch im anschließenden Podium immer wieder auftauchte.
„Ein Patent ist eine Wette“

Robert Lemperle, DPMA (links)
Denn ein Patent beantwortet diese Fragen nicht automatisch. Uriarte brachte die Unsicherheit, mit der gerade junge Unternehmen umgehen müssen, auf einen prägnanten Satz: „Ein Patent ist eine Wette.“ Zum Zeitpunkt der ersten Anmeldung weiß niemand, ob aus einer technologisch überzeugenden Idee später tatsächlich ein erfolgreiches Produkt wird. Trotzdem müssen früh Entscheidungen getroffen, Ressourcen eingesetzt und Weichen gestellt werden. Mit zunehmender Erfahrung, Kundenwissen und Marktkenntnis kann eine Schutzrechtsstrategie gezielter werden.
Genau hier wurde in der Podiumsdiskussion ein Unterschied deutlich, der den Bremer Abend prägte: Eine Innovation lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Der Entwickler schaut auf die technische Lösung. Was kann sie? Was ist neu? Wie lässt sie sich noch besser machen? Der unternehmerische Blick fügt andere Fragen hinzu: Was lässt sich daraus machen? Gibt es einen Markt? Welchen wirtschaftlichen Wert kann die Idee entwickeln? Welche Investitionen sind dafür notwendig – und was davon soll geschützt werden? Die Initialzündung für diese Überlegungen kann durchaus von außen kommen: durch Beratung, einen Patentanwalt, ein Patent- und Markenzentrum oder andere Unterstützer.
Auch Dr. Andreas Wulfes machte deutlich, wie wichtig es ist, das Potenzial einer Idee überhaupt erst zu erkennen. Die unternehmerische Entscheidung aber kann niemand abnehmen. Am Ende muss die Unternehmensleitung entscheiden, welches Ziel verfolgt wird, welche Ressourcen eingesetzt werden – und welches Risiko sie dafür eingehen will. Damit bekam auch Uriartes „Wette“ eine zweite Ebene: Nicht das Patent entscheidet über den wirtschaftlichen Erfolg einer Idee. Entscheidend ist, wofür ein Unternehmen es einsetzt. Ein Schutzrecht kann ein starkes Business-Werkzeug sein – wenn klar ist, welches unternehmerische Ziel es unterstützen soll. Und dieses „Wofür?“ sieht je nach Unternehmen anders aus. Ein Start-up mit begrenztem Budget muss andere Prioritäten setzen als ein Unternehmen mit einem gewachsenen Patentportfolio. Ein international tätiges Technologieunternehmen trifft andere Entscheidungen als ein Mittelständler in einem klar umrissenen Markt. IP-Strategie gibt es deshalb nicht von der Stange.
IP-Wissen – besser früher als später

Andreas Köhler, Handelskammer Bremen/IHK für Bremen und Bremerhaven
Bemerkenswert war vor diesem Hintergrund auch die Antwort auf die Frage, wann die vier Unternehmensvertreter erstmals mit gewerblichen Schutzrechten in Berührung gekommen waren: bei allen erst nach Studium oder Ausbildung. Gerade in technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen sei das zu spät, so der Tenor. Wer entwickelt und forscht, sollte nicht erst im Unternehmen erfahren, welche wirtschaftliche Bedeutung geistiges Eigentum haben kann. Dabei reicht es nicht, zu vermitteln, wie eine Patentanmeldung funktioniert. Ebenso wichtig ist das Verständnis dafür, wofür Schutzrechte eingesetzt werden können. Auch Marken kamen dabei in den Blick. Wer einen Unternehmens- oder Produktnamen entwickelt, sollte nicht erst kurz vor dem Marktstart prüfen, ob ältere Rechte entgegenstehen oder die gewünschte Domain überhaupt verfügbar ist. Technischer Schutz, Marke, Geschäftsgeheimnis und vertragliche Regelungen sind unterschiedliche Instrumente – und müssen zum jeweiligen Ziel passen.
Veröffentlichen oder patentieren?

Dr. Henning Lütjens, Bayer AG, VPP
Eine Frage aus dem Publikum führte zurück zum Ausgangspunkt vieler Innovationen: in die Wissenschaft. Was kommt zuerst – die wissenschaftliche Veröffentlichung oder die Patentanmeldung? Hier ist die Reihenfolge entscheidend: Soll eine Erfindung patentiert werden, muss sie grundsätzlich vor ihrer Veröffentlichung angemeldet werden. Andernfalls kann die eigene Publikation der Neuheit entgegenstehen. Gerade im Wissenschaftsbetrieb entsteht damit ein Spannungsfeld: Publikationen sind für wissenschaftliche Karrieren wichtig, zugleich kann eine vorschnelle Veröffentlichung eine spätere wirtschaftliche Verwertung erschweren oder verhindern.
Weitere Publikumsfragen reichten von Gebrauchsmustern und Marken über Verfahrensdauern bis zur Frage, wie kleine Unternehmen mit begrenzten Ressourcen überhaupt eine sinnvolle Schutzstrategie entwickeln können. Und wieder führte vieles zurück zum Bremer „Wofür?“: Nicht mit der Frage beginnen, was sich alles schützen lässt, sondern damit, was aus einer Idee werden soll. Erst daraus ergibt sich, welches Schutzinstrument sinnvoll ist, welche Märkte wichtig sind und an welcher Stelle externe Expertise gebraucht wird.
Und wann gibt es die nächste?

Birte Löhr, IHK Niedersachsen
Dass diese Fragen mit dem Ende des offiziellen Programms keineswegs erledigt waren, zeigte das anschließende Get-together. Gespräche wurden weitergeführt, konkrete Fälle diskutiert und Kontakte zu den anwesenden Fachleuten geknüpft. Und auch eine inzwischen beinahe vertraute Frage fiel wieder: Wann gibt es eine Wiederholung der Veranstaltung? Ein schönes Signal für die Roadshow – und vor allem dafür, dass Unternehmen den Austausch über den strategischen Umgang mit geistigem Eigentum suchen.
Ein besonderer Dank des DPMA gilt der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven, InnoWi – Patent- und Markenzentrum Bremen, der IHK Niedersachsen, dem VPP sowie allen beteiligten Unternehmen und Mitwirkenden für den offenen Austausch und die Einblicke aus der Praxis.
Vielleicht bleiben aus Bremen damit vor allem zwei Fragen im Kopf: Was soll aus meiner Idee werden? Und was kann ein Schutzrecht dazu beitragen? Oder, mit Claudio Uriarte: „Ein Patent ist eine Wette.“
Deine Idee. Dein Schutz. Dein Business. – Nächste Station: Hannover.
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Bilder: DPMA
Stand: 11.09.2026

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