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90 Jahre Mickey Mouse

Zeichnung Minnie Mouse

Dauerfreundin Minnie Mouse, markengeschützt (Registernummer 003332905)

Vor 90 Jahren hatte die wohl bekannteste Comic-Figur der Welt ihren ersten Auftritt: Mickey Mouse. Obwohl oft die Premiere des Films „Steamboat Willie“ am 18. November 1928 als Geburtsdatum der Maus angenommen wird, hatte sie ihren ersten Auftritt tatsächlich bereits am 15. Mai desselben Jahres in dem Kurzfilm „Plane Crazy“.

Darin eifert die Maus dem Piloten Charles Lindbergh nach, der seinerzeit gerade als erster den Atlantik überflogen hatte. Schon damals an Mickeys Seite: Freundin Minnie Mouse. Allerdings wurde dieser herrlich chaotische kleine Streifen nur einmal bei einer Testvorführung als Stummfilm gezeigt und fand zunächst keinen Verleih. Erst nach dem Erfolg von „Steamboat Willie“ kam „Plane Crazy“ ein Jahr später mit einer Tonspur erneut in die Kinos, diesmal mit Erfolg.

Die deutsche Version der Maus (Reg.-Nr. 1008802)

Die deutsche Version der Maus (Reg.-Nr. 1008802)

Erfolg – das ist sozusagen das Sternzeichen, unter dem die anthropomorphe Maus geboren wurde. Sie ist heute das Markenzeichen eines der weltgrößten Unterhaltungskonzerne mit einem Jahresumsatz von rund 47 Milliarden Euro. Aber diese Erfolgsgeschichte konnte 1928 noch niemand absehen.

Die Maus war mal ein Hase

Zeichnng Oswald the lucky rabbit

Längere Ohren, kürzere Nase: Mickey-Vorläufer Oswald (30621169)

Die Maus begann ihre Karriere sehr bescheiden, nämlich gleichsam als Ersatzmann. Bis dahin war Walt Disneys erster „Star“ nämlich eine Figur namens „Oswald the lucky rabbit“ gewesen, ein Hase, dem Micky äußerst ähnlich sah. Disney hatte allerdings die Rechte an dieser Figur nach einem Streit um die Produktionskosten an seinen Partner Universal Pictures verloren. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Ub Iwerks entwickelte Disney dann die ersten Mickey Mouse Cartoons, während Universal weitere Oswald-Filme auf den Markt brachte.

Am Anfang war die Maus

Die US-Maus (Reg.-Nr. 135377)

Die US-Maus (Reg.-Nr. 135377)

Ursprünglich sollte die Maus wohl „Mortimer“ heißen, aber diesen Namen fand angeblich Disneys Frau zu bieder; sie soll „Mickey“ vorgeschlagen haben. Walt Disney verlieh nicht nur Mickey in den ersten Tonfilmen höchstpersönlich seine Stimme, er investierte auch sein damals noch bescheidenes Vermögen vollständig in die Karriere seiner Maus.

Der enorme Erfolg, der sich rasch einstellte, gab ihm Recht. Er bewies nicht nur künstlerisch ein glückliches Händchen, sondern stellte seine unternehmerischen Qualitäten unter Beweis, indem er seine Schöpfungen mit gewerblichen Schutzrechten absicherte und dann als einer der ersten im großen Stil Merchandising betrieb. Bereits 1930 erschien das erste Lizenzprodukt, das die Maus zierte. Und diese gewinnbringende Strategie verfolgt sein Konzern bis heute in höchster Perfektion.

Die Maus melken

Bild von Bambi

Ein berühmtes Rehkitz (Reg.-Nr. 176503)

Sucht man in der DPMA-Datenbank DPMAregister nach Marken des Anmelders „Disney“, erscheint die Fehlermeldung „Trefferliste zu lang“! Tatsächlich sind beim DPMA derzeit 1130 Disney-Marken registriert. Nach Mickey Mouse entwickelte Disney eine Fülle von populären Zeichentrickfiguren, die er sämtlich mit allen gewerblichen Schutzrechten sicherte. Natürlich behielt man auch die internationalen Märkte im Auge und sicherte sich auch die jeweiligen nationalen Bezeichnungen der Figuren wie eben „Micky Maus“ oder beispielsweise „Dippy“ bzw. „Bucefalo“ für Goofy als Marke.

Eingetragenes Design: Bildschirm mit Mauseohren (000287578_0003_1)

Eingetragenes Design: Bildschirm mit Mauseohren (000287578_0003_1)

Zusätzlich sicherte Disney seine populärsten Figuren als Wort-Bild-Marke, etwa Bambi oder den Schattenriss von Mary Poppins. Und immer wieder die Maus: Disney meldet Designs für Fernseher und Computerbildschirme mit Mauseohren (000287578_0003_1) oder – besonders sinnig – für eine Computermaus im Mickey-Stil an.

Trickfilmpionier mit durchdachter Patentpolitik

US1941341A

Disney war nicht nur ein Pionier des Merchandisings, sein Unternehmen brachte gerade in seinen Anfangsjahren auch die Filmtechnik entscheidend voran. Zahlreiche Patentanmeldungen (z.B. " pdf-Datei Method for synchronizing photoplays, 1931“ oder " pdf-Datei Method of creating cartoon effects") in den 1930er Jahren zeugen davon, wie das Unternehmen an immer gelungeneren Trickfilmen tüftelte und die „ pdf-Datei Art of Animation “ (1936) vorantrieb.
Die technische Perfektion ist bis heute ein Markenzeichen der Filme des Multimedia-Konzerns, der weiter neue Patente anmeldet (etwa „ pdf-Datei Physical face cloning (1,55 MB)“ (2015). Auch durch die Übernahme von kreativen Konkurrenten wie Pixar samt deren Patenten (z.B. „ pdf-Datei Statistical hair scattering model (1,57 MB)“, 2018) oder die "Star Wars"-Macher Lucasfilms sicherte sich Disney seine Marktposition.

Die Maus wird matt, die Ente Mensch

Mickey Mouse veränderte sich rasch nach den ersten Filmen nicht nur optisch (sie ließ ihren Vorgänger Oswald deutlich hinter sich), sondern auch charakterlich. War die Maus in den frühen Filmen noch ein kecker, draufgängerischer Kerl mit teils flegelhaftem Benehmen, so wurde sie nun braver, glatter und beinahe bieder. Die „wilden“ Charaktereigenschaften übernahm ihr hauseigener Konkurrent Donald Duck, dessen Popularität trotz – oder gerade wegen – seiner Ungeschliffenheit der Maus bald den Rang ablief.

Methode zur Bergung eines gesunkenen Schiffes laut Patent GB1070600A)

Methode zur Bergung eines gesunkenen Schiffes (GB1070600A)

Obwohl Micky Mouse im Laufe der Zeit manchen „Imagewechsel“ versuchte, wirkte sie in den zahllosen Comic-Heften, die seit den 1940er Jahren erschienen sind und die zu ihrem Hauptmedium wurden, im Vergleich zum sehr „menschlichen“ Donald häufig farblos und langweilig. Trotzdem ist ihre Bekanntheit nach 90 Jahren geradezu universal.

Wie Donald ein Patent kippte, oder: Patentprüfer sollten Micky Maus lesen

Ein Schiff mit Ping-Pong-Bällen bergen: Die geniale Idee des Disney-Zeichners Carl Barks in einem Co

Ein Schiff mit Ping-Pong-Bällen bergen: Die geniale Idee des Disney-Zeichners Carl Barks in einem Comic von 1949

Diese Bekanntheit führte übrigens zu einem viel zitierten patentrechtlichen Paradebeispiel: Ein dänischer Erfinder meldete 1964 in seinem Heimatland ein Verfahren zur Hebung gesunkener Schiffe zum Patent an, bei dem Schaumstoffbälle in die Wracks gepumpt wurden, um ihnen Auftrieb zu verleihen. Das Patent wurde auch vom DPMA ( pdf-Datei DE1247893B) und in Großbritannien ( pdf-Datei GB1070600A) bestätigt.

Aber das Patentamt der Niederlande verweigerte die Erteilung: In einem bereits 1949 erschienen Comic Strip des genialen Zeichners Carl Barks hatte Donald Duck ein ganz ähnliches Verfahren angewendet, um eine gesunkene Yacht mit Hilfe von Tischtennisbällen zu heben. Angesichts der großen Auflage der Comics sahen die niederländischen Kollegen die Neuheit der Erfindung nicht mehr gegeben.

Bilder: DPMA Schutzrechtsakten, Walt Disney Corp.

Stand: 15.10.2018 

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