Das DPMA

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60 Jahre Spreizdübel

Prof. Dr. Artur Fischer mit Dübeln

Das Meisterstück des Massenerfinders

Dass Bilder nicht von der Wand fallen, Regale fest stehen und die Garderobe sicher hängt – das verdanken wir Artur Fischer. Der Tüftler aus Tumlingen (Kreis Freudenstadt) gilt als einer der produktivsten Erfinder aller Zeiten: 2252 Patente und Gebrauchsmuster meldete er beim DPMA an. Die Datenbank DEPATISnet liefert zu seinem Namen sagenhafte 9521 Treffer (mit allen internationalen Eintragungen). Fischers Schaffenskraft lässt sich nur mit Erfinder-Ikonen wie Thomas Alva Edison vergleichen.

Seine populärste Erfindung meldete er vor 60 Jahren, am 7. November 1958, beim DPMA zum Patent an: den Spreizdübel ( pdf-Datei Patentschrift Nr. 1097117). Eine ebenso einfache wie geniale Entwicklung, der natürlich in der DPMA-Postergalerie mit Meilensteinen der Technikgeschichte ein pdf-Datei eigenes Plakat gewidmet ist!

„Fest gedübelt in der Mauern…“ (frei nach Schiller)

Zeichnung aus Patentschrift DE 1097117A

Fischers epochaler Spreizdübel (DE 1097117A)

Bis dahin hatte man meistens einen Holzklotz eingemauert und eine Holzschraube eingedreht., wenn man etwas an der Wand befestigen wollte. Dübel gab es zwar bereits, aber sie waren meist aus Metall, hatten einen Hanf-Kern und hielten schlecht. Fischer suchte nach einer besseren Lösung und entwickelte verschiedene Formen von Dübeln, etwa den „Hülsenförmigen Spreizdübel“, den er 1956 zum Patent anmeldete ( pdf-Datei DE1038740A). Schließlich gelang ihm der perfekte Dübel: Aus einem Stück Nylon schnitzte Artur Fischer seinen ersten Spreizdübel.

Dessen Prinzip kennt jeder, der schon mal etwas an die Wand gehängt hat: Beim Eindrehen einer Schraube spreizen sich die beiden Dübelhälften im Bohrloch auf. Dabei pressen sich Sperrzungen und Zähne des Dübels elastisch gegen die Bohrlochwand und verhindern so ein Mitdrehen des Dübels. Die sägezahnförmigen Einschnitte, die das verdrängte Wandmaterial aufnehmen, erhöhen die Festigkeit der Verbindung.

Der Kunststoff-Dübel revolutionierte die Bauindustrie und findet sich praktisch in jedem Haushalt mit etwas Werkzeug. Angeblich werden täglich bis zu 14 Millionen Dübel produziert.

Beginn mit Blitzlicht

Zeichnug aus der Gebrauchsmusteranmeldung(DE1601285U)

Halterung für Blitzlichtlampen, 1949 (DE1601285U)

Unter Fischers Riesenanzahl von Erfindungen finden sich vor allem viele weitere Dübel-Arten, Verbinde- und Klebegeräte und weitere Befestigungslösungen. Auch Schrauben zum Fixieren von Knochenbrüchen entwickelte er (z.B. pdf-Datei DE1965350B). Seine ersten Erfindungen kamen aber aus einem ganz anderen Bereich: Er entwickelte Blitzlichtgeräte für Fotoapparate. Auslöser für die Beschäftigung mit diesem Thema waren wohl die Angst vor Brandgefahr, als eine Fotografin seine neugeborene Tochter mit einem entzündlichen Magnesiumblitz in der engen hölzernen Mansardenstube der Fischers aufnehmen wollte.

Fischer, durch und durch Problemlöser, machte sich ans Werk. Seine erste Patentanmeldung reichte er am 24. Mai 1949 ein: „ pdf-Datei Elektrisch auszulösendes Magnesiumblitzlicht für Fotogeräte“. Eine Halterung für Blitzlichtlampen ( pdf-Datei DE1601285U) hatte er schon zwei Monate zuvor beim DPMA als Gebrauchsmuster angemeldet – die erste seiner vielen, vielen geschützten Erfindungen, die ihm einen Ehrenplatz in der Erfindergalerie des DPMA sicherten.

Kreatives Spielzeug für kleine Erfinder

Verbindungselement für Knochenfrakturen, Zeichnung aus Patentschrift DE1965350

Verbindungselement für Knochenfrakturen (DE1965350B)

Fischer, geboren 1919 in Tumlingen, war schon als Kind ein eifriger Bastler. Ein Märklin-Bausatz, den er zu Weihnachten bekam, soll seinen Tüftlergeist geweckt haben. Er war sich sicher: „Man muss schon früh dazu ermuntert werden, neugierig und kreativ zu sein.“ Daher überrascht es nicht, dass ein großer Teil seiner Schutzrechtsanmeldungen Spielzeug betrifft, etwa die bekannten „fischertechnik“-Baukästen, ein Konstruktionsspielzeug für (nicht nur) kleine Ingenieure. Das Bildungsspielzeug kam in den 1960er Jahren auf den Markt und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. 30 Jahre später brachte er mit „fischerTiP“ nochmal eine erfolgreiche Spielzeugserie auf den Markt - aus Kartoffelstärke!

Erfinderisch bis ins höchste Alter

Eierbecher, Zeichnung aus DE102014106788A1

Eierbecher, der das Aufschneiden des Eis erleichtern soll (DE102014106788A1)

Artur Fischer hatte eine Schlosserlehre absolviert. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft gründete er 1948 seine eigene Ein-Mann-Firma, die „Artur Fischer Apparatebau“. Als erstes bastelte er elektrische Feueranzünder, die er gegen Nahrungsmittel oder Werkzeug eintauschte.

Heute beschäftigt die Unternehmensgruppe weltweit 4 000 Mitarbeiter und verkauft ihre Produkte in über 100 Ländern. 1980 übergab Artur Fischer die Leitung des Familienunternehmens seinem Sohn Klaus, dem es bis heute gehört. Der Senior zog sich in seine Werkstatt zurück und tüftelte weiter an seinen Erfindungen. Seine letzten Patentanmeldungen machte er 2014 im Alter von 94 Jahren (es handelte sich dabei übrigens um rutschsichere pdf-Datei Eierbecher, die das Aufschneiden des Eis erleichtern sollen).

Fischer, nach dem ein Erfinderpreis benannt ist, erhielt selbst zahlreiche Auszeichnungen, etwa den Europäischen Erfinderpreis oder den Deutschen Gründerpreis, und war Professor und Ehrendoktor. Bis ans Ende seines langen Lebens blieb er kreativ und neugierig. Deutschlands produktivster Erfinder starb 2016.

Bilder: Deutscher Gründerpreis / Bärbel Schmidt, DEPATISnet

Stand: 26.10.2018 

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