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Europäischer Erfinderpreis 2022 - die Finalistinnen und Finalisten stehen fest

Frank Herre (links), Hans-Georg Fritz und Team

Zero Waste – automatisiertes System zum verlustfreien Lackieren von Karosserien: Frank Herre, Hans-Georg Fritz und Team für Europäischen Erfinderpreis 2022 nominiert

Das Europäische Patentamt hat am 17. Mai 2022 die Finalistinnen und Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis bekannt gegeben. In der Kategorie "Industrie" sind die deutschen Ingenieure Frank Herre, Hans-Georg Fritz und ihr Team unter den Nominierten. Sie haben ein automatisiertes Autolackiersystem entwickelt. Es trägt den Lack so auf, dass dabei kein Tropfen verloren geht. Dadurch fällt weniger Abfall an und es wird wesentlich einfacher, individuelle Kundenwünsche zu realisieren.

Revolutionäre abfallfreie Karosserielackierung

Individuelle Lackierungen, wie beispielsweise Streifen auf einer Motorhaube oder eine Kontrastfarbe auf dem Autodach, werden auf die Karossiere aufgesprüht, nachdem die umliegenden Autoteile mit Klebeband oder Folie abgeklebt wurden. Etwa 20 Prozent der Farbe werden dabei jedoch durch Overspray beziehungsweise Lacknebel verschwendet. Viele Lackierverfahren erfordern zudem eine energieintensive Heizung, um die Farbe zwischen den einzelnen Schichten zu trocknen. Die Erfindung des Teams des deutschen Maschinen- und Anlagenbauers Dürr System AG trägt die Farbe so präzise auf, dass das Abkleben und jeglicher Abfall vermieden werden und der Energieverbrauch um bis zu 30 Prozent gesenkt werden kann.

Die Technologie könnte das Wachstum des Marktes für individuell gestaltete Autos ankurbeln, zunächst für High-End-Modelle oder zur Differenzierung von Elektroautos, aber auch mit Potenzial für die Serienproduktion. Herre, Fritz und ihr Team arbeiten nun daran, ihr System für die Lackierung größerer Teile eines Autos oder der gesamten Karosserie anzupassen. "Wir stehen erst am Anfang der Anwendung dieser revolutionären Technologie für die Standardlackierung”, sagt Herre und fügt hinzu, dass sie eines Tages auch für die Anbringung von Logos auf Zügen, Bussen oder Außenflächen verwendet werden könnte. „Wir wissen, dass es möglich sein wird, unser System für die Außenlackierung einzusetzen und das wird zukünftig unser Ziel und unsere Aufgabe sein: Ganze Fahrzeuge ohne Overspray zu lackieren. Das wird die Effizienz verbessern, die Umweltbelastung verringern und damit auch die Kosten für die Hersteller senken."

Musiker trifft richtigen Ton mit Schnellverschlüssen: Joachim Fiedler in der Kategorie "KMU" nominiert

Joachim Fiedler vor seinem magnetischen Verschluss

Ebenfalls für den Europäischen Erfinderpreis nominiert ist der deutsche Erfinder und Cellist Joachim Fiedler, der innovative Verschlüsse entwickelt hat. Diese kombinieren Magnete mit einem mechanischen Schließmechanismus und lassen sich leicht mit nur einer Hand öffnen.

Wie so oft, stand auch am Beginn dieser Erfindung ein scheinbar einfaches Problem: Joachim Fiedler wollte seinen Cellobogen aus dem Koffer holen. Da sein Instrument bereits in seiner anderen Hand lag, hatte er dafür nur eine Hand frei. Das brachte Fiedler auf die Idee, den Einhandverschluss zu erfinden. Heute werden seine magnetisch-mechanischen Verschlüsse häufig benutzt, um Alltagsprobleme zu beseitigen. Die Verschlüsse finden sich in einer Vielzahl von Produkten, von Taschen und Schuhen bis hin zu Motorradhelmschnallen, die sogar hohen statischen Belastungen standhalten. Besonders gefragt sind Fiedlers Verschlüsse in der Fahrradindustrie, wo sie für leicht zu öffnende Helmschnallen und die Befestigung von Wasserflaschen und Handys am Fahrrad eingesetzt werden.

Europäischer Erfinderpreis - Preisverleihung am 21. Juni 2022

Sie haben die Wahl!

Neben den fünf Hauptkategorien gibt es einen Publikumspreis. Dieser wird über eine öffentliche Abstimmung vergeben. Auf der Internetseite des Europäischen Patentamts können Sie für Ihren Favoriten oder Ihre Favoritin abstimmen.

Der Europäische Erfinderpreis wird einmal im Jahr vom Europäischen Patentamt vergeben. In den fünf Kategorien Industrie, Forschung, Nicht-EPO-Staaten, KMU und Lebenswerk werden jeweils drei Anwärterinnen und Anwärter nominiert, von denen dann eine Person oder ein Team ausgezeichnet wird.

In diesem Jahr wird das EPA zum ersten Mal auch den Young Inventors prize vergeben. Der neue Preis für junge Menschen unter 30 ist mit einer Geldprämie für die drei Finalisten dotiert, um sie weiter zu ermutigen, kreative Lösungen für drängende Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung zu finden.

Die Preisverleihung findet dieses Jahr am 21. Juni im Rahmen einer digitalen Zeremonie statt.

Mehr zum Europäischen Erfinderpreis auf der externer Link Internetseite des Europäischen Patentamts.

Bilder: Europäisches Patentamt

Stand: 18.05.2022