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Welttag des geistigen Eigentums 2018

Den Wandel wagen: Warum Innovation und Kreativität weiblich sind

Der Mensch ist vor allem deswegen einzigartig, weil er sich seine Welt neu erfinden kann. Vom Rad über die Brille, den Buchdruck bis hin zu Telefon, Waschmaschine, Fallschirm, Kaffeefilter, hochbrechenden Brillengläsern und Smartphone: Die Daniel Düsentriebs haben bisher für jedes (Alltags-)Problem überraschende und neue Lösungen gefunden. Doch halt: Sind Erfindungen wirklich männlich oder steckt nicht hinter mancher Innovation eine Daniela Düsentrieb? Und ist es nicht überhaupt an der Zeit, das weibliche Potenzial an kreativen Ideen und Innovationen besser auszuschöpfen?

Warum Frauen bislang weniger gewerbliche Schutzrechte anmelden

Unbestritten ist, dass Frauen unter den Erfindern bislang weniger vertreten sind als Männer. Ein wichtiger Grund wird laut der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) dabei schon in der Kindheit gelegt: In den meisten Ländern studieren weit weniger Mädchen als Jungen naturwissenschaftliche und technische Fächer (MINT). Infolgedessen arbeitet ein relativ geringer Anteil von Frauen in den Bereichen, die die meisten technischen Innovationen hervorbringen. Außerdem halten sich Geschlechterstereotypen hartnäckig und Mädchen und jungen Frauen fehlt es an Vorbildern, die sie inspirieren, ihr Potenzial zu entfalten.

Das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) setzt sich dafür ein, daran etwas zu ändern. Anfang des Jahres ist das Amt dem Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen "Komm mach MINT." beigetreten. In dem Netzwerk engagieren sich Institutionen und Unternehmen und versuchen, Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. Beim jährlichen Girls'Day gibt es im DPMA Führungen für Schülerinnen. "Wenn wir das innovative Potenzial unseres Landes voll ausschöpfen wollen, müssen wir mehr Mädchen und Frauen für Technik und Naturwissenschaften gewinnen", sagt DPMA-Präsidentin Cornelia Rudloff-Schäffer. "Davon würden nicht nur die Frauen, sondern die Gesellschaft als Ganzes würde enorm profitieren."

Auch die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen schränken die Karrierechancen von Frauen oft ein. Talentierte Frauen sind als Studentinnen und in der Anfangsphase ihrer Karriere erfolgreich, stellen aber später oft die Familie in den Mittelpunkt. Ein weiterer Faktor sind die Kosten bei der Entwicklung und Anmeldung von geistigem Eigentum. Hier gehen Frauen gerne "auf Nummer sicher" und räumen dem stabilen Familieneinkommen den Vorrang ein. Das macht sie deutlich risikoscheuer als Männer.

Es muss kein Öl und keine Maschine sein

Außerdem sind Frauen laut Auskunft der Berliner Patentanwältin Dr. Renate Weisse oft dort kreativ unterwegs, wo eine Patentfähigkeit per se nicht gegeben ist, zum Beispiel im Bereich Basteln und kreative Ideen. Anderseits seien gerade Frauen oft zu wenig selbstbewusst und schätzten die Hürden für ein Patent zu hoch ein. Frauen sei mitunter auch nicht bewusst, dass viele Erfindungen durchaus patentfähig sein können. "Es muss kein Öl und keine Maschine sein", meint die studierte Physikerin Weisse.

"Jugend forscht" macht Erfinderinnen

Mädchen mit Stethoskop

"Jugend-forscht"-Preisträgerin
Rieke-Marie Hackbarth

Dass Mädchen und junge Frauen durchaus das Zeug zur erfolgreichen Erfinderin haben, zeigt sich zum Beispiel beim Wettbewerb "Jugend forscht", der in diesem Jahr zum 52. Mal stattfindet. Im Jahr 2018 waren von den rund 12.000 Teilnehmern 4.550 weiblich, also immerhin 38 Prozent. Und ihre Ergebnisse können sich sehen lassen. So hat die 17-jährige Abiturientin Rieke-Marie Hackbarth beim Wettbewerb im Jahr 2015 einen Sonderpreis für ihr selbst desinfizierendes Stethoskop gewonnen. Die Idee zur Teilnahme beim "Jugend-forscht"-Wettbewerb kam Rieke im Unterrichtsfach "Forschen und Erfinden", das an ihrem Gymnasium angeboten wird. (Da war sie allerdings das einzige Mädchen, das teilgenommen hat.) Hierbei erinnerte sich Rieke an eine Diskussion mit ihrem Kinderarzt, der meinte, dass Stethoskope die reinsten Keimschleudern seien. So entwickelte sie im Schullabor eine elektronische Reinigungstechnik. Dabei wird Desinfektionsmittel als feiner Sprühnebel auf die Stethoskopmembran verteilt. Ihre Erfindung hat die Schülerin als Gebrauchsmuster ( pdf-Datei DE 20 2015 100 725 U1) und als Patent ( pdf-Datei DE 10 2015 102 168 A1) angemeldet. Jetzt hat ein Unternehmen das Patent gekauft und will es zur Marktreife bringen. Auf die Idee, ein Patent auf ihre Erfindung anzumelden, wäre sie selbst gar nicht gekommen. Sie meint: "Ich dachte gar nicht, dass das so etwas Besonderes ist..." Erst ein "Jugend-forscht"-Juror hatte sie - vor der Veröffentlichung ihrer Erfindung - auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Denn würde die Erfindung bei der Preisverleihung vorgestellt werden, ohne sie vorher beim Patentamt anzumelden, würde sie zum "Stand der Technik". Und damit wäre die Erfindung nicht mehr neu.

Nach dem Abitur möchte Rieke Medizin studieren, kann sich aber auch gut vorstellen, weiterhin auf dem Gebiet Medizintechnik oder anderen Gebieten zu forschen und zu erfinden. Es macht ihr Spaß, an einer Idee zu arbeiten und ihre Prototypen weiterzuentwickeln. Wir wünschen ihr weiterhin viel Spaß und Erfolg beim Erfinden und freuen uns am "Welttag des geistigen Eigentums" auf viele Ideen und Innovationen insbesondere von Frauen. Und bitte denken Sie daran, Ihr geistiges Eigentum zuerst anzumelden und erst dann mit anderen zu teilen.

Bild: Jugend forscht

Stand: 29.11.2018 

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