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Innovationsmacht China?

WIPO-Chefökonom präsentiert die neuesten Trends auf dem DPMAnutzerforum

Die Zahl der Patentanmeldungen steigt unaufhörlich, die Investitionen in Hightech-Unternehmen aus dem Ausland nehmen zu: Mit seiner offensiven Innovationsstrategie lässt China die Welt aufhorchen. Auch im jüngsten „Global Innovation Index“ der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) ist das Land weit oben platziert. Mit Rang 22 stieß China im Ranking unter 127 Volkswirtschaften zum ersten Mal in die Top-30 vor.

„China hat es als einziges Schwellenland geschafft, eine Innovationswirtschaft aufzubauen“ sagte WIPO-Chefökonom, Dr. Carsten Fink bei einem Vortrag im Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA). „In der Wirtschaftsgeschichte hat es so etwas noch nicht gegeben – zumindest nicht in dieser Größe und Geschwindigkeit.“ Beim DPMAnutzerforum, das vom Amt einmal im Jahr für seine Kunden veranstaltet wird, präsentierte Dr. Fink am Donnerstag, den 8. März 2018 die neuesten Innovationstrends.

Bild von Dr. Carsten Fink bei seinem Vortrag auf dem DPMAnutzerforum

Dr. Carsten Fink bei seinem Vortrag auf dem DPMAnutzerforum

Aber müssen westliche Unternehmen die chinesische Konkurrenz wirklich fürchten? Es sei derzeit schwierig, die tatsächliche Qualität chinesischer Patente zu beurteilen, sagte Dr. Fink. „Es gibt keine Studie, die da ein definitives Urteil fällen kann.“ Die chinesische Regierung bemühe sich jedenfalls, das Schutzrechtssystem weiterzuentwickeln. In einigen Technologien wie etwa der Solarenergie habe das Land es schon geschafft, „weltweit erfolgreich zu sein“. Die Tatsache, dass chinesische Unternehmen immer wettbewerbsfähiger werden, beschleunige schon jetzt den Strukturwandel im Westen.

Insgesamt wird das WIPO-Ranking allerdings noch immer von Europa, Amerika, Südkorea und Japan dominiert. Weltweiter Innovationsführer ist laut WIPO seit Jahren die Schweiz. Das Land belege einfach in allen Kategorien vordere Plätze, sagte Dr. Fink. Die Schweiz sei eben auch ein sehr reiches Land. „Je reicher ein Land ist, desto mehr Ressourcen existieren, um in Innovation zu investieren.“

Und wie steht es um die Innovationskraft hierzulande? Im WIPO-Ranking landet Deutschland auf Rang 9 – einen Platz weiter vorne als im Vorjahr. Vor allem ein Ergebnis der Effizienz des deutschen Innovationssystems, sagt Dr. Fink. Im Output-Ranking, das vor allem ergebnisorientierte Faktoren wie die Zahl an international eingereichten Patentanmeldungen misst, steht das Land sogar auf Platz 7. In der Input-Liste, die vorrangig Investitionen in das Innovationssystem bewertet, landet es dagegen nur auf Platz 17.

Schwächen hat Deutschland bei Unternehmensgründungen. Die Dichte neuer Unternehmen ist in anderen Industriestaaten höher – auch weil es leichter ist, dort Unternehmen zu gründen. Auch die Zahl hochqualifizierter Frauen im Erwerbsleben ist im internationalen Vergleich eher gering. Ihn habe zudem überrascht, dass im Verhältnis zur Größe der Volkswirtschaft relativ wenig aus dem Ausland in Deutschland investiert werde, sagte Dr. Fink. Seine Stärken hat Deutschland in der Logistik. Zudem sind die Investitionen von deutschen Unternehmen in Forschung und Entwicklung hoch, ebenso wie die Zahl der Patentanmeldungen.

Im Erfolg Chinas sieht der WIPO-Chefökonom durchaus große Chancen für die deutsche Wirtschaft. Das Wachstum dort sei gut, weil es sich um einen der wichtigsten Exportmärkte für deutsche Unternehmen handele. Er als Ökonom betrachte Innovation ohnehin als ein öffentliches Gut: „Wenn in China eine Lösung für ein technisches Problem gefunden wird, kann diese Lösung auf der ganzen Welt angewendet werden.“

Die Präsentation von Dr. Fink zum Thema Globale und deutsche Innovationstendenzen finden Sie hier.

Bild: DPMA

Stand: 28.03.2018 

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