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Halloween und die Schutzrechte

Detail aus US332420S

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Patente des Grauens

Neben Weihnachten und Ostern prägt mittlerweile ein dritter Feiertag die saisonalen Angebote in den Geschäften: Halloween. Hierzulande durchaus umstritten und oft geschmäht als „Import-Brauchtum“, hat sich das Grusel-Fest dennoch als feste Größe im Kalender und Einzelhandel etabliert – bei weiter steigender Beliebtheit. Kurz: Halloween, diese gruftige Gaudi, ist mit seinen Grusel-Gimmicks und finsteren Verkleidungen weltweit ein Millionengeschäft. Da liegt es auf der Hand, dass gewerbliche Schutzrechte gefragt sind!

Jeder weiß, dass Halloween etwas mit Kürbissen und Geistern zu tun hat. Aber was hat es genau mit dem Fest auf sich, wo kommt es her?

Keltisch-christliches Traditionsgemisch

US258205S

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Eine Wurzel des Brauches liegt vermutlich im keltischen Totenfest zu Ehren des Gottes Samhain Ende Oktober. Bei den Kelten begann das neue Jahr im November, daher verschmolzen bei ihnen möglicherweise Totengedenken und Neujahrsfest. Eine andere Wurzel bildet das katholische Fest zu Ehren aller heiligen Märtyrer, das sich zu Beginn des 7. Jahrhunderts etablierte. Ursprünglich im Mai gefeiert, wurde der Allerheiligentag 835 vom Papst verbindlich auf den 1. November gelegt.

In Irland verschmolzen dann alte keltische mit neuen christlichen Traditionen: Am Vorabend des „All Saints' Day“ (oder „All Hallows' Day“) wurde „All Hallows' Evening“ oder kurz „Hallows E'en“ gefeiert. Die irischen Katholiken behielten diesen Brauch in Abgrenzung zu den protestantisch-anglikanischen englischen Besatzern bei, die am 31. Oktober den Reformationstag feiern. (Das ist übrigens ein Grund, warum besonders die evangelische Kirche hierzulande nichts mit Halloween anfangen kann – das Reformationsfest wird überlagert).

Von Irland aus um die Welt

US3250910A

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Die zahllosen Iren, die im 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten auswanderten, brachten das Halloween-Brauchtum mit in die Neue Welt, wo es dann schnell populär wurde. Spätestens ab den 1990er Jahren wurde Halloween dann auch in Europa immer beliebter – nicht zuletzt dank interessierter Unternehmen, die sich neue Märkte für Halloween-Produkte erschließen wollten. Ein „importierter“ Brauch ist das Fest in Europa also eigentlich nicht, eher ein Re-Import.

Es gibt eine Fülle von Patenten mit Halloween-Bezug. Die meisten stammen traditionell aus den USA, wo das Fest seit langem große Bedeutung hat. Mit der zunehmenden globalen Bekanntheit des Festes steigen aber auch die Anmeldungen aus anderen Ländern.

Süßes oder Saures!

CA1246037

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Ein typisches Halloween-Patent ist beispielsweise pdf-Datei CA1246037A („Lantern candy carrier“): eine batteriebetriebene Laterne, die von einem Kind zum Sammeln von Leckereien verwendet werden kann. Die Laterne hat die Gestalt eines klassischen Halloween-Kürbis´ mit ausgeschnittener Grimasse (im Englischen „Jack O’Lantern“ genannt). Damit kann das Kind besser sehen und gesehen werden, wenn es im Dunkeln von Tür zu Tür geht und mit dem Ruf „Trick or treat!“ (deutsch: „Süßes oder Saures!“) Naschzeug einfordert. Natürlich kann die Laterne auch einfach zur Dekoration benutzt werden.

Ähnliche Lampen werden seit Jahrzehnten immer mal wieder modifiziert und angemeldet, siehe zum Beispiel pdf-Datei US3250910A von 1963: ein künstlicher, von innen beleuchteter Kürbis, der janusköpfig zwei Gruselfratzen zeigt.

WO002004/028264A1

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Technisch nicht so anspruchsvoll, aber zweckmäßig ist die einfache Tasche mit typischer Dekoration pdf-Datei US258205S, in die wohl mehr Süßigkeiten passen, als den Kindern gut tut…

Manchmal sind aber auch die Süßigkeiten selbst gruselig: pdf-Datei WO2004/028264A1 ist „eine anatomisch korrekte Bonbonneuheit, hergestellt aus einer äußeren Schicht aus Süßwarenmaterial, die die Haut und das Fleisch eines anatomisch korrekten menschlichen Körperteils darstellt, und einer inneren Schicht aus hartem Bonbonmaterial, die das Skelett desselben anatomisch korrekten menschlichen Körperteils darstellt.“


Tanzende Geister im Vorgarten

CA3021652A1

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Dekorationselemente gehören in der Halloween-Saison zu jedem amerikanischen Vorgarten. Wie man diese miteinander vernetzt, zeigt pdf-Datei CA3021652A1 („System and method for controlling animated props“): Es sieht vor, diverse Halloween-Requisiten mit einer Fernsteuerung zu kontrollieren. „Jeder der Fernbedienungsempfänger wird über einen Aktivierungsport der Halloween-Requisite, z.B. einen Try-me- oder Step-Pad-Port, mit der Halloween-Requisite verbunden.“ Wenn sich also plötzlich in einem Vorgarten zauselige Zombies oder gruselige Geister bewegen, dann steckt vermutlich dieses Patent dahinter.

Lieber Vampir oder Skelett?

US332761S

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Ein einfaches, aber sehr effektvolles Design schlägt pdf-Datei US332420S vor. Es braucht nicht mehr als einen Luftballon und einen Kleiderbügel, um ein Tuch mit Skelett-Dekoration schaurig schweben zu lassen. Das Design lässt sich variieren, etwa mit einem Vampir ( pdf-Datei US332761S) oder einem verspult dreinblickenden Geist ( pdf-Datei US333281S). Mit letzterem verwandt scheint das Design der „Halloween novelty“ ( pdf-Datei US419910S) zu sein, eine sauertöpfisch-teigige Visage.

Weitere typische Halloween-Designs sind der (vergleichsweise freundlich dreinblickende) „künstliche Baum“ pdf-Datei US430817S oder die Totenkopf-Leuchte pdf-Datei US480984S.

Künstlicher Kürbis

US480984S

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Ein normaler Kürbis, den man aushöhlt und mit einer eingeschnittenen Fratze versieht, hat den Nachteil, recht rasch zu vergammeln. pdf-Datei US5811160 („Carvable artifical pumpkin“) hat die Lösung: Der Körper wird aus Polyurethan geformt und dann „mit einer elastomeren Beschichtung, wie z.B. einem Acrylmaterial, das als Flüssigkeit aufgetragen wird, beschichtet“. Dieser künstliche Kürbis soll schnitzfähig sein und kann nach Belieben verziert und beleuchtet werden.

Saisonal austauschbare Deko

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Weil es von Halloween ja nicht mehr weit bis Weihnachten ist, sieht pdf-Datei US5911501A („Home decoration system“, 1999) austauschbare Elemente vor:
„Ein dekoratives Beleuchtungssystem verwendet eine Vielzahl von Figuren, in der Regel eine Familie von Figuren, die für einen bestimmten Feiertag geeignet sind, wie z.B.: Kürbislaterne, Geister, Hexen, schwarze Katzen, Skelette, usw. für Halloween oder den Weihnachtsmann, Kerzen, Zuckerstangen, Rentiere, usw. für Weihnachten. (…) Eine Adapter-Montageplatte ermöglicht den Austausch der Figuren in Halterungen an Pfosten in einem permanenten Bodenbeleuchtungssystem.“

Maliziöse Masken

US6035447

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Halloween hat Züge eines düsteren Karnevals, daher sind Masken ein beliebtes Anmeldungsgebiet:

pdf-Datei US6035447A ist „eine Halloween-Maske mit Blitzgerät“, die nicht nur „die anziehende Wirkung der Maske“, sondern auch „die Sicherheit des Trägers“ erhöhen soll, indem sie die „Aufmerksamkeit und das Bewusstsein der Fahrzeugführer in der Nähe des Trägers weckt“. Das sollte gelingen – vor dieser Maske ergreift jeder Autofahrer die Flucht!

Oder pdf-Datei US6832392B2: „Eine Kostüm-Sicherheitsmaske mit chemilumineszierenden Reagenzien. Nach der Aktivierung beleuchten die Reagenzien die Maske oder ihre Merkmale zum Zweck der Neuheitsbeleuchtung und der Sicherheit des Trägers. Die Maske kann flüssige, viskose flüssige oder feste chemilumineszierende Reagenzien enthalten, die in Hohlräumen aufbewahrt werden. Flüssige Bestandteile können durch Durchgänge in der Maske transportiert werden, um ein fließendes Erscheinungsbild zu erzielen.“ Angemessen scheußlich ist sie außerdem.

Aufblasbares Grauen

WO96-39058

WO96-39058

Zu den Masken zählt auch eine frühe Halloween-Anmeldung aus Deutschland: „Scherzartikel“ von 1984 ( pdf-Datei DE8404835U1): Die Idee des Erfinders ist es, „zwei Leuchtkörper direkt vor den Augen, ohne die Sicht zu behindern, zu positionieren, dass der so veränderte Mensch vom Betrachter nicht mehr beurteilbar ist. Auf diese Weise ist der Überraschungseffekt gelungen und das mit erstaunlich geringen Mitteln.“

pdf-Datei WO96/39058 („Inflatable mask“) sieht einen „Bedarf an einer Maske, die verziert und dekorativ ist, ein auffälliges, dreidimensionales Aussehen hat, aber dennoch preiswert und bequem zu verwenden ist.“ Diese Maske wirkt aus derzeitiger Sicht besonders gruselig, erinnert sie doch entfernt an einen überdimensionalen Corona-Virus.

Horror ohne Halloween

KR102020059421A

KR102020059421A

Aber es gibt auch gruselige Patente, die gar nichts mit Halloween zu tun haben. Meistens handelt es sich dabei um Spiele. Zum Beispiel pdf-Datei KR1020200059421A, ein „Horrorspielsystem“ mit dem Ziel, „eine Verbindung zur virtuellen Realität herzustellen und den Spielern ein Horrorerlebnis zu vermitteln.“ Zu dem Spiel gehört eine „Sitzeinheit“ für den Nutzer, die einem elektrischen Stuhl nachgebildet ist.

Ein weiteres finsteres Spiel wird in pdf-Datei JP6074157B2 („Game system“) skizziert: „Erzeugen oder Modifizieren von Spielinhalten vor oder während der Ausführung des Spielprogramms, z.B. speziell für die Spielentwicklung angepasste Werkzeuge oder spielintegrierter Level-Editor automatisch durch Spielgeräte oder Server aus Daten der realen Welt, z.B. Messung im Live-Rennwettbewerb“. Den Abbildungen in der Patentschrift zufolge geht es dabei gar grausig zu.

Geistvolle Patente

US9141257

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Ähnlich pdf-Datei US9141257 (2,11 MB) von 2015 mit dem harmlosen Titel „Selecting and conveying supplemental conent“. Ein innovatives Konzept:

„In einer einzigen Ausführungsform können Enhancement-Sounds oder -Lieder bereitgestellt und übertragen werden, um ein Hörbuch oder elektronisches Buch zu verbessern“; es sieht „Erweiterungsinhalte wie Töne, Lieder, Videoclips, Animationen, Bilder, Multimedia-Inhalte und Ähnliches“ vor. Schon in der Patentschrift springen einen die Geister an…

pdf-Datei US2007/0243916A1 zielt eindeutig auf möglichst realistischen Grusel ab: „Objective oriented reality horror survival game“… noch Fragen?


Der große Tag des Kürbis

JP6074157B2

JP6074157B2

Man sieht: Der (re-)importierte Brauch Halloween inspiriert nicht nur Kinder und Geschäftemacher, sondern auch die Erfinder.

Zu den Profiteuren gehören übrigens auch die Landwirte: Kürbisbauern haben ihre Anbaufläche in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet (2008: 1640 Hektar, 2018: 4150 Hektar). Der Kürbisertrag hat sich im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt: Gut 78.100 Tonnen Speisekürbisse wurden 2018 in Deutschland geerntet. Viele davon zieren dann als ausgehöhlte, kerzenbeleuchtete „Jack O‘ Lantern“ Fenster und Türen in den finsteren Herbstnächten.

Fröhliches Gruseln allerseits!

Bilder: DPMAregister, JB Potthast/DPMA

Stand: 10.11.2020 

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