Servicenavigation und Suchfeld

Das DPMA

Inhalt

70 Jahre "Micky Maus Magazin"

Unionsmarke EM 000872978

Unionsmarke EM 000872978

Von Mäusen, Marken und Moneten

Im September 1951 erschien das Micky-Maus-Heft Nummer Eins in Deutschland. Das erste echte Comic-Magazin auf dem schwarz-weißen (west-)deutschen Zeitschriftenmarkt schlug ein wie eine bunte Bombe.

Bundesdeutsche Bildungsbürger der Nachkriegszeit, deren Kunstverständnis noch vom sprichwörtlichen „Muff von tausend Jahren“ vernebelt war, beschimpften die Sprechblasengeschichten als „Schund“ oder belächelten sie als kulturloses amerikanisches Gekritzel. Das konnte den Siegeszug des Comics im Lande des Bildgeschichten-Pioniers Wilhelm Busch aber nicht aufhalten.

Neu war der Inhalt, aber auch die Farbe: Das Comic wurde im Vierfarbdruck hergestellt. Das „bunte Monatsheft“ war entsprechend teuer: 75 Pfennig kostet es – annähernd ein durchschnittlicher Stundenlohn damals. Trotzdem gingen von der ersten Ausgabe rund 130.000 Hefte über den Ladentisch. Die Reichweite dürfte ein Vielfaches betragen haben, denn die Magazine wurden im Freundeskreis als begehrtes Objekt weitergereicht. Die Auflage stieg bald auf 400.000. Der Erscheinungsrhythmus wurde auf zunächst 14tägig, später auf wöchentlich beschleunigt. Dabei blieb es dann fast 60 Jahre lang.

Die Maus, die das Land bunter machte

Titel des ersten deutschen Micky Maus Magazins, September 1951

Titel des ersten deutschen Micky Maus Magazins, September 1951

In Deutschland war man spät dran: In Italien, Frankreich und Großbritannien waren schon in den 1930er Jahren Zeitschriften mit Walt Disneys Figuren erschienen. Nazi-Herrschaft und Krieg verzögerten aber den Beginn der Comic-Kultur bei uns. Das war auch der Grund, warum das Magazin nach der Maus benannt wurde, die darin deutlich weniger vorkam als sein eigentlicher Star, Donald Duck. Den Enterich kannte hierzulande damals noch kaum jemand, während er anderswo Micky längst den Rang abgelaufen hatte. Die Maus und die Ente ebneten dann auch den Weg für erste deutsche Comics wie „Fix und Foxi“ oder „Sigurd“.

Frau Fuchs´ phänomenales Faible für Verse

Erste Chefredakteurin des "Micky Maus Magazins" war die Kunsthistorikerin Dr. Erika Fuchs. Als Übersetzerin der US-Comics hob sie deren Sprache auf ein fetziges literarisches Niveau. Legendär sind ihre versteckten Klassiker-Zitate, ihre Stabreime und vor allem ihre onomatopoetische Neuschöpfung, Verben auf den Wortstamm zu verkürzen, um Geräusche und Gefühle darzustellen: Grübel! Stöhn! Schluck! Klimper! Knarz! Ächz! Seufz! Diesen neuen „Inflektiv“ nannte man ihr zu Ehren später auch „Erikativ“.

EM 018144471

EM 018144471

Fuchs (1906-2005) leistete einen unschätzbaren Beitrag zur Bereicherung der deutschen Sprache und zur Etablierung des Comics als Spielart der Popkultur in Deutschland. Deshalb ist der Chefredakteurin des einst als „Schundheftchen“ geschmähten Comics heute ein eigenes externer Link Museum (in Schwarzenbach an der Saale) gewidmet und beispielsweise das Feuilleton der „FAZ“ fest in der Hand von Fuchs-Bewunderern.

Das Micky-Maus-Magazin, das Fuchs bis 1988 leitete, erreichte nach der deutschen Wiedervereinigung zeitweilig Rekordauflagen von einer Million Exemplare. Nach einem rasanten Absturz seit der Jahrtausendwende hat es sich heute bei einer Druckauflage von etwa 70.000 Heften eingependelt und erscheint nur mehr zweiwöchentlich, dafür aber öfter mit „Gimmick“ (DE-Wortmarke 954028), eine Idee des ursprünglichen Konkurrenz-Blattes „Yps“, das der Ehapa-Verlag inzwischen übernommen hat. Allerdings gibt Ehapa parallel noch eine ganze Reihe weiterer Publikationen mit Disney-Figuren heraus, die teilweise noch höhere Auflagen erzielen, etwa die „Lustigen Taschenbücher“ oder die Sondereditionen mit den Geschichten des großen Zeichners Carl Barks.

Die internationale Karriere der Mickey Mouse startete bereits 1928

Zeichnung Minnie Mouse

Dauerfreundin Minnie Mouse, markengeschützt (Registernummer 003332905)

Als die Maus nach Deutschland kam, war sie bereits die wohl bekannteste Comic-Figur der Welt. Ihre Anfänge waren aber bescheiden. Obwohl oft die Premiere des Films „Steamboat Willie“ am 18. November 1928 als Mickeys Geburtsdatum angenommen wird, hatte er seinen ersten Auftritt tatsächlich bereits am 15. Mai desselben Jahres in dem Kurzfilm „externer Link Plane Crazy“.

Darin eifert die Maus dem Piloten Charles Lindbergh nach, der seinerzeit gerade als erster solo den Atlantik überflogen hatte. Schon damals an Mickeys Seite: Freundin Minnie (IR-Marke 151050). Allerdings wurde dieser herrlich chaotische kleine Streifen nur einmal bei einer Testvorführung als Stummfilm gezeigt und fand zunächst keinen Verleih. Erst nach dem Erfolg von „Steamboat Willie“ kam „Plane Crazy“ ein Jahr später mit einer Tonspur erneut in die Kinos, diesmal mit Erfolg.

Die deutsche Version der Maus (1008802 DE)

Die deutsche Version der Maus (1008802 DE)

Erfolg – das ist sozusagen das Sternzeichen, unter dem die anthropomorphe Maus geboren wurde. Sie ist heute das Markenzeichen eines der weltgrößten Unterhaltungskonzerne mit einem Jahresumsatz von rund 75 Milliarden Dollar (2020). Aber diese Erfolgsgeschichte konnte 1928 noch niemand absehen.

Die Maus war mal ein Hase

Zeichnng Oswald the lucky rabbit

Längere Ohren, kürzere Nase: Mickey-Vorläufer Oswald (30621169)

Die Maus begann ihre Karriere sehr bescheiden, nämlich gleichsam als Ersatzmann. Bis dahin war Walt Disneys erster „Star“ nämlich eine Figur namens "Oswald the lucky rabbit" (306211696 DE) gewesen, ein Hase, dem Micky äußerst ähnlich sah. Disney hatte allerdings die Rechte an dieser Figur nach einem Streit um die Produktionskosten an seinen Partner Universal Pictures verloren. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Ub Iwerks entwickelte Walt Disney dann die ersten Mickey Mouse Cartoons, während Universal weitere Oswald-Filme auf den Markt brachte. Heute gehört die Oswald-Marke wieder zu Disney.

Am Anfang war die Maus

Ursprünglich sollte die Maus wohl „Mortimer“ heißen, aber diesen Namen fand angeblich Disneys Frau zu bieder; sie soll „Mickey“ vorgeschlagen haben. Walt Disney verlieh nicht nur Mickey in den ersten Tonfilmen höchstpersönlich seine Stimme, er investierte auch sein damals noch bescheidenes Vermögen vollständig in die Karriere seiner Maus.

Der enorme Erfolg, der sich rasch einstellte, gab ihm Recht. Er bewies nicht nur künstlerisch ein glückliches Händchen, sondern stellte seine unternehmerischen Qualitäten unter Beweis, indem er seine Schöpfungen mit gewerblichen Schutzrechten absicherte und dann als einer der ersten im großen Stil Merchandising betrieb. Bereits 1930 erschien das erste Lizenzprodukt, das die Maus zierte. Und diese gewinnbringende Strategie verfolgt sein Konzern bis heute in höchster Perfektion.

Die Maus melken

Bild von Bambi

Ein berühmtes Rehkitz (Reg.-Nr. 176503)

In der DPMA-Datenbank DPMAregister finden sich über 1000 Disney-Marken. Nach Mickey Mouse entwickelte Disney eine Fülle von populären Zeichentrickfiguren, die er mit allen gewerblichen Schutzrechten sicherte. Natürlich behielt man auch die internationalen Märkte im Auge und sicherte sich auch die jeweiligen nationalen Bezeichnungen der Figuren wie eben „Micky Maus“ oder beispielsweise „Dippy“ bzw. „Bucefalo“ für Goofy als Marke.

Eingetragenes Design: Bildschirm mit Mauseohren (000287578_0003_1)

Eingetragenes Design: Bildschirm mit Mauseohren (000287578_0003_1)

Zusätzlich sicherte Disney seine populärsten Figuren als Wort-Bild-Marke, etwa Bambi oder den Schattenriss von Mary Poppins.

Und immer wieder die Maus: Disney meldet Designs für Fernseher und Computerbildschirme mit Mauseohren (000287578_0003_1) oder – besonders sinnig – für eine Computermaus im Mickey-Stil an.

Trickfilmpionier mit durchdachter Patentpolitik

US1941341A

Disney war nicht nur ein Pionier des Merchandisings, sein Unternehmen brachte gerade in seinen Anfangsjahren auch die Filmtechnik entscheidend voran. Zahlreiche Patentanmeldungen wie z.B. "Method for synchronizing photoplays" ( pdf-Datei US1941341A) oder "Method of creating cartoon effects" ( pdf-Datei US2260092A) in den 1930er Jahren zeugen davon, wie das Unternehmen an immer gelungeneren Trickfilmen tüftelte und die "Art of Animation" ( pdf-Datei US2201689A, 1936) vorantrieb.

Die technische Perfektion ist bis heute ein Markenzeichen der Filme des Multimedia-Konzerns, der weiter neue Patente wie "Physical face cloning" ( pdf-Datei US020150317451A1 (1,55 MB)) oder jüngst beispielsweise "Variable Resolution recognition"( pdf-Datei US020210019509A1 (1,38 MB)) oder "Blockchain configuration" ( pdf-Datei US020210218550A1) anmeldet.
Auch durch die Übernahme von kreativen Konkurrenten wie Pixar samt deren Patenten (z.B. "Statistical hair scattering model", pdf-Datei US9905045B1 (1,57 MB)) oder die "Star Wars"-Macher Lucasfilms sicherte sich Disney seine Marktposition.

Die Maus wird matt, die Ente Mensch

182053 DE

182053 DE

Mickey Mouse veränderte sich rasch nach den ersten Filmen nicht nur optisch (sie ließ ihren Vorgänger Oswald deutlich hinter sich), sondern auch charakterlich. War die Maus in den frühen Filmen noch ein kecker, draufgängerischer Kerl mit teils flegelhaftem Benehmen, so wurde sie nun braver, glatter und beinahe bieder. Die „wilden“ Charaktereigenschaften übernahm ihr hauseigener Konkurrent Donald Duck (1008801 DE), dessen Popularität trotz – oder gerade wegen – seiner Ungeschliffenheit der Maus bald den Rang ablief.

Methode zur Bergung eines gesunkenen Schiffes laut Patent GB1070600A)

Methode zur Bergung eines gesunkenen Schiffes (GB1070600A)

Obwohl Micky Mouse im Laufe der Zeit manchen „Imagewechsel“ versuchte, wirkte sie in den zahllosen Comic-Heften, die seit den 1940er Jahren erschienen sind und die zu ihrem Hauptmedium wurden, im Vergleich zum sehr „menschlichen“ Donald häufig farblos und langweilig. Trotzdem ist ihre Bekanntheit nach über 90 Jahren geradezu universal.

Wie Donald ein Patent kippte, oder: Patentprüfer sollten "Micky Maus" lesen

Ein Schiff mit Ping-Pong-Bällen bergen: Die geniale Idee des Disney-Zeichners Carl Barks in einem Co

Ein Schiff mit Ping-Pong-Bällen bergen: Die geniale Idee des Disney-Zeichners Carl Barks in einem Comic von 1949

Diese Bekanntheit führte übrigens zu einem viel zitierten patentrechtlichen Paradebeispiel: Ein dänischer Erfinder meldete 1964 in seinem Heimatland ein Verfahren zur Hebung gesunkener Schiffe zum Patent an, bei dem Schaumstoffbälle in die Wracks gepumpt wurden, um ihnen Auftrieb zu verleihen. Das Patent wurde auch vom DPMA ( pdf-Datei DE1247893B) und in Großbritannien ( pdf-Datei GB1070600A) bestätigt.

Aber das Patentamt der Niederlande verweigerte die Erteilung: In einem bereits 1949 erschienen Comic Strip des genialen Zeichners Carl Barks hatte Donald Duck ein ganz ähnliches Verfahren angewendet, um eine gesunkene Yacht mit Hilfe von Tischtennisbällen zu heben. Angesichts der großen Auflage der Comics sahen die niederländischen Kollegen die Neuheit der Erfindung nicht mehr gegeben.

Text: Dr. Jan Björn Potthast; Bilder: DPMAregister, Egmont Ehapa Verlag, DEPATISnet, Walt Disney Corp.

Stand: 21.09.2021 

Position

Sie befinden sich hier: