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Jimi Hendrix´ 50. Todestag

Jimi Hendrix in Aktion, 10. Mai 1968

Jimi Hendrix in Aktion, 10. Mai 1968

Der wilde Gitarrengott: Virtuose, Innovator, Marke

Vor einem halben Jahrhundert starb der wohl einflussreichste Gitarrist aller Zeiten: Jimi Hendrix. Niemand spielte die elektrische Gitarre so innovativ und revolutionär wie er. Deshalb wird Hendrix bis heute in Umfragen regelmäßig zum besten Gitarristen aller Zeiten gekürt. In den wenigen Jahren von seiner ersten Platte bis zu seinem frühen Tod am 18. September 1970 veränderte er die Geschichte des Instruments und der Rockmusik für immer.

Hinter Hendrix´ einzigartigem Spiel steckte nicht nur virtuoses Können, sondern auch eine Menge damals neuer Technik, die er entweder als erster oder zumindest wie kein zweiter nutzte. Der Gitarrist war auch ein Klangtüftler, der im Studio und auf der Bühne alle verfügbaren Effekte nutzte, kombinierte und neue Klänge schuf.

Seine bevorzugte E-Gitarre war die Fender Stratocaster (auch wenn er sie gerne mal auf der Bühne zerschlug oder verbrannte). Nicht zuletzt dank Hendrix gehört diese Gitarre bis heute nahezu unverändert zu den bekanntesten und meistverkauften Instrumenten. Hersteller Fender optimierte die Stratocaster zwar punktuell (siehe z.B. pdf-Datei US4803906A), aber seit Hendrix´ Zeiten wird das Instrument im Wesentlichen unverändert angeboten (natürlich gibt es auch diverse Hendrix-„Signature“-Modelle).

Jammerhaken und Jauleffekt

Vibrato- oder Tremolo-Hebel, DE1297070

Vibrato- oder Tremolo-Hebel, DE1297070

Eine ihrer technischen Besonderheiten war der Tremolo-Hebel (patentiert in den USA 1954, pdf-Datei US2741146; siehe auch pdf-Datei DE1297970A). Hendrix war der erste, der die Klangmöglichkeiten des Vibrato-Hebels (manchmal liebevoll „Jammerhaken“ genannt) voll ausreizte und zum wichtigen Stilelement seines Spiels machte. Seine berühmte Version der amerikanischen Hymne beim Woodstock-Festival – ohne dieses Patent undenkbar! Am Vibrato-Hebel wird übrigens bis heute weiter getüftelt, siehe z.B. pdf-Datei DE202019000687U1.

Eine technische Innovation wurde ebenfalls durch Hendrix populär gemacht: das Wah-Wah-Pedal, ein Effektgerät, zu dem es ein US-Patent ( pdf-Datei US 3530224) aus dem Jahr 1967 mit deutschem Familienmitglied ( pdf-Datei DE1264225A , „Klangreglerschaltung zur Darstellung des Jauleffekts“) gibt. Zu hören etwa beim Intro zu „Voodoo chile“.

Hendrix heute

DE102015002381B4

"Vorrichtung zur Erzielung von harmonischen Rückkopplungen bei elektrisch verstärkten Saiteninstrumenten" (DE102015002381B4)

Um seinem komplexen Sound nahe zu kommen (was allein schon deshalb schwer ist, weil der Linkshänder eine umgedrehte Rechtshändergitarre spielte), mussten Hendrix´ zahllose Nachahmer früher diverse Geräte für viel Geld nachkaufen und sich sein „Line-up“ – Gitarre, Effektgeräte, Amp (Verstärker), Boxen – mühsam zusammenstellen.

Dank verschiedener technischer Innovationen ist es heute möglich, Hendrix´ analogen Sound mit nur einem Gerät digital nachzuahmen. Mit Hilfe der so genannten Modeling-Technik lassen sich durch digitale Signalprozessoren Verstärker, Effektgeräte und sogar E-Gitarren so programmieren, dass die typischen Klangeigenschaften bestimmter populärer Modelle auf Knopfdruck abrufbar sind. Während die traditionellen Röhrenverstärker, die Hendrix und seine Nachfolger (stets voll aufgedreht) nutzten, praktisch nur einen charakteristischen Ton anbieten, kann ein Modeling-Amp zahlreiche „klassische“ Rock-Sounds digital nachahmen – auch in Zimmerlautstärke.

Manche Traditionalisten lehnen diesen „synthetischen“ Klang zwar ab, aber die zugrundeliegende Technik ist auf dem Markt höchst erfolgreich und wird immer weiter verfeinert, wie neuere Patente zeigen. Auch Hendrix´ Gitarrenbauer Fender stellte längst ein Digitalmodul für den universellen Einsatz bei E-Gitarren und Zubehörgeräten vor ( pdf-Datei US 7678985 B2 (1,2 MB), angemeldet 2007). Andere Hersteller bieten beispielsweise ein programmierbares Amp-Pedalboard an, das dem Gitarristen beliebig auswählbare digitale Effekte und Umschaltfunktionen auf der Bühne zur Verfügung stellt ( pdf-Datei US 8957297 B2 (1,21 MB), angemeldet 2013).

Spielwiese für Sound-Tüftler

EM011816485

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Selbst der Rückkopplungseffekt, den Hendrix exzessiv nutzte, lässt sich heute künstlich erzeugen: pdf-Datei DE102015002381B4 legt dar, wie der Effekt endloser Töne auch mit digitalen Amps und geringer Laustärke erzielt werden kann, ohne dass ein voll aufgedrehter Verstärker die direkt davor gehaltene Gitarre zum Schwingen bringen muss, um deren so erzeugte Töne wiederum stark verstärkt zurückwerfen und somit ein beliebig langes Geräusch erzeugen zu können.

Jimi Hendrix überwältigte sein Publikum gerne mit diversen spieltechnischen Tricks, spielte seine Gitarre auch mal mit Zunge und Zähnen. Sein Kollege Eric Clapton (ansonsten ein aufrichtiger Bewunderer Hendrix´) nannte das ironisch „Pyrotechnik“. Heute nehmen das neue Anmeldungen fast wörtlich, etwa „Gitarre mit integrierter Nebelmaschine und Lasertechnik“ ( pdf-Datei DE202019004187U1).

Diese und alle weiteren wichtigen technischen Innovationen in der Rockmusik lassen sich in der Patent-Datenbank des DPMA DEPATISnet gut recherchieren.

Hendrix als Marke

EM002960938

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Jimi Hendrix, der wilde Gitarrengott, ist längst selbst zur Marke geworden – im Wortsinn: sein Name ist beim DPMA als Marke eingetragen (DE30232623, auch EM004626685); seine Unterschrift ist als Wort-Bild-Marke für Warenklassen wie Musik oder Bekleidung angemeldet (EM011816485).

Erst Mitte der 1990er Jahre war es nach langen Streitigkeiten Hendrix` Vater James Al gelungen, sämtliche Rechte an Jimis Nachlass unter die Kontrolle der Familie zu bringen. Er gründet eine Vermarktungsgesellschaft, die „Experience Hendrix, L.L.C.“, in Jimis Geburtsstadt Seattle. Seither reizt diese die Möglichkeiten der gewerblichen Schutzrechte voll aus und betreibt eine offensive Vermarktung von Hendrix-Produkten (neuerdings sogar Mund-Nasen-Schutzmasken).

Are you experienced? – Achtung: Marke!

US4803906, ein Patent von Hendrix´ bevorzugtem Gitarrenhersteller Fender

US4803906, ein Patent von Hendrix´ bevorzugtem Gitarrenhersteller Fender

Erst 2018 sicherte sich das Unternehmen beispielsweise die Wortmarke „THE JIMI HENDRIX EXPERIENCE“ (EM017877400) für Kleidung und Musik (Nizza 25, 41) – nach dem Namen der Band, mit der Jimi 1966-69 spielte und zum Superstar wurde. Auch der Titel des Debütalbums von 1967, „ARE YOU EXPERIENCED“ ist seit 2018 eine Marke (EM 017877399, Nizza-Klassen 25, 41). Auch die Namen einiger seiner berühmtesten Songs wurden als Marken eingetragen, etwa „Voodoo Child“ (EM 013608567) und „Purple Haze“ (EM 01787739).

Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod wird mehr Hendrix-Musik verkauft als zu seinen Lebzeiten. Natürlich hat sich der Vertrieb von Musik heute sehr gewandelt. Aber die Streaming- und Verkaufsportale halten auch Klassiker wie Hendrix stets bereit und am Leben. So wird zum Beispiel das Funktionsprinzip eines der führenden Streaming-Anbieter in einer aktuellen Patentanmeldung explizit anhand des Beispiels eines Hendrix-Songs erläutert („Media content steering“, pdf-Datei EP3648106A1).

Bilder: Steve Banks (by Creative Commons CC by SA 4.0, via Wikimedia Commons), DEPATISnet, DPMAregister

Stand: 13.11.2020 

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