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40 Jahre erster deutscher Weltraumflug

Erde vom Weltall aus gesehen

Sigmund Jähn und die MKF 6 - Weltspitze im Weltraum

Vor 40 Jahren, am 26. August 1978, flog mit Sigmund Jähn der erste Deutsche ins Weltall. Mit an Bord war ein Spitzenprodukt aus Jena - die Multispektralkamera MKF 6. Um die Kamera zu entwickeln, hatte ein Team von Carl Zeiss Jena nur ein Dreiviertel Jahr Zeit.

Der erste Deutsche im All

Porträt Sigmund Jähn

Sigmund Jähn

"Am Sonnabend, den 26. August 1978, 15.51 MEZ, wurde in der Sowjetunion das Raumschiff Sojus 31 gestartet", vermeldete die DDR-Nachrichtenagentur ADN. Neben Kommandant Waleri Bykowski an Bord war mit Sigmund Jähn der "erste Deutsche im All - ein Bürger der DDR", wie das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" titelte.

Im Weltraum war der ausgebildete NVA-Jagdflieger sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten; 125-mal umrundete die Besatzung in dieser Zeit die Erde. Zu Jähns Aufgaben in der Raumstation Saljut 6 gehörten meteorologische Beobachtungen, die Erprobung technischer Prozesse in der Schwerelosigkeit und gesundheitliche Checks. Mit an Bord war auch eine neue Multispektralkamera von Carl Zeiss Jena - der Beitrag der DDR zum Interkosmos-Programm. Diese Art von Kooperation ermöglichte den "sozialistischen Bruderstaaten" eine Teilnahme an sowjetischen Raumflügen, die hierfür ihrerseits technische Entwicklungen beisteuerten.

Die MKF 6 - ein Spitzenprodukt aus Jena

Multispektralkamera

Die MKF 6

Als Beitrag der DDR wünschte sich die Sowjetunion ein Produkt aus dem Hause des VEB Carl Zeiss Jena, denn hier wurden Luftbildkameras schon seit Jahrzehnten gefertigt. Auch das pdf-Datei weltweit erste Projektionsplanetarium (Patent-Nummer 391036) aus dem Jahr 1923 stammte aus Jena.

Unter enormem Zeitdruck entwickelten 600 Fachleute bei Carl Zeiss Jena von Mai/Juni 1975 bis Januar 1976 die MKF 6, um professionelle Aufnahmen der Erdoberfläche aus den Weltraum zu ermöglichen. Die Kamera besteht aus dem Grundkörper, sechs Filmkassetten und einem Steuerpult. Farbfilter vor den sechs Objektiven lassen jeweils nur einen bestimmten Wellenlängenbereich des Lichtes durch. Die hohe Geschwindigkeit des Raumschiffs (zirca 28.000 Kilometer pro Stunde) führt zu einer Bildverschmierung während der Belichtung. Um diesen Effekt zu reduzieren, bewegt sich der Kamerarahmen bei der Belichtung in Flugrichtung.

Die MKF 6 war zum damaligen Zeitpunkt ein weltweites Spitzenprodukt. Kommerziell verwertet werden durfte sie jedoch nicht. Die sowjetische Seite untersagte Zeiss den Export jeglicher Geräte, die Rückschlüsse auf die sowjetische Raumfahrttechnik ermöglicht hätten. Dabei gab es durchaus Kundenanfragen; die erste kam zum Beispiel aus der Volksrepublik China.

Ein Patent wurde damals nicht angemeldet: "Um das Projekt zu schaffen, haben wir ein halbes Jahr zweischichtig gearbeitet. Also jeweils zwei Zwölf-Stunden-Schichten am Tag. Und wir haben es haarscharf geschafft. Um noch einen Papierkrieg für ein Patent zu führen, war einfach keine Zeit mehr", erinnert sich der damalige Chef der Entwicklungsabteilung bei Carl Zeiss, Dr. Achim Zickler.

Jena bleibt auch nach der Wende der Raumfahrt treu

In Jena werden auch nach 1989 Produkte für die bemannte Raumfahrt hergestellt. So zum Beispiel das Erdfernerkundungsinstrument MOMS-2P (Modular Optoelectronic Multispectral Scanner) für die Raumstation MIR im Jahr 1996, die Mikro-Rückkehrkapsel MIRKA im Jahr 1997 oder die neue Multispektralkamera aus dem Jahr 2008 ( pdf-Datei DE 10 2007 011112 B4), die im Erdbeobachtungssystem Rapid Eye eingesetzt wurde.

Ein gefragter Raumfahrtexperte

Sigmund Jähn wurde nach seinem Raumflug so etwas wie ein "perfekter sozialistischer Volksheld": Kaum zurück, wurde er mit Orden und Ehrenbürgerschaften überhäuft und auf Rundreisen und Empfängen bejubelt. Schließlich hatte die DDR mit Jähns Raumflug den Wettlauf zu den Sternen gewonnen: Denn erst fünf Jahre später sollte ihm mit Ulf Merbold der erste Westdeutsche ins All folgen.

Nach dem Mauerfall 1989 wollte die Bundeswehr Offiziere der Nationalen Volksarmee wie Jähn nicht weiter beschäftigen. Unterstützung kam ausgerechnet vom zweiten Deutschen im All: Ulf Merbold, einst BRD-Astronaut, vermittelte den Kontakt; Jähn wurde Berater für die europäische Raumfahrtorganisation ESA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Ab 1992 bildete Sigmund Jähn deutsche und europäische Astronauten im sowjetischen Schulungszentrum "Sternenstädtchen" bei Moskau aus. Noch heute ist er ein gefragter Raumfahrt-Experte.

Bild 1: DLR, Bild 2: DLR, Bild 3: Zeiss-Archiv

Stand: 20.03.2019 

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