Das DPMA

Inhalt

150 Jahre August Horch

August Horch am Steuer seines Horch 11 "Torpedo" bei der Prinz-Heinrich-Rundfahrt, 1908

Als Autofahren noch Abenteuer war: August Horch am Steuer seines Horch 11 "Torpedo" bei der "Prinz-Heinrich-Rundfahrt", 1908

Der Vater der flotten Autos

Oldtimer-Liebhabern zaubert sein Name ein Lächeln ins Gesicht: August Horch. Einer der großen Pioniere des Automobilbaus hätte in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag gefeiert.

Dass Horch einmal eine der schillerndsten Gestalten in der Geschichte der Mobilität werden würde, war dem Sohn des Dorfschmieds von Winningen an der Mosel nicht in die Wiege gelegt. Geboren am 12. Oktober 1868, beginnt Horch nach der Volksschule eine Schmiedelehre. Nach bestandener Gesellenprüfung machte er sich auf Wanderschaft. Die dreijährige Walz führt ihn u.a. durch die Länder der k.u.k.-Monarchie Österreich-Ungarn, Serbien und Bulgarien.

1890 absolviert der technikbegeisterte Junge die Ausbildung zum Ingenieur für Maschinen- und Motorenbau am Technikum in Mittweida (Sachsen). Ein bemerkenswerter sozialer Aufstieg, den ihm sein Wissensdurst und seine Begabung ermöglichten. „Ich bin von Lerngier besessen gewesen damals“, erinnerte er sich später.

Beginn bei Benz

August Horch (Ende 1930er Jahre)

August Horch (Ende 1930er Jahre)

Seine ersten Jobs führen ihn an eine Rostocker Werft, wo er Schiffsmaschinen konstruiert, dann nach Leipzig, wo Horch an einem Verbrennungsmotor für ein Torpedoschiff mitarbeitet. Im Oktober 1896 beginnt dann sein lebenslanges Engagement für den Automobilbau: er wird Mitarbeiter der damals weltgrößten Autofabrik „Benz & Cie“ in Mannheim. Nur vier Monate später ernennt Fahrzeugpionier Carl Benz ihn zum Betriebsleiter für Motorwagenbau.

August Horch entwickelt bald eigene Vorstellungen, wie das perfekte Auto aussehen sollte: nämlich vor allem stärker und schneller als die gängigen Modelle, die maximal 18 Stundenkilometer schaffen. Aber für seine Visionen hat er bei Benz keinen Spielraum. Also macht er sich 1899 selbständig und gründet mit dem Tuchhändler Salli Herz in Köln-Ehrenfeld die Firma „A. Horch & Cie“.

„Nur große, starke und gute Autos“

Horch Modell 1 "Vis à vis" mit 2 Zylindern und 4-5 PS, am Steuer August Horch

Kutsche für Konversation: Horch Modell 1 "Vis à vis" mit 2 Zylindern und 4-5 PS, am Steuer August Horch

Die Firma repariert zunächst vor allem Automotoren, aber Horch arbeitet intensiv an seinem ersten Wagen. Zu seinen ersten Patenten gehört ein Abreißgestänge, welches das Anspringen der Fahrzeugmotoren erheblich beschleunigt ( pdf-Datei GB190618083A). Bald unternimmt Horch die erste Ausfahrt mit einem selbst gebauten Automobil – eigentlich eher noch eine Motorkutsche wie Benz´ erste Wägen; ohne Türen und mit Kerzenlaternen, aber erstmals mit Reibungskupplung und Kardanwelle.

Horch will „unter allen Umständen nur große, starke und gute Autos bauen“. Doch seine innovativen, luxuriösen Wägen sind zu teuer; Horch hat keinen wirtschaftlichen Erfolg. Die Suche nach neuen Geldgebern führt ihn erst nach Reichenberg, 1904 dann nach Zwickau, wo er mit seinem Unternehmen – nunmehr eine AG – die große sächsische Automobilbautradition begründet.

Nun stellt sich ein gewisser Erfolg ein: Die teuren, aber exzellenten Autos verkaufen sich in akzeptablen Stückzahlen, Horch nimmt am Steuer seiner Schöpfungen zunächst erfolgreich an prestigeträchtigen Rennen teil (einen Führerschein besaß er übrigens nie). 1909 aber verlangen die unzufriedenen Aktionäre u.a. auch wegen ausbleibender Rennerfolge Änderungen im Unternehmen. Horch geht im Streit.

Verlorene Namensrechte

Audi Typ C "Alpensieger" mit 3,5-Liter-Vierzylindermotor in Reihe und 35 PS

Audi Typ C "Alpensieger" mit 3,5-Liter-Vierzylindermotor in Reihe und 35 PS

Sofort gründet er eine neue Autofirma in Zwickau. Wieder soll sie seinen Namen tragen: „August Horch Automobilwerke GmbH“. Aber das geht jetzt nicht mehr: die Horch AG pocht auf ihre Markenrechte und verklagt ihren Gründer. August Horch verliert die gerichtliche Auseinandersetzung und muss einen anderen Firmennamen finden.

Der Sohn eines Geschäftspartners, ein Lateinschüler, hat eine charmante Idee. Er übersetzt den Namen des Gründers einfach ins Lateinische – die Geburtsstunde von „Audi“. August Horch unterschreibt seither öfter mit „Ihr Audi-Horch“. Diese Signatur hat sich Audi übrigens 1998 als Wort-Bild-Marke für Merchandising-Artikel gesichert (Registernummer 39866670).

Am 24. August 1910 rollt der erste Audi durch das Werkstor. Die neue Firma ist ein Erfolg: Hoch gewinnt mit seinem Audi Typ C wichtige Rennen, etwa die Alpenrundfahrt 1914 (bei der er die Horch-Wägen klar hinter sich lässt). Das Modell heißt von da an „Alpensieger“. Horch fuhr das siegreiche Auto übrigens noch 15 Jahre lang, dann schenkte er es dem Deutschen Museum in München, wo es noch heute zu besichtigen ist.

Der Ingenieur als Hühnerzüchter

August Horch 1936 mit dem Horch 853 Sport Cabriolet

August Horch 1936 mit dem Horch 853 Sport Cabriolet

Der Erste Weltkrieg zwingt Audi, Panzerwägen und Minenwerfer statt Autos zu bauen. Nach dem Krieg beginnt Horchs allmählicher persönlicher Rückzug als Ingenieur. 1923 führt er noch die Linkssteuerung ein, die später fast weltweit übernommen wird. Auch die Verwendung von Leichtmetall im Motorenbau, von hochfestem Stahl in der Getriebefertigung und die Einführung der Mittelschaltung geht letztlich auf ihn und Audi zurück.

In den 1920er Jahren zieht Horch sich langsam aus dem Autobau zurück. Er wechselt in den Aufsichtsrat, arbeitet als Verkehrssachverständiger in Berlin und versucht sich später gar in Hühnerzucht oder Weinbau – alles erfolglos, denn als Unternehmer hat er zeitlebens kein glückliches Händchen.

Auch mit Audi geht es Ende der 1920er Jahre abwärts. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise zwingen schließlich 1932 Audi und Horch zur Fusion mit dem Kleinwagen- und Motorradproduzenten Zschopauer Motorenwerke (DKW) und dem Automobilwerk Siegmar der Wanderer-Werke. Unter dem Namen „Auto-Union“ entsteht ein neuer Konzern mit Sitz in Chemnitz – der zweitgrößte deutsche Autohersteller nach Opel. Sein Logo besteht aus vier verschlungenen Ringen für die einzelnen Partner der Fusion. August Horch wird in den Aufsichtsrat gewählt. Die vier eigenständigen Marken entwickeln sich erfolgreich weiter; besonders Horch wird eine erfolgreiche Luxusmarke der 1930er Jahre. Der alternde August Horch genießt hohes Ansehen als Technikpionier und schreibt seine Memoiren („Ich baute Autos“). Aber der Zweite Weltkrieg führt zum Erliegen des zivilen Automobilbaus.

Neubeginn nach dem Krieg

Horch 670 Sport Cabriolet mit 12 Zylindern (V-Form) und stolzen 120 PS von 1931. Nur 58 Exemplare wu

Traumauto: Horch 670 Sport Cabriolet mit 12 Zylindern (V-Form) und stolzen 120 PS von 1931. Nur 58 Exemplare wurden gebaut.

Horch erlebt noch, wie die Auto-Union nach dem Krieg in Ingolstadt wieder begründet wird. Als verarmter Ehrenbürger und -doktor stirbt er am 13. Februar 1951 im fränkischen Münchberg. Die Marke Audi (mit den vier Ringen der Auto-Union als Markenzeichen) überlebt ihn und wird unter dem Dach des VW-Konzerns ab den späten 1960er Jahren höchst erfolgreich. „Horch“ existiert nur noch als Markenname (u.a. Registernummer 121898), der heute Audi gehört.

2016 gehörte das Unternehmen mit 1113 Patenten zu den sieben größten Anmeldern in Deutschland. Das hätte Horch, der zeitlebens nicht nur flotte, sondern auch innovative Autos bauen wollte, sicherlich gefallen.

Bilder: Audi AG

Stand: 15.10.2018 

Position

Sie befinden sich hier: