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Zum Internationalen Frauentag 2019

Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz am 9. März 2019 im Sächsischen Landtag

Impulsvortrag von Christine Moosbauer, Vizepräsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes: "Innovative Frauen & innovative Ideen – gestern, heute und in Zukunft"

Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin des Sächsischen Landtags Dombois,
sehr geehrte Frau Staatsministerin Köpping (für Gleichstellung und Integration),
sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zur heutigen Festveranstaltung anlässlich des Internationalen Frauentags. "Innovationen – Made by Women" – das bietet für mich als Vizepräsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes viele Ansatzpunkte. Das meiste ist wohlbekannt: Innovationen sind Voraussetzungen, Indikator und Motor für den Wohlstand einer Gesellschaft.

"Made in Germany" steht heute für Qualität, Ingenieurskunst und Innovationen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieser Slogan in Großbritannien als Warnung zum Schutz vor vermeintlich billiger und minderwertiger Importware eingeführt. Dass sich "Made in Germany" später zum Qualitätsbegriff entwickeln würde, war nicht abzusehen.

Aber "Innovation – Made by Women"?
Innovationen und der gewerbliche Rechtschutz werden oft vor allem mit Technik verbunden. Und bei technisch geprägten Berufen sind die Frauen trotz aller Bemühungen noch immer in der Minderheit.

Aber meine Damen und Herren, wir alle wissen natürlich: Es gab in der Vergangenheit Frauen mit innovativen Ideen, es gibt sie heute und in Zukunft müssen es noch mehr werden!

Oft werden wir im Deutschen Patent- und Markenamt gefragt, warum in unserer Erfindergalerie, die Sie auch im Internet finden noch keine Erfindungen von Frauen zu finden sind. Wir müssten doch einen Überblick haben. Und es muss doch Frauen geben?

Aber wie immer im Leben ist es auch an dieser Stelle etwas komplizierter. Alles was einer Frau gehörte, war bis in das 19. Jahrhundert Eigentum des Mannes. Das galt selbstverständlich auch für die Erfindungen. In der Vergangenheit waren viele Frauen also gezwungen, ihre Erfindungen und Experimente im Verborgenen durchzuführen. Heute weiß man, dass sie diese Erfindungen dann unter männlichen Pseudonymen oder unter dem Namen ihres Mannes veröffentlicht und zum Patent angemeldet haben.

Aber patente und geniale Frauen gab es schon immer! Und deren Erfindungen finden wir nicht nur – wie oft vermutet – im Bereich des Haushalts und des Büros, sondern in allen Branchen. Selbstverständlich gab es bedeutende Erfindungen für den Haushalt und das Büro: Josephine Cochrane gilt als Erfinderin des Geschirrspülers (1886: auf ihren Namen patentiert), Marion Donovan erfand die Wegwerfwindeln und Bette Graham bescherte uns die Korrekturflüssigkeit.

Aber viele Erfindungen von Frauen finden wir auch in anderen Bereichen. So erfand die Amerikanerin Mary Anderson 1903 den Scheibenwischer für Autos und Katharina ("Käthe") Paulus das Fallschirmpaket. Beide Frauen erhielten für ihre Erfindungen ein Patent – die Patente sind zwar abgelaufen, aber die Erfindungen werden noch heute genutzt. So wie jeder den Scheibenwischer kennt, kennt jeder Fallschirmspringer den "Paulushaken" (Paulushaken am Fallschirm).

Auch die Entdeckung der Kernspaltung von Uran ist in erheblichem Maße das Verdienst einer Frau, deren Forschungen zwar 1945 mit dem Nobelpreis für Chemie gekrönt wurden. Alleiniger Preisträger war allerdings ein Mann: Otto Hahn. Lise Meitner, die zur Entdeckung maßgeblich beigetragen hat, ging leer aus.

Und noch zwei weitere Frauen, auf deren Namen etliche Patente angemeldet wurden, möchte ich erwähnen. Zum einen die Glaschemikerin Marga Faulstich, die über 300 Typen optischer Gläser entwickelte, und zum anderen die Raumfahrtingenieurin Eveline Gottzein, die großen Anteil an der heutigen Technik von Magnetschwebebahnen und Satelliten hat. Frau Gottzein wurde übrigens in Leipzig geboren, also eine gebürtige Sächsin. Sie wurde 1993 als bisher einzige Frau mit dem Werner-von Siemens-Ring geehrt – eine der höchsten technisch-naturwissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland.

Also eine Menge kluger Frauen, die in der Vergangenheit als Erfinderinnen gewirkt haben. Und heute? Heute werden große Erfindungen oft Teams zugeschrieben, in denen ganz selbstverständlich auch Frauen mitwirken. Aber: von einer Gleichstellung von Männern und Frauen kann wohl noch keine Rede sein. Es gibt viele Bemühungen und Programme, daran etwas zu ändern. Aber es geht nur Schritt für Schritt und manchmal sehen wir das Ergebnis auch nicht gleich.

Ich kann mich noch gut an 1975 erinnern: Ein Universitätshörsaal mit 900 neuen Studierenden der Elektrotechnik – und davon genau vier Frauen. Und ich war eine dieser Frauen an der TU München. So eine starke Ungleichverteilung der Plätze gibt es heute zum Glück nicht mehr!

Der Anteil der Absolventinnen in Ingenieurwissenschaften (laut Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen) liegt seit 15 Jahren bei mehr als 20 Prozent. Bei den Naturwissenschaften beträgt der Anteil mehr als 40 Prozent. Und in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen gab es 2015 (laut Stifterverband) 19 Prozent Frauen. Zwar hat sich der Anteil seit meinen Studienzeiten verbessert. Trotz der erfreulichen Entwicklung machte der Anteil der Erfinderinnen unter den Patentanmeldern 2017 nur 6,3 Prozent aus. Demnach ist nur jede 16. unter den deutschen Erfindern eine Frau. Unsere Auswertungen haben ergeben, dass die Quote in den klassischen Ingenieurbereichen noch wesentlich geringer war. Nur der deutlich höhere Frauenanteil in den Naturwissenschaften hat den Gesamtwert gehoben.

Meine Damen und Herren,
wie sieht es hier in Sachsen aus? Auch hier liegen innovative Frauen mit einem Anteil von 6,6 Prozent nur ganz knapp über dem Durchschnitt. Ansonsten bewegt sich der Freistaat im Trend. Frauen sind insbesondere in den Bereichen Arzneimittel (44%), Biotechnologie (34%) und organische Feinchemie (29,3%) aktiv. Bemerkenswert war bei unserer Auswertung, dass gerade die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, die sonst die Rankings anführen, bei der Frauenquote unter dem Durchschnitt lagen.

Für mich ist es wichtig, dass die Innovationen von Frauen sichtbar werden und so auch im Bewusstsein der Gesellschaft ankommen. Daher freue ich mich sehr, dass mein heutiger Vortrag so beeindruckend von Innovationen "made by women" eingerahmt wird. Eine solche Veranstaltung wie die heutige trägt dazu bei.

Nicht in jedem Bereich der gewerblichen Schutzrechte sind Frauen dermaßen unterrepräsentiert. Anders sieht es zum Beispiel im Markenbereich aus. Marken bieten Schutz für den Namen. So erhalten die Unternehmen die notwendigen Freiräume für das wirtschaftliche und erfolgreiche Handeln. Hier geht es auch um Emotionen. Und das ist doch eigentlich ein Thema, dass schon immer uns Frauen zugeschrieben wurde. Der Anteil der Frauen in diesem Bereich ist höher.

Für die Rechte der Frauen auf gleiche Teilhabe einzutreten, ist unser aller Aufgabe. Für die Gesellschaft im Allgemeinen und auch für uns Frauen im Besonderen.

In der Publikation der Süddeutschen Zeitung "Plan W – Frauen verändern Wirtschaft" habe ich eine interessante Aussage gefunden: "Das Institut der deutschen Wirtschaft hat vorausgesagt, dass vermehrte Initiativen von Unternehmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis 2020 eine volkswirtschaftliche Rendite im dreistelligen Milliarden Bereich erbringen könnte. Man kann es auch umdrehen: Eine männerdominierte Arbeitswelt kostet die Wirtschaft Milliarden."

Aber es geht um mehr als die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir brauchen:

  • Frauen mit Vorbildfunktion,
  • mehr Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen,
  • gute Weiterbildungsangebote,
  • Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch – sowohl auf fachlicher als auch persönlicher Ebene – und
  • nicht zu vergessen: gute Netzwerke.

Mit 6,3 Prozent Erfinderinnenanteil nutzen wir das Innovationspotential unseres Landes nicht optimal aus. Heute fördern wir in Deutschland eindeutig zu wenig den Erfindergeist von Frauen.

Deutschland steht für Innovationskraft, Kreativität und Ingenieurskunst. Um unsere Spitzenstellung in Forschung und Entwicklung behaupten zu können, müssen wir die Fähigkeiten und Erfahrungen von Frauen stärker nutzbar machen.

Die in der Gesellschaft verhafteten Rollenbilder müssen weiter hinterfragt und abgebaut werden. Und ich rede an dieser Stelle bewusst von der Gesellschaft. Die Rollenbilder sind heute noch immer bei vielen verhaftet. Aber – und das möchte ich auch betonen – wir Frauen sind auch selbst gefragt. Ich habe vorher die Raumfahrtingenieurin Eveline Gottzein erwähnt. Sie setzt sich sehr für die Förderung von Mädchen und Frauen in technischen Berufen ein.

Man müsse seine Möglichkeiten als Frau erkennen lernen, hat Frau Gottzein mal in einem Interview gesagt. Man müsse sich ein Konzept machen, wie man sie ausnutzen und selber gestalten kann. Im Allgemeinen seien die Männer doch froh, wenn sie jemanden hätten, der ihnen sagt, wie es geht.

Auch wir Frauen müssen uns also immer wieder unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten bewusst werden und für unsere Rechte und Träume eintreten und kämpfen. Und das nicht nur am Internationalen Frauentag!

Es geht darum, Frauen zu ermutigen, ihre Fähigkeiten im Berufsleben in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen einzubringen. Es geht darum, der Gesellschaft die Fähigkeiten von Frauen aufzuzeigen. Es geht darum, Arbeitgeber und Verantwortliche zu ermutigen, Frauen die gleichen Chancen wie Männern einzuräumen. Es geht darum, auf allen Seiten die Komfortzone zu verlassen und neue Wege zu beschreiten.

Eine gleichberechtigte Gesellschaft – unabhängig von seinem Geschlecht seine Fähigkeiten einbringen – das sollte unsere Zukunft sein! Eine Zukunft mit einer erfolgreichen Wirtschaft und Gesellschaft in Wohlstand!

Vielen Dank!

Stand: 11.03.2019 

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