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100 Jahre Bauhaus

sitzende Frau mit Maske im Clubsessel

Frau im Clubsessel von Marcel Breuer

Kunst trifft Technik

Eine der größten deutschen "Erfindungen" des 20. Jahrhunderts feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag: Das Bauhaus, das insgesamt nur 14 Jahre bestand, hat Kunst, Design und Architektur auf der ganzen Welt nachhaltig beeinflusst. Und war gleichzeitig ein visionärer Gesellschaftsentwurf.

Jeder kennt sie: die Design-Klassiker der Bauhaus-Ära. Sei es der Freischwinger nach Mies van der Rohe, der im Wartezimmer der Hausarzt-Praxis steht, oder das Bauspiel von Alma Buscher, das vom Opa vererbt wurde - überall im Alltag begegnen uns Bauhaus-Klassiker.

Zurück zum Handwerk

Seinen Ursprung fand das Bauhaus in der Kunsthochschule "Staatliches Bauhaus" in Weimar, die im April 1919 von Walter Gropius gegründet wurde. Schon früh stellte sich heraus, dass Gropius keinesfalls vorhatte, sich in die Reihe herkömmlicher Kunsthochschulen einzufügen. Sein Ziel war es, die in Vergessenheit geratene Verbindung von Kunst und Handwerk wiederzubeleben. "Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück", so Gropius. Als Vorbild diente Gropius die mittelalterliche Bauhütte, die für den gothischen Kathedralenbau sämtliche bildenden Künste unter einem Dach und einer Idee vereinte. Dieses Bild führte auch zu dem Namen "Bauhaus".

Patentierte Kunst, aber keine Marke?

Stempel "Orginal-Bauhaus-Modell"

eingetragene Marke 922652, Bauhausstempel, angemeldet am 30.07.1974

Gekennzeichnet ist der Bauhaus-Stil durch seine sachliche Formgebung und den wirtschaftlich-industriellen Ansatz. Am Bauhaus sollten massentaugliche Alltagsgegenstände geschaffen werden.

In der Öffentlichkeit präsentierte sich das Bauhaus juristisch professionell. Die Bauhausausstellung von 1923 wurde von "Verkaufsbedingungen für die ausgestellten Werkstättenerzeugnisse und Bilder" begleitet, in denen sich der Hinweis befand, dass "Formen und Muster im Eigentum des staatlichen Bauhauses" standen und mit dem Kauf der Ausstellungsstücke keinesfalls die Befugnis verbunden war, diese als "Modelle zur Vervielfältigung" benutzen zu dürfen. Seit März 1922 trugen zudem alle Erzeugnisse des Bauhauses den "von der Regierung anerkannten Bauhausstempel". Der Schritt zur Marke schien nicht mehr weit, erstaunlicherweise wurde der Stempel erst Jahrzehnte später, im Juli 1974, vom Bauhaus Archiv als Marke angemeldet. Auch von den anderen Möglichkeiten des Immaterialgüterschutzes machte das Bauhaus in seinen Anfängen in Weimar nur wenig Gebrauch.

Erst nach der Umsiedlung des Bauhauses von Weimar nach Dessau im Jahre 1925 begannen sich die Bauhäusler für ein funktionierendes Rechtemanagement zu interessieren. Aus dem Protokoll einer Besprechung mit einem Patentanwalt geht hervor, dass den Bauhausverantwortlichen die grundlegenden Prinzipien des gewerblichen Rechtsschutzes zuvor offenbar nicht bekannt gewesen waren. Als dem Abhilfe geschaffen worden war, begann das Bauhaus Dessau in der Folgezeit mit der systematischen Anmeldung von Gebrauchs- und Geschmacksmusterrechten.

Freischwinger-Stuhl

Freischwinger von Mies van der Rohe, Reichspatent 558 774

Die Verbindung von Kunst und Handwerk brachte sogar patentfähige Innovationen hervor. Beispiele sind das pdf-Datei Reichspatent Nummer 387 832 (Geltung ab 28.10.1922) von Ilse Fehlung auf eine "Rundbühne für Marionettenspiele", die sie im selben Jahr am Bauhaus angefertigt hatte. Auch der berühmte Freischwinger von Ludwig Mies van der Rohe ist patentiert ( pdf-Datei Reichspatent Nummer 558 774, Geltung ab 21.12.1929), mehr dazu finden Sie in unserer Postergalerie.

Dagegen konnte Marcel Breuer viele seiner frühen Stahlrohrmodelle in Deutschland nicht zum Patent anmelden, weil bereits Fotografien von ihnen publiziert worden waren oder er sie auf Ausstellungen präsentiert hatte. Damit waren diese Möbel nicht mehr neu im Sinne des Patentgesetzes und ein rechtsgültiger Schutz nicht mehr erhältlich. Breuer erhielt aber zum Beispiel ein Patent auf einen Klappsessel, der eine Weiterentwicklung seines Klubsessels darstellte ( pdf-Datei Reichpatent 468 736, patentiert vom 26. März 1927 ab).

Chancengleichheit – ein visionärer Gesellschaftsentwurf

Das Bauhaus war nicht nur in künstlerischer Hinsicht visionär. Eine Besonderheit für die damalige Zeit: Junge Menschen aus aller Welt konnten sich am Bauhaus – unabhängig von Vorbildung, Nationalität, Religion oder Geschlecht – ausbilden lassen. Das war besonders für Frauen, denen der Zugang zu qualifizierten Ausbildungen zur damaligen Zeit in der Regel verwehrt blieb, attraktiv. Die weiblichen Studierenden waren den männlichen im ersten Semester sogar zahlenmäßig überlegen, was dem Gründungsvater Gropius offenbar dann aber doch zu neumodisch erschien. Und so sorgte er schnell für ausgeglichene Verhältnisse, indem er gezielt für die Studentinnen eine Weberei einrichten ließ. Nur ausnahmsweise erhielten Frauen Zutritt in die Buchbinderei und Töpferei. Besondere Bekanntheit erlangte Marianne Brandt, die im Bauhaus Dessau sogar Leiterin der Metallwerkstatt wurde. Sie ist heute noch für ihre Designs für Lampen und Geschirr bekannt.

Das Ende des Bauhauses

Mit seiner visionären Neuorientierung stieß Gropius nicht nur auf Befürworter. Die Bauhaus-Epoche fand ein jähes Ende, als die Kunsthochschule 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Die meisten Dozenten, wie auch Walter Gropius, flohen ins Ausland, um dort die Lehren des Bauhauses zu verbreiten.

Fotografie des Bauhaus-Gebäudes

Bauhausgebäude von Südwesten, Walter Gropius, Dessau, 1926

Obwohl Bauhaus nur 14 Jahre bestand, hat es wie keine andere Stilrichtung unsere heutige Vorstellung von Design geprägt. Aus der Ära Bauhaus entstammten einige der bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts, wie Paul Klee, Wassily Kandinsky oder Lyonel Feininger. Im Jahr 1996 erklärte die UNESCO zahlreiche Stätten und Zeugnisse des Bauhauses, unter anderem die ursprüngliche Kunsthochschule in Weimar sowie das Gropius Gebäude in Dessau, zum Weltkulturerbe.

Besonders in Jena kann man heute noch verschiedene Zeugnisse der Bauhaus-Ära bewundern. Zu den zahlreichen Bauten, deren Architektur durch den Bauhaus-Stil geprägt worden sind, zählt neben der Villa Zuckerkandl und dem Haus Auerbach auch das Jenaer Dienstgebäude des DPMA.

Bild 1: Frau im Clubsessel B3 von Marcel Breuer, Maske von Oskar Schlemmer, Kleid von Lis Beyer, Foto: Erich Consemüller, um 1927/ © Klassik Stiftung Weimar/ © Stephan Consemüller (Erich Consemüller), Bild 2: DPMAregister, Bild 3: DEPATISnet, Bild 4: Tillmann Franzen, 2018 / © Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com/ © VG Bild-Kunst

Stand: 14.01.2020 

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