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Jubiläum der Fraunhofer-Gesellschaft

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen

70 Jahre Forschung und Praxis

Sie ist Europas größte Organisation für angewandte Forschung – und einer der aktivsten Anmelder beim DPMA: die Fraunhofer-Gesellschaft, die jetzt ihr 70. Gründungsjubiläum feiert. Allein im Jahr 2018 meldete die Gesellschaft 434 neue Patente beim DPMA an. Damit liegt sie auf Platz 17 im Ranking der größten Anmelder.

Der Weg dorthin war lang und anfangs etwas holperig: An einem Samstag um 10 Uhr – wir schreiben den 26. März 1949 – versammeln sich im Bayerischen Wirtschaftsministerium Vertreter der Landesregierungen von Bayern, Hessen und Württemberg sowie der Wissenschaft und Wirtschaft. Bei dem feierlichen Akt, zu dem Staatssekretär Hugo Geiger eingeladen hat, rufen die 210 Gäste die „Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V.“ ins Leben.

Der gemeinnützige Verein hat in den ersten Jahren vor allem eine verwaltungstechnische Aufgabe: Fördermittel von öffentlicher Hand, Spenden und Mitgliedern sollen für die wirtschaftsnahe Forschung zur Verfügung gestellt werden. Bald steigt die Akzeptanz der Fraunhofer-Gesellschaft in der (Bundes-)Politik: 1951 schaltet das Wirtschaftsministerium sie erstmals bei der Vergabe von Forschungsmitteln aus dem European Recovery Program des Marshallplans ein.

Konkurrenz und Krise

Walter Gerlach, der erste Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft

Aufgabenstellung und Arbeitsweise der Fraunhofer-Gesellschaft sind anfangs noch nicht klar genug definiert. Aber das Ziel ist, sie als dritte Kraft in der deutschen Forschungslandschaft neben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) zu etablieren. Diese Konkurrenz leistet zunächst Widerstand und die junge Fraunhofer-Gesellschaft stürzt in eine existenzbedrohende Krise.

1954 kämpft die Fraunhofer-Gesellschaft um ihr Überleben; es wird bereits über ihre Liquidation nachgedacht. Dank finanzieller und politischer Unterstützung der Länder Bayern und Baden-Württemberg übersteht die Gesellschaft aber diese schwierige Situation.

Mit dem Rückenwind des Wirtschaftswunders

Das erste Fraunhofer-Institut (für angewandte Mikroskopie, Photographie und Kinematographie IMPK) in

Das erste Fraunhofer-Institut (für angewandte Mikroskopie, Photographie und Kinematographie IMPK) in Mannheim, 1954

Die Fraunhofer-Gesellschaft besteht anfangs nur aus einer Handvoll Festangestellten; die meisten hier arbeiteten ehrenamtlich. Trotzdem erhebt sie den Anspruch, bundesweit zu operieren und mit eigenen Kapazitäten Forschung und Entwicklung zu betreiben. Am 1. Juni 1954 wird in Mannheim das erste Fraunhofer-Institut gegründet, das sich der angewandten Mikroskopie, Photographie und Kinematographie widmet.
Bald verbessert sich die Lage: Es herrscht Aufbruchsstimmung in der Bundesrepublik, das Wirtschaftswunder entfaltet sich, die Investitionen in Forschungs- und Entwicklungsleistungen steigen. Davon profitiert auch die Fraunhofer-Gesellschaft.

1955 gründet sie die Patentstelle für die Deutsche Forschung in München. Diese berät freie Erfinder, unterstützt sie bei der Verwertung ihrer Erfindungen und vermittelt zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. 2007 wird sie aus steuerrechtlichen Gründen aufgelöst.

Schützenhilfe aus dem Verteidigungsministerium

Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT, Aachen

Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT, Aachen

1956 gewinnt die Gesellschaft ein wichtiges „Zweites Standbein“ hinzu, das ihr besonders in der schweren Anfangsphase nützlich ist: die Verteidigungsforschung. Über Jahre hinweg bestreitet das Verteidigungsministerium mehr als die Hälfte der Forschungsbudgets der Organisation. Dadurch geht es gut voran: Zehn Jahre nach der Gründung verfügt die Fraunhofer-Gesellschaft über neun eigene Institute. 135 Mitarbeiter erwirtschaften ein Finanzvolumen von 3,6 Millionen Mark.

Aber das starke Engagement in der Verteidigungsforschung sorgt später auch für Ärger: 1968, im Jahr der Studentenunruhen, gerät die Gesellschaft deswegen massiv in die Kritik. In den kommenden Jahren geht der Anteil der Verteidigungsforschung am Gesamtbudget der Fraunhofer-Gesellschaft allmählich zurück. Mitte der 1970er Jahre macht er noch ein Viertel aus, Ende der 1980er Jahre liegt er nur noch bei 10 Prozent. 1976 wird auf Drängen des Ministeriums die Verteidigungsforschung von den „zivilen“ Instituten getrennt und bildet nun neben Vertragsforschung und Dienstleistungseinrichtungen einen eigenen Leistungsbereich der Gesellschaft.

Das „Fraunhofer-Modell“ und weitere Weichenstellungen

Deutscher Zukunftspreis 2000: Die Väter des mp3 - Bernhard Grill, Karlheinz Brandenburg, Harald Popp

Deutscher Zukunftspreis 2000: Die Väter des mp3 - Bernhard Grill, Karlheinz Brandenburg, Harald Popp vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltung

Es geht kontinuierlich weiter nach oben: 30 Jahre nach ihrer Gründung weist die Fraunhofer-Gesellschaft 27 Forschungs-Institute auf. 2200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwirtschaften ein Finanzvolumen von rund 187 Millionen Mark.

Wichtige Weichenstellungen prägen den weiteren Werdegang: 1972 entsteht das „Fraunhofer-Modell“ der erfolgsabhängigen Finanzierung, das eine konsequente Marktorientierung der Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Gesellschaft verlangt. Die staatliche Grundfinanzierung wächst nunmehr entsprechend zum Erfolg der Akquise in der Vertragsforschung.

Mit der jährlichen Auslobung des Fraunhofer-Preises setzt die Gesellschaft seit 1978 Forscherinnen und Forschern einen zusätzlichen Anreiz. 1984 beschließt die Fraunhofer-Gesellschaft, Ausgründungen von Mitarbeitern (sogenannte Spin-offs) gezielt zu fördern, da sie einen besonders effektiven Weg des Know-how-Transfers von der Wissenschaft in die industrielle Praxis darstellen.

Innerhalb von zehn Jahren kann die Fraunhofer-Gesellschaft ihre Kennzahlen verdreifachen: 1989 arbeiten fast 6400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 37 Instituten und erwirtschaften knapp 700 Millionen Mark im Jahr. 1991 werden dann zahlreiche Forschungseinrichtungen der neuen Bundesländer in die Fraunhofer-Gesellschaft integriert.

Weltweiter Erfolg mit mp3

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS meldet 1989 ein Verfahren der Audiocodierung pdf-Datei zum Patent an (0,95 MB), das zur weltweit wohl bekanntesten Entwicklung avanciert, die aus der Fraunhofer-Forschung hervorgeht. Knapp zehn Jahre später hat mp3 sich als führender Standard der Musikübertragung im Internet weltweit durchgesetzt ( pdf-Datei DE3912605B4 (1,14 MB)). Bis 2017 profitiert die Gesellschaft kräftig durch die Lizenzeinnahmen. 2008 wird davon die Fraunhofer-Zukunftsstiftung gegründet. Ihre Aufgabe ist es, Vorlaufforschung in Technologiefeldern zu fördern, in denen sich gezielt Patentcluster aufbauen lassen.

Und heute? Heute arbeiten unter dem Dach der Fraunhofer-Gesellschaft über 26 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 72 Instituten und Forschungseinrichtungen. Das jährliche Forschungsvolumen beträgt mehr als 2,5 Milliarden Euro. Rund 70 Prozent dieses Leistungsbereichs erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft mit Aufträgen aus der Industrie und mit öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Die zahlreichen Erfindungen und Marken, die daraus hervorgehen, sind natürlich beim DPMA gut geschützt.

  • Ihr Jubiläum feiert die Fraunhofer-Gesellschaft mit einem „innovativen Storytelling-Projekt“: Sie lässt ihren Namenspatron Joseph von Fraunhofer wieder lebendig werden, und zwar in Form einer interaktiven Zeitreise unter dem Motto #WHATSNEXT.

Bilder: Fraunhofer IIS, Fraunhofer-Gesellschaft, Deutscher Zukunftspreis

Stand: 25.03.2019 

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