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Jens Frahm für Europäischen Erfinderpreis nominiert

Bild von Prof. Dr. Jens Frahm

Blitzaufnahmen aus dem Inneren des Körpers – Forscher revolutionierte MRT-Technik

Es ist eine weltweite Schlüsseltechnologie, deren patentrechtlicher Grundstein beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) gelegt wurde: Unter der Nummer 3504734 meldete Prof. Dr. Jens Frahm 1985 mit anderen Forschern beim DPMA das erste Patent zu einer neuen Methode an. Der Titel: „ pdf-Datei Verfahren und Vorrichtung zur Aufnahme von Spinresonanzdaten“.

Spektakulärer wirkt der Name, unter dem das Verfahren später weltweit Furore machte: FLASH (Fast-Low-Angle-Shot). Die damals neue Technologie revolutionierte die medizinische Bildgebung. In der Magnetresonanztomografie (MRT) dauerte es vorher mehrere Stunden, bis nach einer Aufnahme ein brauchbares Bild entstand. Mit FLASH war dies auf einmal 100 Mal schneller möglich – für die moderne Medizin ein technischer Meilenstein.

MRT-Bild

In diesem Jahr winkt Professor Frahm für seine Arbeit eine bedeutende Ehrung: Der 67 Jahre alte Physikochemiker, Leiter der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, ist für den Europäischen Erfinderpreis 2018 nominiert – in der Kategorie Forschung. „Millionen Menschen weltweit können heute dank der von Professor Frahm entwickelten FLASH-Technik gezielter medizinisch versorgt werden“, lobt DPMA-Präsidentin Cornelia Rudloff-Schäffer. „Die neue Technologie hat aber auch viele Arbeitsplätze geschaffen und der Max-Planck-Gesellschaft Millionen-Einnahmen für ihre Forschung beschert.“ Auf 150 Millionen Euro beziffert die Gesellschaft die Lizenzeinnahmen aus den FLASH-Patenten. „Wir wünschen auch diesem herausragenden deutschen Forscher, dass seine genialen Entwicklungen mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet werden“, betont die DPMA-Präsidentin.

Beschleunigte Bildgebung

Bei der Magnetresonanztomografie werden Patienten einem starken magnetischen Feld ausgesetzt. Die Wasserstoffatome im Körper richten sich danach aus, werden dann durch bestimmte Impulse in ihrer Ausrichtung abgelenkt und kehren wieder in ihre Ausgangslage zurück. Die dabei ausgesendeten Radiowellen werden vom MRT-Gerät aufgezeichnet und in Bilder umgewandelt. Die Aufzeichnung war früher sehr umfassend und langwierig. Mit Frahms FLASH-Methode werden die Atome in einem wesentlich geringeren Winkel (englisch: „low angle“) bewegt und nur Teilsignale genutzt. So gelingt die Aufzeichnung um ein Vielfaches schneller und es stehen rasch Bilder zur Verfügung. 2010 stellte Frahm seine Weiterentwicklung vor: FLASH 2. Dank eines neuen mathematischen Verfahrens für die Bildrekonstruktion sind deutlich weniger Einzelmessungen pro Bild nötig, was die MRT-Aufnahmen noch einmal deutlich beschleunigt.

Der Europäische Erfinderpreis wird jedes Jahr in fünf Kategorien an herausragende Forscher und Erfinder verliehen. Die Gewinner werden am 7. Juni 2018 auf einer Preisverleihung in Paris ausgezeichnet. In der vergangenen Woche hatten wir den weiteren nominierten Deutschen, den Biochemiker Prof. Dr. Thomas Scheibel von der Universität Bayreuth, vorgestellt. Professor Scheibel gelang es als erstem Forscher, Spinnenseidenproteine in industriellem Maßstab künstlich herzustellen. Spinnenseide ist als Industriewerkstoff vielfältig einsetzbar.

Frank Vinken / Max-Planck-Gesellschaft, Jens Frahm / Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Stand: 29.11.2018 

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