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200. Todestag

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Napoleon – Kaiser der Marken

Napoleon ist eine der bekanntesten Figuren der Weltgeschichte. Kein Wunder, dass der berühmte Name, den wirklich jede und jeder kennt, für zahlreiche Marken genutzt wird. Mit 174 Eintragungen schlägt „Napoleon“ in DPMAregister selbst sein Vorbild „Caesar“ deutlich, der „nur“ in 106 Markeneintragungen vorkommt. Unter den historischen Persönlichkeiten, deren Namen für Marken genutzt werden, kann nur „Einstein“ (der berühmteste Patentprüfer aller Zeiten) mit 161 Eintragungen Napoleon halbwegs das Wasser reichen.

Napoleon-Porträt von Jacques-Louis David

Napoleon-Porträt von Jacques-Louis David, 1812

Dabei ist Napoleon Bonaparte, der vor 200 Jahren am 5. Mai 1821 starb, keine sympathische Figur: Seine blutigen Eroberungskriege kosteten unzählige Menschen das Leben. Die Ideale der Französischen Revolution, die seinen kometenhaften militärischen Aufstieg ermöglicht hatten, betrog er, indem er sich zum Kaiser krönte und versuchte, eine Dynastie und Erbmonarchie zu begründen.

Andererseits etablierte er aber wichtige rechtliche Errungenschaften der Revolution durch Reformen in Verwaltung und Gesetzgebung. Sein „Code civil“ bestimmt die Zivilgesetzgebung in Frankreich bis heute. Auch in den eroberten deutschen Gebieten war dieser „Code Napoleon“ nachhaltig prägend für die bürgerliche Gesetzgebung.

Vor allem Alkoholika

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Der Zwiespalt zwischen dem kriegerischen Diktator, der zeitweise fast ganz Europa beherrschte, und dem aufgeklärten Reformer und Gesetzgeber lässt Napoleon bis heute als schillernde Figur erscheinen.

Welche Art von Marken sind es nun, die seinen Namen nutzen? Nun, vor allem Alkoholika. Die Wortmarke „Napoleon“ ist angemeldet für französischen Wermut (DE831480, IR337522) oder Bier (DE303487992), in der Variante „NAPOLEON'S LAST LUXURY“ (EM013303235) auch für weitere alkoholische Getränke. Auf ein Wortspiel setzt die belgische Bier-Marke „IMPERI ALE NAPOLEON“ (EM013459301).

Auch „Bonaparte“ ist als Wortmarke für französische Weine eigetragen (DE1057977). Der Versuch, „Chateau de Napoleon“ für nichtalkoholische Getränke anzumelden, wurde zurückgewiesen (EM016485501). Es gibt aber eine Wort-Bild-Marke für einen „Napoleon Mineralbrunnen“ (DE30755555).

Namenspatron für Champagner

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Außerdem wurden diverse „alkoholische“ Wort-Bild-Marken wie „Grand Champagne Napoleon“ (IR158156), „Napoleon Cognac Fine Champagne“ (IR185425), „Champagne Grand Napoleon“ (IR308303) angemeldet.

Zu den gelöschten Alkohol-Marken gehören „Napoleon der große Korse“ für französische Importweine (DE878791), das „Kaiser Napoleon Bier“ (DE397068484) und die Marke „Roy De Prusse COGNAC NAPOLEON“ (DE1072168). Die hätte dem großen Korsen wohl nicht gefallen, war doch der König von Preußen sein Gegner. Auch „NAPOLEON SPINNER DELUXE“ hätte ihn wohl nicht amüsiert (EM018028626), eine holländische Anmeldung für Spielautomaten).

Krieg & Frieden

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Marken, die ihm dagegen vielleicht gefallen hätten: „NAPOLEON: TOTAL WAR“ (EM008511867, für Computerspiele) oder „NAPOLEON DYNAMITE“ (EM009748179), die Anmeldung eines Hollywood-Filmstudios.

Auch der Ort von Napoleons vielleicht größtem Sieg, „Austerlitz“, wurde als Marke für alkoholische Getränke zur Anmeldung gebracht (IR601570). Übrigens sind nach der Stätte seiner größten Niederlage, Waterloo, derzeit 31 Marken benannt, darunter ein belgisches Bier (IR1053694).

Süßes für den Feldherrn

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Abgesehen vom Alkohol werden Süßwaren gerne mit dem Namen des großen Feldherrn geschmückt. Ein bekannter Pralinenhersteller sicherte sich „Napoleon“ als Wortmarke für gefüllte Schokolade aus Frankreich (DE1021661). Außerdem gibt es eine gleichnamige IR-Marke für Süßigkeiten (IR897586). Eine Eis-Marke wurde gelöscht (DE305453939). Unter „Napoleon Energy“ werden Bonbons vermarktet (EM010832491). Und schließlich bewirbt eine bulgarische Konditorei ihre Waren mit „Napoleon - The Emperor’s Choice!“ (EM014653984).

Vom Brot bis zum Zaun

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Darüber hinaus gibt es mehrere Marken für Rauch- und Tabakwaren mit Napoleons Namen (DE702225, EM000042234). Ferner muss sein Name für Maschinenbau (DE1073701), Herrenbekleidung (DE1099354), Futtermittel (DE395336317), Zäune (DE302020640), Spiele (EM017255068) und möglicherweise Yogamatten (DE3020211000005) herhalten.

Ein Hersteller teurer Grills benennt sich ebenso nach ihm (EM008757445) wie ein Anbieter von touristischen Touren (EM013900733) auf der Insel Elba, wo Napoleon 1814 einige Zeit im Exil lebte, bevor er bei einem Comeback-Versuch sein Waterloo erlebte.

Zu den gelöschten Napoleon-Wortmarken gehören u.a. solche für Brot, Schnupftabak, Kissen und Optikerartikel; zurückgewiesen wurden Anmeldungen für Kirschen und Sherry.

Nicht heute Nacht, Josephine

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Napoleon Bonaparte, der am 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika geboren wurde, verdankte seinen Aufstieg nicht zuletzt seiner Frau: Joséphine de Beauharnais war eine bestens vernetzte Schlüsselfigur der Pariser Gesellschaft und verfügte über exzellente Kontakte in den besten Kreisen. Als Kaiser trennte er sich aber später von ihr und heiratete aus Staatsräson eine österreichische Prinzessin, um eine Dynastie begründen zu können.

„Josephine“ ist als deutsche Wortmarke für Spirituosen eingetragen (DE927745) und in der Variante mit accent aigu („Joséphine“) auch für Früchte in Alkohol (DE2002408). Auch ein französischer Alkoholanbieter hat sich ihren Namen als Marke eintragen lassen (EM001363191). „JOSEPHINE SPLENDEUR IMPÉRIALE“ ist als Marke für Juwelen registriert (IR1490254).

Ein griechischer Hersteller hat sich 2020 „Not tonight Josephine“ als Marke für Lingerie eintragen lassen (EM018287465). Das spielt einerseits auf ein gleichlautendes, in Großbritannien gängiges, auf Napoleon gemünztes Sprichwort an, andererseits auf den 1950er-Hit „Yes tonight Josephine“ von Johnny Ray. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass es auch eine Napoleon-Wortmarke für Kondome gibt (EM010638005).

Ende auf einsamem Eiland

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Nachdem es seit seinem ersten Kommando als General 1796 im Italienfeldzug steil bergauf gegangen war mit seiner Karriere, begann sich Napoleons Glück mit dem Angriff auf Russland 1812 zu wenden. Nach einer Serie von Niederlagen, besonders in der „Völkerschlacht“ bei Leipzig 1813, dankte er 1814 ab, kam dann aber noch einmal für 100 Tage zurück, bis er seine sprichwörtliche letzte Niederlage erlebte und auf die Insel St. Helena im Südatlantik verbannt wurde. Seine Anhänger, die Bonapartisten, blieben in Frankreich bis Ende des 19. Jahrhunderts eine starke politische Kraft.

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„Bonaparte“ wurde als Wortmarke z.B. für Seife (DE903910), Computerspiele (EM010214229), wissenschaftliche Apparate (EM008761553) oder Gärtnereiprodukte (EM018210397) eingetragen. Eine Hotelgruppe ließ sich eine Wort-Bild-Marke sichern (EM016988231), ebenso eine Brauerei (EM018063019).

Der große Korse - der übrigens entgegen landläufiger Meinung keineswegs von kleinem Wuchs war - starb auf der gottverlassenen Insel nach wenigen Jahren, nachdem schließlich jegliche Hoffnung auf eine Rückkehr an die Macht erloschen war. Er warf seinen politischen Schatten auf sein ganzes Jahrhundert und weit darüber hinaus. „L‘ombre de Napoleon“ – Napoleons Schatten – heißt übrigens auch eine weitere Alkoholika-Markenanmeldung (IR179299).

Text: Dr. Jan Björn Potthast; Bilder: DPMAregister, Jacques-Louis David / Public domain via Wikimedia Commons

Stand: 15.06.2021 

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