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Deutscher Zukunftspreis 2018: Auszeichnung für mutige Spitzenforscherin

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit den Gewinnern und Nominierten des Deutschen Zukunftsprei

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit den Gewinnern und Nominierten des Deutschen Zukunftspreises 2018

DPMA-Präsidentin gratuliert Virologin Helga Rübsamen-Schaeff zum Deutschen Zukunftspreis

Der Patient an der US-Universitätsklinik in Michigan war schwer krank. Eine Lunge war ihm transplantiert worden und ein gefährliches Virus hatte in der Folge Darm und Augen befallen. Der 45-Jährige drohte zu erblinden, gängige Medikamente halfen nicht. Mit einer Sondergenehmigung der US-Behörden durften die Ärzte schließlich ein neues, noch nicht auf dem Markt befindliches Medikament aus Deutschland verwenden. Und siehe da: Der Patient, dem sonst wohl kaum noch zu helfen gewesen wäre, erholte sich, konnte schon bald aufstehen. Einige Zeit später fuhr er wieder mit seiner Familie in den Urlaub.

Das Medikament, von dem die Rede ist, heißt Prevymis. Entwickelt haben es die Biochemikerin Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff und der Biologe Dr. Holger Zimmermann in ihrer Wuppertaler Firma AiCuris. Am Mittwoch (28. November) wurden sie dafür von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem 22. Deutschen Zukunftspreis 2018 ausgezeichnet. Die Geschichte aus Michigan erzählte Helga Rübsamen-Schaeff bei der Preisverleihung in der Station Berlin.

„Ich freue mich für Helga Rübsamen-Schaeff und Holger Zimmermann und gratuliere ihnen zu dieser herausgehobenen Auszeichnung“, sagte die Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA), Cornelia Rudloff-Schäffer. „Neben ihrer Leistung als Spitzenforscherin bewundere ich Frau Rübsamen-Schaeff auch für ihren Mut, die Weiterentwicklung und Vermarktung ihrer Erfindung als Unternehmerin selbst in die Hand zu nehmen.“ Insgesamt zeige der Zukunftspreis abermals deutsche Spitzentechnologie in ihrer ganzen Bandbreite.

Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff und Dr. Holger Zimmermann, die Gewinner des Deutschen Zukunftspreis

Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff und Dr. Holger Zimmermann, die Gewinner des Deutschen Zukunftspreises 2018, mit dem Bundespräsidenten

Die Forscherin wuchs in Düsseldorf auf und studierte Chemie in Münster. Sie spezialisierte sich auf Virologie und forschte an verschiedenen Standorten in Deutschland und den Vereinigten Staaten, darunter in Harvard. 1988 wurde sie Professorin für Biochemie und Virologie an der Universität Frankfurt. Später arbeitete sie als leitende Forscherin beim Pharmakonzern Bayer. 2006 wollte das Unternehmen seine Infektionsforschung einstellen. Rübsamen-Schaeff beschloss, eine eigene Firma zu gründen, um das Medikament zu entwickeln. Und sie fand Investoren, um die jahrelange aufwändige Entwicklung fortzusetzen. Tausende schwer kranke Menschen dürften davon in Zukunft profitieren.

Denn jeder zweite Mensch trägt ein gefährliches Virus in sich, das Humane Cytomegalie-Virus (CMV). Da das Immunsystem den Erreger normalerweise problemlos in Schach hält, merken die Betroffenen davon in der Regel nichts. Das Problem: In bestimmten Fällen funktioniert das menschliche Immunsystem nicht mehr. Bei Knochenmarkstransplantationen etwa hat der Körper zunächst keine eigenen Abwehrkräfte mehr, das transplantierte Mark muss diese erst wieder aufbauen. Bei Transplantationen von Herz, Leber oder Niere wird das Immunsystem vorübergehend künstlich ausgeschaltet, weil der Körper das neue Organ sonst abstoßen würde. Auf einmal wird das Virus in solchen Fällen zur tödlichen Gefahr.

Im Gegensatz zu bisherigen Präparaten verhindert das neue Medikament die Ausbreitung des Virus’, ohne aber die eigenen Körperzellen zu schädigen. Neben der Organtransplantation sieht Rübsamen-Schaeff weitere Anwendungsmöglichkeiten in der Therapie von AIDS-Patienten oder bei Neugeborenen, die von ihren Müttern infiziert werden.

Neben den Forschern von AiCuris waren zwei weitere Teams für den Zukunftspreis nominiert: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Bayer und Dr.-Ing. E. h. Manfred Wittenstein haben in der Wittenstein SE in Igersheim mit ihrem „Galaxie“-Getriebe eine neue Antriebstechnologie entwickelt. Das Getriebe folgt einem völlig neuen Prinzip und hat ein mehrfach höheres maximales Drehmoment als herkömmliche Entwicklungen. Das dritte Team mit den drei Erlangener Forschern Prof. Dr. Peter Wasserscheid, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Arlt und Dr.-Ing. Daniel Teichmann hat ein neues Konzept entwickelt, um aus erneuerbaren Energien gewonnenen Wasserstoff sicher zu speichern und bei Bedarf wieder zu entnehmen. Der Stoff wird kostengünstig an eine organische, ungiftige Trägersubstanz gebunden, sodass er in flüssiger Form mit der bestehenden Infrastruktur für Treibstoffe transportiert und gehandelt werden kann. Alle drei Teams haben auch mehrere Entwicklungen beim DPMA angemeldet.

Die für den Preis nominierten Forscher und Entwickler seien in ihren Bereichen weltweit führend, lobte Bundespräsident Steinmeier. Er schaue „mit Respekt und Bewunderung“ auf diese Leistungen. Der Zukunftspreis diene der Würdigung der nominierten Projekte. Er solle aber auch jungen Forscherinnen und Forschern zeigen, dass es sich lohne „mit Leidenschaft und Kreativität manchmal Jahre oder gar Jahrzehnte an einem Projekt zu arbeiten“.

Bilder: Deutscher Zukunftspreis

Stand: 29.11.2018 

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