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Zum Welt-Braille-Tag 2019

Text in Brailleschrift

Louis Braille: Die Sechs-Punkt-Schrift öffnete blinden Menschen das Tor zur Bildung

Am 4. Januar ist Welt-Braille-Tag. Die Welt-Blinden-Union hat diesen jährlichen Gedenktag initiiert, um einmal mehr die Bedeutung der Brailleschrift für sehbehinderte Menschen hervorzuheben. Der Tag erinnert an den Geburtstag Louis Brailles, der im Jahr 1809 im französischen Dörfchen Coupvray in der Nähe von Paris geboren wurde.

Im Alter von drei Jahren verletzte Louis Braille sich in der Sattler-Werkstatt seines Vaters mit einem scharfen Werkzeug am rechten Auge. Mit der Zeit griff eine Infektion des verletzten Auges auch auf das andere über, sodass Braille im Alter von fünf Jahren völlig erblindete. Damit wäre ihm als Sohn eines einfachen Handwerkers seinerzeit ein ereignisloses und elendes Leben – ohne Schulbildung und Beruf – vorherbestimmt gewesen. Die Eltern ermöglichten dem aufgeweckten und intelligenten Jungen aber zunächst den Besuch der Dorfschule. Dank seiner Intelligenz erhielt er im Alter von zehn Jahren ein Stipendium am weltweit ersten Blindeninstitut von Valentin Haüy in Paris.

Am Blindeninstitut lernten die Kinder hauptsächlich, indem sie zuhörten und das Gehörte wiederholten. Es gab zwar einige Bücher mit erhöhten Buchstaben, die von Blinden ertastet werden konnten. Das Lesen war aber sehr mühsam und zeitaufwändig.

Von der Nachtschrift Charles Babiers zur Brailleschrift

Im Jahr 1821 besuchte der Artilleriehauptmann Charles Barbier die Schule und stellte seine "Nachtschrift" vor. Diese hatte er erfunden, damit Soldaten Botschaften lautlos und ohne Licht übermitteln können. Die Schrift bestand aus 11 Punkten (einige Quellen sprechen auch von 12 Punkten). Das System war jedoch relativ mühsam zu lesen und benötigte sehr viel Platz.

Aus dieser Begegnung schöpfte Louis Braille die Idee zu seiner einfachen und praktischen Blindenschrift, die er im Oktober 1825 im Alter von nur 16 Jahren fertigstellte. Allerdings dauerte es einige Zeit, bis sich seine Idee weltweit durchsetzte. So wurde das Sechs-Punkte-Alphabet von der Pädagogischen Akademie Frankreich erst im Jahre 1850 offiziell anerkannt und in Paris eingeführt. Durch Beschluss des Ersten Blindenlehrerkongresses in Wien 1873 wurde die Braille-Schrift auch im deutschsprachigen Raum verbindlich.

Den weltweiten Siegeszug seiner Schrift erlebte Braille nicht mehr. Er starb an einem Lungenleiden am 6. Januar 1852 in Paris. Hundert Jahre nach seinem Tod ehrte sein Heimatland das Lebenswerk von Louis Braille und ließ seine Gebeine ins Pariser Pantheon umbetten - die Ruhestätte für Frankreichs Nationalhelden.

Mit sechs Punkten die Welt erfahren – die Brailleschrift

Jedes Zeichen besteht aus eins bis sechs Punkten, angeordnet wie auf einem Würfel. In Deutschland gibt es drei Versionen der Brailleschrift: Die Basisschrift mit allen Buchstaben des Alphabets sowie den Zahl- und Satzzeichen. Die Vollschrift mit weiteren Zeichen für au, eu, äu, st, ch, sch, ei, ie. Und die Kurzschrift, eine Art von Stenographie mit 289 Kürzungen für Worte, Lautgruppen, Silben zum schnelleren Lesen. Zusätzlich gibt es noch eine Reihe von Spezialschriften etwa für Mathematik, Musik, Chemie und Physik. Für das Arbeiten am Computer mit der Braillezeile hat man das sogenannte Computerbraille oder Acht-Punkt-Braille erfunden, bei der eine Zelle nicht nur sechs sondern acht Punkte hat.

Mehr Bücher für blinde und sehbehinderte Menschen

Ob Fachliteratur, aktuelle Nachrichten oder Lesevergnügen - bis heute haben nur rund fünf Prozent aller in Europa erhältlichen Bücher ein Format, das für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen geeignet ist. Dennoch ist die Brailleschrift auch heute noch von großer Bedeutung, denn nur so können sich blinde Menschen selbst Schrift und damit Wissen aneignen.

Barrierefrei zugängliche Literatur stellen in erster Linie Blindenbibliotheken, wie die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB), zur Verfügung. Hierzu produziert die Bibliothek selbst zum Beispiel Braille- und Hörbücher, Zeitschriften, Reliefs und Noten.

Ein wichtiger Schritt, blinden, seh- und lesebeeinträchtigten Menschen den barrierefreien Zugang zur Literatur erleichtern, ist die Umsetzung der "Marrakesch-Richtlinie" in deutsches Recht zum 1. Januar 2019. Die Richtlinie geht auf den völkerrechtlichen Vertrag von Marrakesch zurück, der 2013 im Rahmen der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) ausgehandelt wurde, und der weltweit eine bessere Versorgung mit barrierefreier Literatur sicherstellen soll. So können so genannte befugte Stellen jetzt blinden und sehbehinderten Menschen Literatur direkt über das Internet zugänglich machen. Außerdem ermöglicht das Gesetz von nun an den grenzüberschreitenden Austausch von Werken in barrierefreien Formaten. Von den urheberrechtlichen Ausnahmeregelungen profitieren künftig auch mehr Menschen, denn den Blindenbibliotheken ist es erlaubt, auch lesebeeinträchtigte Menschen, also Menschen, die Gedrucktes nicht lesen können, wie beispielsweise Legastheniker, mit barrierefreien Medien zu versorgen.

Das Deutsche Patent- und Markenamt leistet hierzu ebenfalls seinen Beitrag: So übt das Amt seit 1. Januar 2019 die Aufsicht über so genannte befugte Stellen nach § 45c des Urheberrechtsgesetzes aus. Mehr dazu finden Sie in unserer Pressemitteilung.

Bild: iStock.com/Cozyta

Stand: 30.10.2019 

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