Das DPMA

Inhalt

50 Jahre Weißes Album

The Beatles Schriftzug

Wort-Bild-Marke Nr. 000219014, eingetragen 1996

Die Beatles, ihr Meisterstück und ein Markenrechtsstreit

Vor 50 Jahren, am 22. November 1968, erschien das wohl musikalisch vielseitigste Album aller Zeiten: „The Beatles“, besser bekannt als das „Weiße Album“. Ein Meilenstein der Musik, aber auch der Wirtschaftsgeschichte der Populärkultur, denn darin lag der Keim eines jahrzehntelangen Streits um Markenrechte.

Die Beatles hatten damals jahrelang für Superlative gesorgt: Verkaufsrekorde, unerreichte Zuschauermassen, Beatlemania. Allmählich hatte sich auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Werke der Pilzköpfe aus Liverpool eine künstlerische Qualität besaßen, die weit über (fast) allem lag, was sich sonst noch so in den Charts tummelte. Mit „Sgt. Pepper“ hatten sie 1967 ein Meisterwerk abgeliefert, dass die (Pop-)Welt veränderte. Was konnte danach noch kommen?

Ein epochales Doppelalbum. Das Äußere bildete den größtmöglichen Kontrast zum Vorgänger-Album mit seinem opulenten, quietschbunten Cover: Blankes Weiß, darauf lediglich in Blindprägung „The Beatles“ als schlichter Titel. Außerdem ein Stempel mit einer Seriennummer. Im Inneren der Hülle vier Fotos der Bandmitglieder und die Titel der Songs, das war´s. Minimalismus pur.

Ein Kaleidoskop des Pop

Apple Logo

Von René Magritte inspiriertes Logo von Apple Corps, eingetragen 1968 (Nr.349518)

Ganz anders aber die Musik: Nie zuvor (und wohl auch nicht danach) erreichte eine Band diese musikalische Bandbreite, diese Vielfalt an Farben und Formen. Auf dem Weißen Album finden sich Songs der unterschiedlichsten Stilrichtungen, etwa Blues („Yer blues“), Country („Rocky Racoon“), Folk („Mother Nature´s Son“), anrührende Balladen („While my guitar gently weeps“), Rock´n Roll („Back in the USSR“), Music-Hall („Honey Pie“), süßliche Schlaflieder („Good Night“), Fingerpicking-Songwriting („Blackbird“), avantgardistische Ton-Collagen („Revolution 9“) oder brachialer Hardrock („Helter Skelter“, oft auch als erstes Heavy-Metal-Stück bezeichnet).

Auf ihren vorigen Alben hatten die Beatles (im Wettstreit mit Brian Wilson von den Beach Boys) zwar bereits alle klanglichen Möglichkeiten der damaligen Studiotechnik ausgereizt, aber selbst das bahnbrechende „Sgt. Pepper“ war noch auf einer 4-Spur-Maschine aufgenommen worden. Nun stand ihnen in den Abbey Road Studios erstmals ein nagelneues Acht-Spur-Aufnahmegerät zur Verfügung, das erst kurz zuvor auf den Markt gekommen war und neue Möglichkeiten für Overdubs, Multiinstrumentierung und weitere Tricks bot, die sie auch ausnutzten. Die Beatles waren auch in technischer Hinsicht stets Avantgarde; Paul McCartney meldete später sogar ein Patent an ( pdf-Datei WO 1995014987 A1.pdf (0,97 MB).

Erste Risse in der Gruppe

Foto von Beatles-CD-Cover

Die unvergleichliche Vielseitigkeit des Weißen Albums war aber auch ein Ausdruck der zunehmenden Fragmentierung der Band: Vier Komponisten (ja, sogar Ringo steuerte einen Song bei!) machten in mehreren Studios parallel ihr eigenes Ding mit diversen Gastmusikern; die Band trat zunehmend hinter den kreativen Individuen zurück. Persönliche Spannungen belasteten die Aufnahmen: Yoko Ono wich John Lennon auch im Studio nicht von der Seite, was für die anderen Bandmitglieder sehr gewöhnungsbedürftig war. Ein Toningenieur schmiss genervt die Arbeit hin. Ringo verließ zeitweise die Band komplett und konnte nur mühsam zur Rückkehr überredet werden.

Aber es gab auch wirtschaftliche Komplikationen im Umfeld des Albums, und das führt uns zu den eingangs erwähnten Rechtsstreiten. Das Weiße Album war die erste Platte der Beatles, die unter ihrem eigenen Label erschien. Anfang 1968 hatten die Musiker eine Firma gegründet. Bei dem Mischkonzern handelte es sich um ein sehr idealistisches Projekt, beflügelt vom Flower-Power-Zeitgeist, das zum Beispiel großzügig Fördermittel an künstlerische Projekte vergab, von denen fast alle im Sande verliefen, oder eine Boutique im Herzen Londons betrieb, in der ganz hippie-mäßig nur wenig Wert auf das Bezahlen der Einkäufe gelegt wurde. Kurz: Mit dieser Firma machten die Beatles praktisch nur Verluste und sie waren heillos überfordert. Ihr Name: Apple Corps.

Der Zank-Apfel

Apfel-Logo

Apfel-Logo, angemeldet von Apple Corps 1968, heute im Besitz von Apple Inc (Nr. 352703)

Die Vinyl-Schallplatten des Weißen Albums waren die ersten, die das Logo von Apple Records zierte: ein grüner Apfel der Sorte Granny Smith, einmal von außen, einmal im Querschnitt. Er wurde zum Markenzeichen der letzten Beatles-Platten. Wie bei vielen anderen berühmten Bands kam man erst lange nach ihrer Auflösung auf die Idee, den Namen und Schreibweise markenrechtlich zu schützen (1148166, 000219014, 000219048).

Sitz der Firma war das Haus 3 Savile Row, auf dessen Dach die Beatles am 30. Januar 1969 ihr letztes Konzert gaben. Als sich die Bandmitglieder künstlerisch und menschlich immer weiter voneinander entfernten, sich als Band 1970 trennten und schließlich sogar untereinander verklagten, blieb Apple Corps als Rechteinhaberin erhalten. Von den verschiedenen Zweigen des Hippie-Konzerns bestand nur die Plattenfirma Apple Records weiter, die auch andere Künstler unter Vertrag hatte. Dem Ende der Beatles folgten etliche langjährige Rechtsstreitigkeiten, die Apple u.a. gegen frühere Plattenfirmen oder Manager der Band führte. Die Firma ist bis heute im Besitz der vier Ex-Beatles bzw. ihrer Erben.

Apple gegen Apple

Apfel-Logo von außen

Beatles-Apfel von 1968 (Nr. 353046) jetzt im Besitz von Apple Inc., die sich 2009 auch noch die s/w-Varianten schützten (1028102, 1028240)

Als 1976 Steve Jobs und Kollegen in Kalifornien eine kleine Computerfirma gründeten, störten sie sich nicht daran, dass es bereits ein Unternehmen namens Apple mit einem Apfel-Logo gab. Aber die Beatles-Firma unter Leitung ihres ehemaligen Roadmanagers Neill Aspinall war „not amused“: Apple Corps. verklagte 1978 Apple Inc. wegen Markenrechtsverletzung – der Beginn eines jahrzehntelangen Streits. In der ersten Einigung von 1981 zahlten Steve Jobs & Co. Schadenersatz an Apple Corps. und sicherten zu, nicht im Musik-Bereich tätig zu werden.

Als Apple-Computer ab 1986 MIDI und Audio-Aufnahmen ermöglichten, sah die Beatles-Firma das Übereinkommen verletzt und verklagte das US-Unternehmen erneut. Ähnliches geschah nochmals 1991. Das Londoner Apple erhielt Schadenersatz in Millionenhöhe und erzwang ein erneutes Übereinkommen, mit dem es Apple Inc. vom Musik-Business fernhalten wollte.

Der Apfel wechselt den Besitzer

Jubiläumsausgabe des Weißen Albums als CD, Foto

Jubiläumsausgabe des Weißen Albums. - Trotz der Einigung von 2007 dauerte es bis Ende 2010, ehe Apple Inc. auch die Beatles über iTunes vertrieb

Der Frieden hielt bis 2003, als die Amerikaner mit iTunes im großen Stil in das Musikgeschäft einstiegen. Prompt verklagte Apple Corps die Computerfirma wegen Vertragsbruch. Aber im Mai 2006 urteilte ein Londoner Gericht, das Markenabkommen der beiden Firmen von 1991 sei nicht verletzt worden.

Am 5. Februar 2007 gab die Computerfirma bekannt, dass man sich geeinigt habe. Es wurde spekuliert, dass eine Menge Geld von Cupertino nach London geflossen war. Apple Inc übernahm jedenfalls sämtliche „Apple“-Markenrechte, kündigte aber gleichzeitig an, einige davon an Apple Corps zu lizensieren. So kommt es, dass die 1969 eingetragenen Beatles-Marken mit dem Granny Smith heute zwar der jüngeren Computerfirma gehören, aber weiterhin „exklusiv lizensiert“ auf den Beatles-Platten zu finden sind. So auch auf der Remix-Neuausgabe des „Weißen Albums“, die gerade zum 50. Jubiläum erschien.

DPMAregister, JBP/DPMA, DPMA, www.thebeatlesonline.co.uk

Stand: 10.05.2019 

Position

Sie befinden sich hier: