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100. Geburtstag von Ellis Kaut

Porträtfoto Ellis Kaut

Weltberühmt wollte sie schon als Kind werden

Am 17. November 1920 erblickte in Stuttgart ein Wunschkind das Licht der Welt - die kleine Elisabeth Kaut. Der Vater, gebürtiger Münchner, war Prokurist bei einer Bank, die Mutter Bauerstochter aus dem Württembergischen. Die Familie zog, als Ellis zwei Jahre alt war, nach München. Schon früh zeigte sich die künstlerische Ader des Mädchens. Die Vierjährige, genannt "Lieserl", sang lauthals und vornehmlich gerne im Treppenhaus allen Bekannten, Verwandten und Nachbarn Lieder mit unendlich vielen Strophen vor und war dabei kaum zu stoppen. Als sie die Hausmeisterin eines Tages fragte, ob sie denn Sängerin werden wolle, erwiderte das Mädchen: "Nein, so etwas will ich nicht werden". Und als darauf die Hausmeisterin wissen wollte, was sie denn dann werden wolle, antwortete Ellis: "Weltberühmt will ich werden."

Eine vielseitige Künstlerin

So verwundert es nicht, dass Ellis Kaut von ihrem schmalen Monatsgehalt als Kanzlei-Dienstanwärterin bei der Stadt München - ohne das Wissen ihrer Eltern - eine Schauspiel-Ausbildung finanzierte. Sie bekam ein Engagement in Wiesbaden, was ihr aber zu weit entfernt von ihrem zukünftigen Mann war. Im Jahr 1939 heiratete sie den Journalisten und Schriftsteller Kurt Preis, durch den sie auch zum Schreiben gekommen war. Schließlich studierte sie während des Zweiten Weltkrieges Bildhauerei an der Akademie für bildende Künste in München. Mit der Bildhauerei hielt sie die Familie über Wasser, indem sie Keramikfiguren verkaufte und Porträts bekannter Münchner anfertigte.

Von der Sprecherin beim Bayrischen Rundfunk zur "Mutter des Pumuckl"

Pumuckl-Bildmarke

Marke DE 1028393

Erst später begann sie Novellen, Erzählungen und Hörspiele zu verfassen und arbeitete als Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk. Für den Kinderfunk schrieb sie ihre erste und sehr erfolgreiche Kinderhörspielserie "Geschichten vom Kater Musch". Als die Sprecher der Hauptfiguren München aus beruflichen Gründen verließen, wurde die Serie nach über 100 Folgen eingestellt.

Eine neue Serie sollte den "Kater Musch" ersetzen und Ellis Kaut erhielt den Auftrag dazu. Bei einer Redaktionsbesprechung suchte sie nach dem Bleistift, den sie gerade in der Hand hatte - er war plötzlich verschwunden. Sie lachte: "Was, wenn nicht ich den Bleistift verlegt hätte, sondern ein Kobold?" Die Redakteurin war von der Idee begeistert und die Basis für eine neue Serie geschaffen.

Bei einem Winterspaziergang mit ihrem Mann entstand der Name: Ellis Kaut machte sich einen Spaß daraus, an den schneebedeckten Ästen zu ziehen und zwar so, dass der Schnee auf dem Kopf ihres Mannes landete. Der ließ sich das lachend gefallen und nannte sie "einen richtigen Pumuckl". Ein Name, der ihm spontan einfiel.

"Pumuckl" als Hörspiel, Buch und Film

Wussten Sie, dass ...

... Teile des Vorspanns von "Pumuckl" von der Dachterrasse des DPMA-Dienstgebäudes in der Münchner Zweibrückenstraße gedreht wurden?
Die Schreinerei vom Meister Eder befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum DPMA in einem Hinterhof im Lehel.

1961 feierte der "Pumuckl" seine Radio-Premiere im BR – 90 Folgen wurden insgesamt ausgestrahlt. Die typische "Pumuckl"-Stimme stammte von Hans Clarin. Ab 1969 wurden die Hörspiele auf Schallplatte und Kassette aufgenommen.

Aber wie konnte man sich den kleinen Kobold vorstellen? Zum Aussehen von "Pumuckl" veranstaltete Ellis Kaut einen Mal-Wettbewerb, den die damals 21-jährige Barbara von Johnson gewann. Diese schuf die unverwechselbare Gestalt mit den abstehenden Ohren, dem dicken Bauch und den übergroßen Händen und Füßen. Ab 1965 illustrierte von Johnson die "Pumuckl"-Bücher.

1982 erschien der Kinofilm "Meister Eder und sein Pumuckl" mit Gustl Bayrhammer in der Rolle des Meister Eder; kurz darauf folgten die Fernsehserien.

Ein Brunnen in München

"Pumuckl"-Brunnen im Luitpoldpark in München

Der Schwiegersohn von Ellis Kaut, Brian Bagnall, schuf die Zeichentrickfigur mit leuchtenden Farbtönen.

Die Markenrechte am "Pumuckl" sicherte sich die Tochter von Ellis Kaut, Ursula Bagnall (unter anderem Wortmarke DE 1012772, Pumuckl, angemeldet am 31.03.1979 für die Warenklassen 38, 9, 35, 41 und 42).

Fortan illustrierte Brian Bagnall den "Pumuckl" nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in den Kinderbüchern. Barbara von Johnson sah sich in ihren Urheberrechten verletzt und zog vor Gericht. Am Ende des Rechtsstreits erhielt sie 2005 nachträglich eine Vergütung. Außerdem ist von Johnson Inhaberin der "Pumuckl"-Bildmarke DE 1028393.

Insgesamt wurde der "Pumuckl" rund zehn Millionen Mal auf Schallplatte, Kassette und Video verkauft. "Pumuckl"-Musicals, unter anderem im Gärtnerplatz-Theater, und weitere TV-Serien sowie ein Spielfilm wurden gedreht. Im Luitpoldpark gibt es sogar einen "Pumuckl"-Brunnen.

"Pumuckl" lebt weiter

Irgendwann wurde es stiller um Ellis Kaut und ihren "Pumuckl". Im September 2015, kurz vor ihrem 95. Geburtstag, ist Ellis Kaut gestorben. In ihren Werken und Geschichten, ganz besonders aber mit dem kleinen, vorwitzigen Kobold hat sie sich unsterblich gemacht.

Bilder 1: www.ellis-kaut.de, Bild 2: DPMA aus DPMAregister, Bild 3: Wikimedia Commons, Oliver Raupach

Stand: 23.11.2020 

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