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Erfindermesse IENA 2026

Babyträume, Hundehilfe, Kampf den K.O.-Tropfen

Auf der externer Link Messe iENA in Nürnberg informieren das DPMA und Partnerorganisationen über Patente, Gebrauchsmuster, Marken und Designs. Hunderte Erfinderinnen und Erfinder präsentieren dort wieder ihre Neuheiten – und vielen denken den Schutz von Anfang an mit.

Wenn KI Hunde rettet: Frühwarnsystem gegen epileptische Anfälle

Mann und Frau mit Hund

Leonie Altmann und Jonas Ernst mit Nannok

Der Weg, der Leonie Altmann und Jonas Ernst auf die Erfindermesse iENA in Nürnberg führte, begann dramatisch: Vor zwei Jahren waren die beiden mit ihrem Camper samt Hund "Nanook" im Urlaub. Eines Morgens irgendwo im Nirgendwo begann ihr kuschliger und herzensguter Alaskan Malamut merkwürdige Geräusche von sich zu geben und sich sonderbar zu bewegen. Der spielt halt wieder irgendwie, dachte Jonas Ernst im Halbschlaf. Leonie Ernstmann war schon etwas wacher und sofort alarmiert. Sie weckte ihren Freund: "Der Hund stirbt!"

Es ging noch einmal gut, "Nanook" überlebte. Aber ernst war es doch. Es stellte sich heraus, dass der Hund einen epileptischen Anfall hatte. Das gibt es auch bei Tieren – und offenbar gar nicht so selten. Drei bis fünf Hunde stürben deswegen jeden Tag. So eine Expertenschätzung, die die beiden recherchiert haben. Ihr Hund ist inzwischen in Behandlung, bei Bedarf gibt es auch für Tiere Medikamente. Aber das Risiko bleibt – und auch die ständige Sorge von Hundehaltern. Denn man weiß nie, wann und wo ein Anfall auftreten wird – und ob man das dann überhaupt rechtzeitig mitbekommt.

So kamen Altmann und Ernst, heute 28 und 27 – damals noch als Masterstudenten – auf ihre Idee: Sie wollen ein durch Künstliche Intelligenz gestütztes Frühwarnsystem für Hunde entwickeln. Es soll am Halsband Bewegungsdaten und Gesundheitsdaten aufzeichnen und über eine App an Halterinnen und Halter übermitteln – und dann im Idealfall rechtzeitig Alarm schlagen. Die beiden stehen noch am Anfang, aber das Know-how haben sie. Beide haben den Ingenieursstudiengang "Simulation und Test" an der Hochschule Coburg abgeschlossen – und schon einiges an Erfahrung mit KI-Entwicklung. Als nächsten Schritt wollen sie Daten von Betroffenen sammeln, um einen geeigneten Algorithmus auszuarbeiten. Auf der iENA hoffen sie auf Kontakte und Anregungen.

Die Messe ist eine der größten ihrer Art. Und einer der wichtigsten Anlaufpunkte vor allem für sogenannte freie Erfinderinnen und Erfinder, die nicht in Entwicklungsabteilungen großer Unternehmen oder Forschungseinrichtungen arbeiten. Hier können sie ihre Neuentwicklungen bekannt machen und Unternehmen als Partner, Lizenznehmer oder Käufer finden.

Schotterweg für süße Träume: Eine clevere Erfindung für Kinderwagen

Mann kniet voer Kinderwagen

Christof Sommerauer

Einer dieser Erfinder ist Christof Sommerauer aus Altdorf bei Nürnberg. Er präsentiert im Grunde schon ein marktreifes Produkt: den "Sleep Ride". Auch Sommerauers Erfindung hat ihren Ursprung im privaten Umfeld. Genauer gesagt: in seiner Vaterrolle. Als er vor einigen Jahren in seiner Neubausiedlung rausging, um sein Kind im Wagen in den Schlaf zu schieben, stellte er fest, dass sich alle Kinderwagenschiebenden der Siedlung auf einem bestimmten Weg trafen. Es war der einzige Schotterweg und da Babys und Kleinkinder bekanntlich am besten einschlafen, wenn der Kinderwagen ordentlich hin und her ruckelt, war auf der Strecke auch immer ordentlich Gedränge. Das muss nicht sein, dachte sich Sommerauer. "Der Schotterweg muss zum Kinderwagen kommen, und nicht umgekehrt."

So entwickelte er den "Sleep Ride" – einen Reifenüberzieher, der sich mit Gummizug nach dem Prinzip eines Spannbettlakens um den Reifen des Kinderwagens legt. Auf dem Überzieher befinden sich Hartgummiaufsätze, die beim Fahren das Ruckeln erzeugen. So entsteht Schotterweg-Feeling selbst auf den glattesten Flächen. Dass man mit einer solchen Idee nicht ungeschützt auf eine Messe gehen sollte, weiß Sommerauer, der im Hauptberuf im Einkauf eines großen Technologieunternehmens arbeitet. Denn nur was noch nicht veröffentlicht ist, lässt sich als Patent schützen. Für Gebrauchsmuster gibt es immerhin eine sechsmonatige Schonfrist, innerhalb derer eine Anmeldung auch nach einer Veröffentlichung noch möglich ist. Für sein Funktionsprinzip hat er sich vor einiger Zeit beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) ein Gebrauchsmuster eintragen lassen. So will er verhindern, dass es jemand ungestraft kopiert.

Gute Ideen brauchen Schutz: Warum Erinderinnen und Erfinder früh an Patente, Marken und Designs denken sollten

Über solche Zusammenhänge und andere Aspekte der Schutzrechte geistigen Eigentums – über Patente, Gebrauchsmuster, Marken und Designs – informiert das DPMA auf der iENA mit einem großen Stand. An den drei Messetagen (31. Oktober bis 2. November) stehen dafür Fachleute bereit (Halle 4, Standnummer A20). Zudem informieren dort Expertinnen und Experten der Weltorganisation für geistiges Eigentum, des Europäischen Patentamts, des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum und der Agentur "Bayern Innovativ". Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie berät über Fördermöglichkeiten für Schutzrechtsanmeldungen. Darüber hinaus bieten eine Patentanwältin und ein Patentanwalt Erfinderinnen und Erfindern kostenfreie Erstberatungen. Termine dafür kann man am DPMA-Stand vereinbaren.

Sicher feiern ohne K.O.-Tropfen: Ein NFC-Ring schützt das Getränk

Mann mit Getränk mit Deckel

Markus Duelli

Über das Stadium der Erfindererstberatung ist Markus Duelli aus Ilmenau hinaus. Für seine Erfindung hat er längst ein Patent und ein Gebrauchsmuster angemeldet. Die Erfindung soll ein Problem lösen, auf das er ebenfalls durch seine Kinder aufmerksam wurde: Leider greift auf Partys seit längerer Zeit das kriminelle Phänomen um sich, dass heimlich sogenannte K.O.-Tropfen in Getränke gemischt werden, um Menschen zu betäuben. Duelli dachte darüber nach, wie er seine Kinder, aber auch sich selbst, vor solchen Tätern schützen kann – und entwickelte den "SafeSwitch".

Bei dem System kommuniziert ein Ring am Finger per NFC-Chip (Near Field Communication) mit einem Deckel auf einem Getränkeglas. Der Kunststoffdeckel verschließt das Getränk mit einer Silikonverriegelung, die sich an den Glasrand drückt. Mit einem Ring, den man am Finger trägt (und nur mit diesem Ring), lässt sich die Verriegelung kontaktlos öffnen. Man kann das abgedeckte Glas also getrost an der Bar stehen lassen, tanzen gehen und sein Getränk dann wieder sicher genießen. Das Patent ist für das Funktionsprinzip angemeldet, das Gebrauchsmuster für die spezielle Silikonverriegelung, die vom schmalen Sekt- bis zum breiten Caipirinha-Glas alles abdecken kann.

Entwicklung und Produktion des SafeSwitch hat Duelli mit seinem Familienunternehmen zunächst selbst finanziert. Am 9. November startet eine Crowdfunding-Aktion im Internet – in der Hoffnung auf finanzielle Unterstützung von interessierten Kundinnen und Kunden. Duelli will es mit der Vermarktung erstmal auf eigene Faust versuchen. Aber wer weiß schon, was sich auf der iENA noch alles ergibt.

Bild 1: iENA, Bilder 2, 3, 4: DPMA/Til Huber

Stand: 30.10.2026