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Internationaler Tag des Bieres

Zeichnung aus Patentschrift

Bierernst betrachtet: Gerstensaft und Schutzrechte

Am 3. August ist der Internationale Tag des Bieres. Dies könnte man zum Anlass nehmen, sich mal wieder kräftig einen hinter die Binde zu kippen (viel mehr haben die Initiatoren auch nicht im Sinn) - oder aber einen Blick auf die Schutzrechte rund um ein uraltes Kulturgut werfen, das ständig weiterentwickelt wird.

Obwohl die Brauereien oft sehr viel Wert auf ihre Traditionen legen, steckt heute modernste Technik hinter einem der ältesten Getränke der Menschheit. Das zeigt nicht zuletzt die hohe Zahl von Patentanmeldungen rund um den Brauprozess, die beim DPMA eingehen. Das älteste Braurezept ist rund 5000 Jahre alt – eine der jüngsten Erfindungen zum Thema Bier, die beim DPMA einging, wurde erst vor wenigen Wochen offengelegt („Verfahren und Vorrichtung zur Anschwemmfiltration eines Unfiltrats“, pdf-Datei DE102017100640A1).

Denn obwohl bereits die alten Sumerer und Ägypter Bier brauten, obwohl schon die Kelten verschiedene Sorten kannten und obwohl das Reinheitsgebot bereits 500 Jahre alt ist – immer noch wird fleißig daran gearbeitet, die Bierherstellung zu optimieren.

Neue Erfindungen rund um das Brauen

Logo International Beer day 2018

Ein Beispiel ist das „Verfahren zur zeitoptimierten Reifung von Bier, das für den Export nach Übersee bestimmt ist“ ( pdf-Datei DE102016006270A1): mit Hilfe spezielle Transportcontainer reift das Bier an Bord des Transportschiffes. Die Brauerei kann ihr Jungbier so schneller auf den Weg bringen, ohne die Reifezeit in der Brauerei aus Kostengründen künstlich verkürzen oder das Bier aufwendig konservieren zu müssen, um es für die lange Reise nach Übersee vorzubereiten.

Das Auge trinkt mit: Vielen Bierkennern ist eine schöne Schaumkrone wichtig. Daher schlägt pdf-Datei DE102010030284B4 ein neues „Verfahren und Anordnung zur Stabilisierung des Schaumbildes von Bier“ vor.
Ein wichtiger Trend der letzten Jahre ging zum alkoholfreien oder -armen Bier, an dessen geschmacklicher Optimierung weiterhin getüftelt wird, beispielsweise mit dem „Verfahren zur Reduzierung des Alkoholgehalts“ ( pdf-Datei EP2921550B1).

Weitere aktuelle Anmeldungen stellen Brauverfahren mit "high gravity blending process“ ( pdf-Datei WO002013102644A1) vor oder heißen schlicht „Verfahren zur Herstellung von Bier“ ( pdf-Datei WO002015049353A1). Erfinder entwickeln „Neue Produktionsmaschinen zur Herstellung von Bier (…) unter Weglassung der bisher verwendeten technischen Anlagenteile und Komponenten“ ( pdf-Datei DE202016000870U1) oder neue „Verfahren und Vorrichtung zum Zapfen und/oder Herstellen von Bier“ ( pdf-Datei DE102016107729A1).

Auch ein jahrtausendealtes Verfahren kann offenbar immer weiter optimiert werden…

Bierdurst nimmt ab, Vielfalt zu

Zeichnung aus Schutzrechtsdokument

"Verfahren zur Herstellung von Bier“(WO 002015049353A1)

Der Bedarf ist da: 2017 setzten die deutschen Brauereien insgesamt rund 93,5 Millionen Hektoliter Bier ab. Allerdings sank damit der Bierabsatz gegenüber dem Vorjahr um 2,5 % beziehungsweise 2,4 Millionen Hektoliter, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Der Rückgang im Bierkonsum setzt sich also fort: Seit 1993 hat sich der Bierabsatz insgesamt um 18,6 Millionen Hektoliter oder 16,6 % verringert.

Auch in der Bierhochburg Bayern wird immer weniger Gerstensaft getrunken. Trotzdem steigt der Bierabsatz der bayerischen Brauereien seit 2010 wieder an, weil der Export floriert. „Bayerisches Bier“ ist beim DPMA als geografische Herkunftsangabe geschützt (312012000102.4) und kann daher ähnlich wie Parma-Schinken oder Champagner als regionale Spezialität vermarktet werden.

Wer verträgt am meisten?

Logo der erloschenen Biermmarke "Münchner Schlossbräu"

Erloschene Biermarke "Münchner Schlossbräu" (Reg-Nr. 457803)

Trotz des gesunkenen Durstes trinken die Deutschen immer noch mehr Bier als der Rest der Welt, nämlich etwa 104 Liter pro Kopf und Jahr. Einzig die Tschechen schaffen mehr: Mit durchschnittlichen 143 Litern Bier liegen sie knapp 40 Liter vor den Deutschen und somit weltweit einsam an der Spitze.

An der Spitze liegt Deutschland - und besonders Bayern - aber in Punkto Vielfalt: Es soll bis zu 6000 verschiedene deutsche Biersorten geben – Tendenz stark steigend. Das bedeutet, man könnte 16 Jahre lang jeden Tag ein anderes deutsches Bier probieren. Sucht man in DPMAregister nach allen Marken aus dem Bereich „Bier“, erhält man 47373 Treffer! Viele Biermarken sind erloschen (etwa das „Münchner Schlossbräu“), aber es kommen auch ständig neue hinzu.

Fast 1500 Brauereien in Deutschland!

Logo der erloschenen Biermarke "Reichelbräu Kulmbach"

Erloschene Biermarke "Reichelbräu Kulmbach" (Reg.-Nr. DD602666)

2017 stellten in Deutschland 1 492 Brauereien rund 85 Millionen Hektoliter Bier her. 642 Brauereien, also 43 % davon, waren laut Destatis in Bayern ansässig, wo auch mit rund 24 Millionen Hektolitern im Ländervergleich das meiste Bier gebraut wurde.

Besonders dynamisch entwickeln sich die kleinsten Braustätten mit unter 1 000 Hektolitern Jahreserzeugung. Sie stellten im Jahr 2017 mit 824 Brauereien bereits über die Hälfte aller Brauereien in Deutschland, ihre Zahl hat allein gegenüber 2016 um 85 zugenommen.

Der weltweite Trend zu „Craft Beer“ und „Micro Breweries“ kommt vielen kleinen Traditionsbetrieben zugute. Übrigens auch den Hopfenbauern: Da stark gehopfte Biere (z. B. „Imperial Pale Ale“) immer mehr in Mode kommen, steigt der Bedarf an der Pflanze weiter an.

Neben dem Internationalen Tag des Bieres, der seit 2008 jeden ersten Freitag im August weltweit gefeiert wird, gibt es auch einen Tag des deutschen Bieres. Er wird am 23. April begossen, um an den Erlass der bayerischen Landesordnung vom 23.4.1516 zu erinnern, die festlegte, dass nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser ins Bier gehören – die Geburt des Reinheitsgebots. Prost!

www.idb.com

Stand: 23.10.2018 

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