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Albert Einsteins 140. Geburtstag

Albert Einstein und seine zweite Frau Elsa, um 1921

Albert Einstein und seine zweite Frau Elsa, um 1921

Der bekannteste Patentprüfer aller Zeiten

Jahrhundertgenie, Ikone der Naturwissenschaften, berühmtester Physiker aller Zeiten: Bei Albert Einstein gehen einem die Superlative aus. Vor 140 Jahren, am 14. März 1879, wurde in Ulm der Mann geboren, der unsere Erkenntnis der Welt so geprägt hat wie höchstens noch Newton vor ihm.

Über diese facettenreiche, schillernde Figur könnte man zum Jubiläum unendlich viel Interessantes schreiben. Wir konzentrieren uns auf einen bestimmten Aspekt: Albert Einstein als Patentprüfer.

Mann des Jahrhunderts

Die amerikanische Zeitschrift „Time“ wählte Einstein 1999 zur „Person des Jahrhunderts “. In Einsteins facettenreicher Biographie spiegelt sich das bewegte 20. Jahrhundert: Der begabte junge Querkopf, der in den autoritären Lehranstalten des Kaiserreiches aneckt. Das unerkannte Genie, das sich lange mit Broterwerbsjobs über Wasser halten muss. Der leidenschaftliche Pazifist, der ohnmächtig zwei Weltkriege erlebt und gegen seine Überzeugung die Entwicklung der Atombombe fordert. Der weltweit gefeierte Wissenschaftler, der zuhause diskreditiert und verfolgt wird. Der Flüchtling, der sein Geburtsland verlassen muss und in den Demokratien des Westens seine neue Heimat findet. Der Jude, dessen Cousine im Konzentrationslager ermordet wird. Der Kämpfer für Frieden, Vernunft, Abrüstung und Toleranz, der die atomare Bedrohung eindämmen will, der er selbst ein Stück weit den Weg geebnet hat.

Anlaufschwierigkeiten eines Genies

Einsteins junge Jahre waren keine Erfolgsgeschichte („Die wirklich wichtigen Dinge werden anders gelernt als durch Worte“, sollte er später sagen): Er brach das Gymnasium in München ab und fiel durch die Aufnahmeprüfung am Polytechnikum Zürich (heute Eidgenössische Technische Hochschule). Nachdem er die „Matura“ in Aarau nachgeholt (entgegen der Legende übrigens mit durchaus guten Noten!) und erfolgreich ein Studium als Fachlehrer für Mathematik und Physik in Zürich absolviert hatte, bewarb er sich immer wieder erfolglos um akademische Assistentenstellen. Notgedrungen schlug er sich als Aushilfs- und Nachhilfelehrer durch und lebte am Existenzminimum.

Schließlich verhalf ihm „Vitamin B“ zur rettenden Anstellung: Sein Studienfreund Marcel Grossmann war mit dem Direktor des Schweizer Patentamts (Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum) in Bern, Friedrich Holler, befreundet. Trotz eines nicht optimal verlaufenen Vorstellungsgesprächs wurde Einstein dank dieser Fürsprache als Patentprüfer auf Probe eingestellt.

„Experte dritter Klasse“

Albert Einstein als eidgenössischer Patentprüfer

Albert Einstein als eidgenössischer Patentprüfer

Ab dem 23. Juni 1902 arbeitete Albert Einstein als „technischer Experte dritter Klasse“ und prüfte Patentanmeldungen auf mechanischem Gebiet. 292 Schweizer Franken monatlich erhielt er dafür, was damals für ein Auskommen ohne Not reichte.

Die Arbeit als Patentprüfer sah Einstein als „Brotberuf“, der ihn nicht auslastete; in seiner Freizeit widmete er sich der theoretischen Physik und arbeitete an seiner Doktorarbeit. Später schrieb er, dass „die Ruhe des weltlichen Klosters und die materielle Beruhigung für die schweren Zeiten“ für ihn sehr hilfreich waren. Hier prüfte er zum Beispiel Kiessortiermaschinen ( pdf-Datei CH39561) und Wetteranzeiger ( pdf-Datei CH39619 ). Während der Arbeit an seinem Stehpult im Zimmer 86 an der Ecke Speichergasse/Genfergasse griff der junge Patentprüfer immer mal zur Geige, die ihm angeblich beim Denken half.

1904 endete seine Probezeit; er wurde fest angestellt. Eine Beförderung wurde zunächst verschoben, weil der Patentamtsdirektor meinte, Einstein müsse sich erst noch besser in das Maschinenwesen einarbeiten. Wahrscheinlich war dieser tatsächlich mit seinen Gedanken woanders: Das Jahr 1905 ging als „annus mirabilis“ in die Wissenschaftsgeschichte ein. Einstein veröffentlichte einige seiner wichtigsten Werke, darunter die Abhandlung über den photoelektrischen Effekt (für die er später den Nobelpreis bekam) und die Spezielle Relativitätstheorie (mit der berühmten Formel E = mc²). Kurz: Eine „Explosion von Genie“ (C.F. v. Weizsäcker).

„Ehrwürdiger eidgenössischer Tintenscheißer“

Seine Prüferzeit schilderte Einstein damals in einem Brief so: „Mir geht es gut; ich bin ein ehrwürdiger eidgenössischer Tintenscheißer mit ordentlichem Gehalt. Daneben reite ich auf meinem alten mathematisch-physikalischen Steckenpferd und fege auf der Geige“. Im April 1906 wurde er doch noch zum „Experten zweiter Klasse“ befördert. Sein Monatsgehalt erhöhte sich auf 375 Schweizer Franken.

Seine Doktorarbeit hatte er 1905 erfolgreich eingereicht, aber seine Habilitation wurde 1907 von der Universität Bern zunächst abgelehnt. Erst ein Jahr später war er erfolgreich und konnte nun nebenbei als Privatdozent wirken. Seine Vorlesungen hielt er vor bzw. nach seiner Arbeitszeit im Patentamt: Von 7 bis 8 Uhr oder 18 bis 19 Uhr. Im ersten Semester soll er nur drei Zuhörer gehabt haben, darunter zwei Patentamts-Kollegen.

Einsteins fruchtbarste Jahre

In der Ruhe und Beschaulichkeit seines Büros kam ihm 1907 ein Geistesblitz, den er später als „den glücklichsten Gedanken meines Lebens“ bezeichnete: „Ich saß auf meinem Sessel im Berner Patentamt, als mir plötzlich folgender Gedanke kam: ‚Wenn sich eine Person im freien Fall befindet, dann spürt sie ihr eigenes Gewicht nicht‘. Ich war verblüfft. Dieser einfache Gedanke machte auf mich einen tiefen Eindruck. Er trieb mich in Richtung einer Theorie der Gravitation“ – und somit auf den Weg zur allgemeinen Relativitätstheorie.

Sieben Jahre arbeitete Einstein am Schweizer Patentamt. Heute gilt er als der berühmteste aller Patentprüfer (angesichts seiner intensiven Nebentätigkeiten aber vermutlich nicht als bester…). 1909 erhielt er dann endlich eine außerordentliche Professur für theoretische Physik an der Universität Zürich und konnte sich fortan ausschließlich der Wissenschaft widmen. Aber seine vielleicht wichtigsten Arbeiten entstanden in seiner Zeit als Patentprüfer.

  • Auf seiner Internetseite stellt das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum weitere Informationen über seinen berühmtesten ehemaligen Mitarbeiter bereit.

Genies unter sich

Albertt Einstein und Charlie Chaplin

Als Einstein 1931 Charlie Chaplin bei einer Filmpremiere traf, soll es zu folgendem Dialog gekommen sein:

Einstein: "Was ich an Ihrer Kunst am meisten bewundere, ist ihre Universalität. Sie sagen kein Wort, aber die ganze Welt versteht Sie!"
Chaplin: "Stimmt. Aber Ihre Kunst ist noch größer! Die ganze Welt bewundert Sie, auch wenn keiner ein Wort davon versteht, was Sie sagen."

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Bilder: Underwood and Underwood, New York/Public domain via Wikimedia Commons, Lucien Chavan / ETH Zürich (Public domain, via Wikimedia Commons), Photoplay Publishing (Public domain, via Wikimedia Commons)

Stand: 10.08.2019 

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