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Prinz mit Durchblick

Vor 110 Jahren: Scheibenwischer-Patent für Heinrich von Preußen

foto von Prinz Heinrich von Preußen, um 1909

Prinz Heinrich von Preußen, um 1909

Bekannt ist dieser Prinz heute noch wegen eines Kleidungsstücks: Die „Prinz-Heinrich-Mütze“ hat der Hohenzollern zwar nicht erfunden, aber populär gemacht. Diese Kopfbedeckung trugen die Mitglieder des Kaiserlichen Yachtclubs, dem Albert Wilhelm Heinrich von Preußen (1862 -1929) – ein leidenschaftlicher Seefahrer und Großadmiral – angehörte. Sie sah den Uniformmützen der Kaiserlichen Marine sehr ähnlich; und diese wiederum glichen stark den „Helgoländer Lotsenmützen“, die Bundeskanzler Helmut Schmidt gerne trug und somit dazu beitrug, dass die „Prinz-Heinrich-Mütze“ bis in unsere Tage beliebt blieb.

Aber nun zu seiner Erfindung: Heinrich von Preußen war der jüngere Bruder des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Er teilte nicht dessen Geltungssucht und aggressive Arroganz, die wesentlich dazu beitrug, Europa in den Ersten Weltkrieg zu stürzen. Heinrich galt im Gegensatz zu seinem Bruder als Sympathieträger mit diplomatischem Gespür und war international angesehen.

Zeichnung aus der Patentschrift von Heinrich von Preußen 1908

Lineal mit Scheibe: Zeichnung aus der Patentschrift von Heinrich von Preußen 1908

Der hochgeborene Marineoffizier war sehr an moderner Technik interessiert, was unter anderem durch den Ehrendoktor der Universität Harvard gewürdigt wurde. Heinrich nahm etwa an der Erprobungsfahrt des ersten deutschen Untersee-Bootes teil und erkannte sofort das militärische Potenzial dieser Entwicklung. Aber er fühlte sich nicht nur zu Wasser, sondern auch in der Luft wohl: Heinrich war einer der „Alten Adler“, er gehörte also zu den nur 817 Personen, die vor dem 1. August 1914 eine Pilotenprüfung in Deutschland bestanden hatten. Mit seinen 48 Jahren war er 1910 der älteste Pilot der Welt.

Es überrascht also nicht weiter, dass der Prinz auch ein Erfinder war. Er stieß beim Fahren in seinem Opel auf folgendes Problem: „Bei Kraftfahrzeugen wird zum Schutz des Führers in den meisten Fällen eine durchsichtige Schutzwand angebracht… Die Anordnung einer derartigen Schutzscheibe hat aber einen anderen Übelstand zur Folge, und zwar besteht derselbe darin, dass die Scheibe infolge der Staub- oder Schmutzablagerung sehr bald undurchsichtig wird.“ Seine Lösung war ein „aus einem nach Art eines Freiträgers ausladenden Abstreichlineal bestehender Scheibenreiniger für die vordere Schutzscheibe an Kraftfahrzeugen“. Dafür erhielt er am 24. März 1908 ein Patent ( pdf-Datei DE204343A).

Anderson war die Erste

Scheibenwischer-Skizze aus Mary Andersons Patentschrift

Scheibenwischer-Skizze aus Mary Andersons Patentschrift

Nun war Heinrich aber nicht der erste, der einen Scheibenwischer für Autos entwickelte. Bereits am 10. November 1903 hatte die Amerikanerin Mary Anderson aus Alabama das Patent auf den ersten funktionierenden Scheibenwischer der Welt erhalten ( pdf-Datei Patentschrift US743801). Dabei handelt es sich übrigens um eines der frühesten Patente für eine weibliche Erfinderin überhaupt.

Nennenswerte Gewinne machten beide wohl nicht mit ihren Erfindungen. Wie Heinrichs Scheibenwischer wurde Andersons Erfindung von Hand betrieben. Und das blieb noch lange Stand der Technik. Erst 1926 präsentierte Bosch einen Scheibenwischer, den ein Elektromotor antrieb.

Unbekannter Fotograf (G. Bain?), via Wikimedia Commons, Patentschrift DE204343A, US74380

Stand: 20.03.2019 

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