Das DPMA

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Erste Autofahrt der Welt

Porträt Bertha Benz ca 1871

Mit Hutnadel, Strumpfband und 3 PS: Bertha Benz eröffnet das Autozeitalter

Am 5. August 1888 läutete eine Frau das Zeitalter des Automobils ein: Ohne Bertha Benz wäre die Geschichte der Mobilität anders verlaufen. An diesem Tag unternahm sie die erste längere Fahrt mit einem Kraftfahrzeug. Und bewies damit ihrem Mann und dem Rest der Welt, dass seine Erfindung alltagstauglich funktionierte und das Potenzial hatte, alles zu verändern.

Fast zwei Jahre zuvor, am 2. November 1886, hatte Carl Benz vom Kaiserlichen Patentamt, dem Vorläufer des DPMA, ein Patent auf sein „ pdf-Datei Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ rückwirkend zum 29. Januar 1886 erhalten – das erste Automobil. Patentschrift "No. 37435" gehört übrigens heute zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.

Patente Frauen

100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland: Das DPMA widmet sich in diesem Jahr besonders den Forscherinnen und Erfinderinnen. In einer losen Reihe stellen wir bedeutende Frauen aus Naturwissenschaft und Technik vor.

Bereits am 3. Juli 1886 hatte Benz eine erste kurze öffentliche Probefahrt unternommen. Obwohl die lokale Presse über die Erfindung berichtete, blieb die erhoffte Resonanz aus; das Interesse an der „pferdelosen Kutsche“ war gering, da man sie nicht für praxistauglich hielt. Es bedurfte erst der Courage von Benz´ Ehefrau, der Welt zu beweisen, was der (weiterentwickelte) „Benz Patent-Motorwagen No. 3“ leisten konnte.

Zu dritt auf großer Fahrt ins Ungewisse

An jenem Augustmorgen vor 130 Jahren brach Bertha Benz im ersten Morgengrauen mit ihren Söhnen Eugen und Richard (15 und 13 Jahre) in Mannheim auf. Ohne Wissen ihres Mannes, der diese Fahrt aus Unsicherheit niemals erlaubt hätte, fuhren sie mit dem Motorwagen etwa 100 Kilometer nach Berthas Heimatstadt Pforzheim, um ihre Mutter zu besuchen.

Einen Führerschein hatte Bertha Benz übrigens nicht: Wenige Tage zuvor hatte ihr Mann die erste Fahrerlaubnis der Welt erhalten, ausgestellt am 1. August 1888 vom Großherzoglich-Badischen Bezirksamt – aber nicht sie.

Schmied und Apotheker helfen aus der Klemme

Benz Patent-Motorwagen No. 3 von 1888

Benz Patent-Motorwagen No. 3 von 1888

Die näheren Umstände und die Anekdoten rund um die erste große Autofahrt der Welt sind legendär:

Wie die Stadt-Apotheke in Wiesloch zur ersten Tankstelle der Welt wurde, da Bertha Benz dort einige Liter Ligroin kaufte, ein Reinigungsmittel, das als Kraftstoff für den kleinen Einzylindermotor mit seinen knapp 3 PS diente.

Wie es zwischendurch zu kleineren Pannen kam, die Bertha – selbst ist die Frau! – findig reparierte: Die verstopfte Benzinleitung reinigte sie mit ihrer Hutnadel; die Zündung reparierte sie mit ihrem Strumpfband. Beim Flicken der Kette half ein Dorfschmied, der somit gleichsam die erste Autowerkstatt eröffnete.

Wie sie alle paar Kilometer Kühlwasser nachschöpfen mussten, aus Brunnen, Wirtshäusern, Straßengraben - egal woraus. Und wie ein Schuster neue Lederkappen auf die Bremsklötze nagelte.

Wie die Passanten mit Furcht und Erstaunen auf das ungewohnte Gefährt reagierten, Pferde durchgingen und Ochsen scheuten. Wie die drei Ausreißer zwischendurch Telegramme an Carl Benz sendeten, um ihn zu beruhigen und den Erfolg der Fahrt zu melden. Wie sie bergauf auch mal schieben mussten, da der Wagen noch nicht über eine geeignete Kraftübersetzung verfügte.

Der dritte Gang

Zeichung aus Patentschrift DE 37435

Aus Patentschrift DE 37435

Bertha regte aufgrund dieser Erfahrung übrigens die Einführung eines dritten Ganges an. Carl Benz setzte die Idee um; und als der weltweite Siegeszug der Automobile begann – alle jetzt mit drittem Gang –, war Bertha sehr stolz, dass sie den Anstoß dafür gegeben hatte.

Die knapp 13stündige Fahrt von Mannheim nach Pforzheim und zurück (heute die „Bertha Benz Memorial Route“) zeigte, dass das Automobil praxistauglich war. Vor allem aber ermutigte sie den zweifelnden Carl Benz, wieder an seine Erfindung zu glauben: „Sie war wagemutiger als ich und hat eine für die Weiterentwicklung des Motorwagens entscheidende Fahrt unternommen“, erinnerte er sich später. Jetzt setzte er wieder alles daran, seinem Wagen zum Durchbruch zu verhelfen. Dies gelang mit der Präsentation auf der Münchner „Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung“ im gleichen Jahr und endgültig auf der Weltausstellung in Paris 1889.

Der Rest ist Geschichte: Der „Benz Patent-Motorwagen No.3“ wurde in Serie gebaut und für 3000 Goldmark angeboten. Die „Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim“, später „Benz & Cie. AG“, war 1900 die größte Automobilfabrik der Welt und ging später in bis heute bestehenden Konzernen auf.

Mutter, Mutmacherin, Mäzenin

Titelseite der zum Weltdokumentenerbe gehörenden Patentschrift DE 37435

Titelseite der zum Weltdokumentenerbe gehörenden Patentschrift DE 37435

Im Science Museum in London befindet sich ein Benz Patent-Motorwagen No.3, der mit Sicherheit das älteste erhaltene Auto und mit großer Wahrscheinlichkeit der Wagen ist, mit dem Bertha ihre legendäre Fahrt unternahm.

Aber Bertha Benz hat nicht nur durch ihre historische Fahrt Verkehrsgeschichte geschrieben. Ohne sie hätte Carl seine Erfindung wohl gar nicht erst nicht machen, jedenfalls nie bis zur Marktreife bringen können.

Geboren als Cäcilie Bertha Ringer am 3. Mai 1849 in Pforzheim, stammte Bertha aus einem wohlhabenden Elternhaus. Schon immer höchst technikaffin, entschied sie sich gegen eine „gute Partie“ mit finanziell abgesicherter Zukunft und für den jungen, brotlosen, aber visionären Ingenieur Carl Benz. Sie ließ sich vorab ihre Mitgift auszahlen und steckte sie in sein kleines Unternehmen.

Lange Jahre musste die stets wachsende Familie mit vier Kindern teilweise am Existenzminimum leben, da Benz als Unternehmer glücklos blieb. Mit eiserner Sparsamkeit führte Bertha den Haushalt; jeder Pfennig wurde in Benz´ Arbeit investiert. Ohne sie wäre er verloren gewesen, wie er später in seinen Lebenserinnerungen einräumt: „Nur ein Mensch harrte in diesen Tagen, wo es dem Untergange entgegen ging, neben mir im Lebensschifflein aus. Das war meine Frau. Tapfer und mutig hisste sie neue Segel der Hoffnung auf.“

Späte Würdigung

Der Automobilkonzern, der Benz´ Namen bis heute für seine Produkte weiterführt, würdigt Bertha auf seiner Internetseite: „Mit ihrem unerschütterlichen Glauben, ihrem Kapital und ihrer Tapferkeit hat sie diese Erfolgsgeschichte wesentlich geprägt.“

Voller Stolz erlebte sie den weltweiten Siegeszug des Automobils. An ihrem 95. Geburtstag wurde Bertha Benz von der Technischen Universität Karlsruhe zur Ehrensenatorin ernannt. Zwei Tage später starb sie am 5. Mai 1944.

Bilder: Bertha Benz By Bühler, Mannheim (Automuseum Dr. Carl Benz, Ladenburg) [Public domain], via Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons

Stand: 28.11.2018 

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