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200 Jahre "Stille Nacht, heilige Nacht"

Joseph Mohrs Autograph des Liedes von 1820

Joseph Mohrs Autograph des Liedes von 1820

Das Lied, seine Geschichte und die Marken

Man nennt es das „ewige Lied“, jetzt wird es 200 Jahre alt: „Stille Nacht, heilige Nacht“, das wohl bekannteste Weihnachtslied der Welt. Es wird auf der ganzen Welt in den verschiedensten Sprachen und Dialekten gesungen – bis zu 300 Übersetzungen soll es geben, darunter gar Klingonisch. Praktisch alle bekannten Sängerinnen und Sänger zwischen Pop und Klassik haben es irgendwann mal aufgenommen. Allein Bing Crosbys Version von 1937 verkaufte sich rund 30 Millionen mal.

Um die Entstehung des Liedes ranken sich allerlei Legenden. Man denkt automatisch an ein verschneites Dörfchen hoch in den Alpen. Aber Oberndorf, wo das Lied am 24. Dezember 1818 zum ersten Mal gesungen wurde, liegt eher flach am Fluß, am Rand der Berge, etwas nördlich von Salzburg.

Es waren damals schwere Zeiten in dem Schiffer-Dorf, das vor allem vom Salz-Transport auf der Salzach lebte. Die napoleonischen Kriege hatten das Land ausgeblutet; der kleine Grenzort gehörte abwechselnd zu Bayern, zu Salzburg und schließlich zu Österreich. Dem „Jahr ohne Sommer“ 1816 mit seiner Klimaverschlechterung infolge eines Vulkanausbruchs in Indonesien folgten Missernten. Die Getreidepreise stiegen enorm; der Salzhandel lag darnieder. Es waren Zeiten, in denen die Menschen Trost bitter nötig hatten.

Trost in schweren Zeiten

Die Kirche St. Nikola in Oberndorf

Die Kirche St. Nikola in Oberndorf, wo das Lied zum ersten Mal erklang, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen

Joseph Mohr aus Salzburg wollte Trost spenden. Der Geistliche (1792–1848), selbst im Armenhaus geboren, engagierte sich im Salzburger Land stark für die „kleinen Leute“. Er soll auch schon mal Wilderern ihre Beute abgekauft und sie an die Armen weitergereicht haben. 1816 schrieb er in Mariapfarr im Lungau ein Gedicht, das die Freude über die Geburt Jesu und die damit verbundene Hoffnung für die Menschen beschwor:

Stille Nacht, heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht,
Durch der Engel Halleluja.
Tönt es laut von fern und nah:
Christ, der Retter ist da.

Zwei Jahre später war Mohr Hilfspriester in Oberndorf und hatte sich mit dem Dorfschullehrer Franz Xaver Gruber (1787-1863) aus Arnsdorf angefreundet, der sich hier ein Zubrot als Organist verdiente. Am Nachmittag des 24. Dezember gab Mohr ihm sein Gedicht mit der Bitte, es bis zur Abendmesse zu vertonen. Gruber zauberte die geniale, schlichte Melodie aus dem Hut, die heute jedes Kind kennt. Am Abend trugen die beiden Männer das Lied im Anschluss an die Christmesse in der St. Nikola Kirche in Oberndorf zum ersten Mal vor: Gruber sang die Tenorstimme, Mohr den Baß und begleitete auf der Gitarre dazu - die Uraufführung des „ewigen Liedes“.

Den Ort dieser Sternstunde gibt es nicht mehr: von den vielen Hochwassern der Salzach schwer beschädigt, wurde die Kirche (wie auch ein großer Teil des Dorfes) später abgerissen. An ihrer Stelle steht seit 1935 die Stille-Nacht-Kapelle mit den originalen Bänken aus St. Nikola.

Ein Lied geht um die Welt

Historische Gitarre von Joseph Mohr

Gitarre von Joseph Mohr im Stille-Nacht-Museum Hallein - wahrscheinlich das Instrument, auf dem er die Uraufführung begleitete

Wie aber kam nun diese Gelegenheitskomposition zu Weltruhm? Die Oberndorfer liebten „ihr“ neues Weihnachtslied und sangen es fortan stets zur Weihnachtsmesse. Ein Orgelbauer, der das Instrument in St. Nikola reparierte, war davon so begeistert, dass er es sich aufschrieb und weitergab. Einige Jahre später gingen einige sangesfreudige arme Familien aus dem Zillertal wie die Strassers oder die Geschwister Rainer mit Tiroler Volksliedern auf musikalische Wanderschaft in Deutschland. Ihr Weihnachts-„Hit“ wurde „Stille Nacht“, das man für eine Volksweise hielt. In Leipzig wurde das Lied 1832 auf einen Schlag berühmt und verbreitete sich von nun an rasch auf der ganzen Welt.

1854 wollte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. genaueres über sein Lieblingslied wissen und gab Nachforschungen in Auftrag. Eher zufällig erfuhr Franz Xaver Gruber davon, der nun Auskunft über die Entstehung seiner Komposition gab. In den USA hielt man „Silent night, holy night“ übrigens noch bis in die 1940er Jahre für ein altes englisches Volkslied.

Das Lied und die Marken

Wort-Bild-Marke 006827703

Wort-Bild-Marke 006827703 im Besitz der Stille-Nacht-Botschaft GmbH, Oberndorf

Natürlich verlockt die Popularität des Liedes zu Versuchen, mittels Schutzrechten davon zu profitieren. Die SalzburgerLand Tourismus GmbH hat sich kürzlich eine Wort-Bild-Marke gesichert (017025057), wogegen die „Stille Nacht Botschaft“ in Oberndorf Widerspruch eingelegt hat. Diese wiederum hatte sich 2008 die Wort-Bild-Marke 006827703 eintragen lassen, die besonders die Friedensbotschaft des Liedes betont.

Die SalzburgMilch GmbH hat STILLE NACHT als Unionswortmarke 017966639 angemeldet, und zwar für die Nizza-Klasse 29: Milchprodukte; Käse; Käsemischungen; Milch. Es droht also wohl ein Stille-Nacht-Käse.
Außerdem hat sich der Salzburger Mozartkugeln-Fabrikant Reber kürzlich die Wortmarken „Reber Stille Nacht heilige Nacht“ (302017024249) und „Reber Stille Nacht“ (302018009852) eintragen lassen.

Die Sache mit der Maus

Wort-Bild-Marke 017025057

Wort-Bild-Marke 017025057 der SalzburgerLand Tourismus GmbH

Eine Bäckerei in Hallein (wo der Komponist Gruber lange lebte und begraben liegt) hat sich die Wortmarke „Stille Nacht Mäuschen“ (009946252) gesichert und vertreibt unter diesem Namen Pralinen.
Dahinter steckt auch eine Anspielung auf die Anekdote, wonach bei der Uraufführung des Liedes nur deshalb eine Gitarre (damals als Wirtshausinstrument verpönt) zum Einsatz kam, weil eine Maus den Blasebalg der Kirchenorgel angeknabbert haben soll und diese somit ausfiel.

Tatsächlich griffen Gruber und Mohr sicherlich schlicht aus Zeitgründen zur Gitarre; für größere Vorbereitungen wie die Komposition eines Orgelsatzes war bei dieser recht spontanen Aktion ja gar kein Spielraum.

Aktuelle Ausstellungen zum Lied

Speziell für das Jubiläumsjahr hat das Land Salzburg die „Stille Nacht 2018 GmbH“ gegründet, die sich „Stille Nacht“ als IR-Wortmarke (1391919) geschützt hat. Diese Gesellschaft organisierte u.a. die Landesausstellung, mit der Österreich derzeit das Jubiläum des Liedes feiert, das seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört. Sie findet dezentral an neun Orten statt, die zum Lied in Beziehung stehen. Dazu gehören beispielweise Arnsdorf mit dem ältesten Schulhaus des Landes, in dem Gruber die Melodie des Liedes komponiert haben dürfte, oder Mariapfarr, wo Mohr 1816 sein Gedicht geschrieben hatte.

Joseph Mohrs Gedicht hat sechs Strophen, von denen heute üblicherweise nur drei gesungen werden. Hier zum Schluss die Strophe vier, in der die Friedensbotschaft des Liedes besonders hervortritt:

Stille Nacht! Heil’ge Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß,
Und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt!

Bilder: Autograph digitalisiert von der Stille-Nacht-Gesellschaft - via Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons, Stille Nacht Museum Hallein / Coen-Kossmann, DPMAregister

Stand: 10.05.2019 

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