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Ausgefallenes Münchner Oktoberfest

Zeichnung aus Patentschrift

DE102010030284B4

Bierernst betrachtet: Gerstensaft und Schutzrechte

Eigentlich würden jetzt in München wieder Millionen Besucher Millionen Liter Bier in sich hineinschütten. Aber weil in diesem Jahr alles anders ist, fällt das Oktoberfest aus. Kein „O´zapft is!“, keine Bierzelte, keine Hendl, nix. Damit aber auch im Pandemie-Jahr nicht völlig in Vergessenheit gerät, dass eigentlich gerade Wiesn-Zeit und somit Bier-Hochsaison wäre, werfen wir hier wieder einen Blick auf die Schutzrechte rund um ein uraltes Kulturgut, das ständig weiterentwickelt wird.

Max Liebermann, "Münchner Biergarten" (1883)

Die Tische stehen derzeit weiter auseinander, aber sonst hat sich wenig geändert: Max Liebermann, "Münchner Biergarten" (1883)

Teilnehmen dürfen am Oktoberfest nur die Brauereien aus München. Obwohl Brauereien im allgemeinen sehr viel Wert auf ihre Traditionen legen, steckt heute modernste Technik hinter einem der ältesten Getränke der Menschheit. Das älteste Braurezept ist rund 5000 Jahre alt, aber der Herstellungsprozess wird technisch ständig optimiert. Das zeigt nicht zuletzt die Zahl von Patentanmeldungen rund um den Brauprozess, die beim DPMA eingehen. Zu den neueren Anmeldungen gehört beispielsweise pdf-Datei DE102018130010A1,die eine Erhöhung der Auslaugwirkung der Maische erzielen will (auch pdf-Datei WO002020109142A1 (1,17 MB)).

pdf-Datei DE102019118935A1 schlägt ein Brauverfahren für ein untergäriges, helles Vollbier vor, das einen "wesentlich höheren Gehalt an Mineralstoffen" bewirken soll. Holzpartikel als Brauzusatz schlägt pdf-Datei DE102018124768B3 vor, um die Geschmacksnoten eines im Holzfass gelagerten Bieres zu erreichen.

Eine neue "Vorrichtung zur effizienten Kühlung in Brauereien" beschreibt pdf-Datei WO002019048662A1 (1,56 MB); ein „Verfahren und Vorrichtung zur Anschwemmfiltration eines Unfiltrats“ pdf-Datei DE102017100640A1).

Denn obwohl bereits die alten Sumerer und Ägypter Bier brauten, obwohl schon die Kelten verschiedene Sorten kannten und obwohl das Bayerische Reinheitsgebot bereits 500 Jahre alt ist – immer noch wird fleißig daran gearbeitet, die Bierherstellung zu verbessern.

Neue Erfindungen rund um das Brauen

Trachtenumzug in München

Als die (Bier-)Welt noch in Ordnung war: Trachtenumzug zum Oktoberfest 2018 in München

Ein Beispiel ist das „Verfahren zur zeitoptimierten Reifung von Bier, das für den Export nach Übersee bestimmt ist“ ( pdf-Datei DE102016006270A1): mit Hilfe spezielle Transportcontainer reift das Bier an Bord des Transportschiffes. Die Brauerei kann ihr Jungbier so schneller auf den Weg bringen, ohne die Reifezeit in der Brauerei aus Kostengründen künstlich verkürzen oder das Bier aufwendig konservieren zu müssen, um es für die lange Reise nach Übersee vorzubereiten.

Das Auge trinkt mit: Vielen Bierkennern ist eine schöne Schaumkrone wichtig. Daher schlägt pdf-Datei DE102010030284B4 ein neues „Verfahren und Anordnung zur Stabilisierung des Schaumbildes von Bier“ vor.
Ein wichtiger Trend der letzten Jahre ging zum alkoholfreien oder -armen Bier, an dessen geschmacklicher Optimierung weiterhin getüftelt wird, beispielsweise mit dem „Verfahren zur Reduzierung des Alkoholgehalts“ ( pdf-Datei EP2921550B1).

Bierdurst in Deutschland nimmt ab, Export zu

Zeichnung aus Schutzrechtsdokument

"Vorrichtung zum Brauen", DE102018130010A1

2019 haben die deutschen Brauereien rund 9,2 Milliarden Liter Bier abgesetzt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, sank damit der Bierabsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,9 % beziehungsweise 177,9 Millionen Liter. Der Trend ist seit Jahren rückläufig: Seit 1993 hat sich der Bierabsatz insgesamt um 2 Milliarden Liter oder 17,8 % verringert. Der Absatz im Inland ist in diesem Zeitraum gar um 27,6 % abgenommen.

Dafür hat sich aber der Export mehr als verdoppelt hat (+132,0 %). Besonders die Bayern exportieren viel von ihrem "flüssigen Brot": 23,3 Prozent der bayerischen Bierproduktion gehen ins Ausland (aus dem Rest der Republik nur gut 17 Prozent). Wichtigstes Abnehmerland ist übrigens Italien.

„Bayerisches Bier“ (312012000102.4) ist übrigens ebenso wie das "Münchener Bier" (302009000100.5) beim DPMA als geografische Herkunftsangabe geschützt und kann daher ähnlich wie Parma-Schinken oder Champagner als regionale Spezialität vermarktet werden.

Wer verträgt am meisten?

Logo der erloschenen Biermmarke "Münchner Schlossbräu"

Erloschene Biermarke "Münchner Schlossbräu" (DE 457803)

2019 tranken die Deutschen im Schnitt 91,8 Liter Bier pro Kopf und Jahr (insgesamt 76 284 Hektoliter). Damit liegen sie immer noch ganz weit vorne im internationalen Vergleich. Spitzenreiter sind seit Jahren aber die Tschechen: Mit durchschnittlichen 143 Litern Bier lagen sie 2017 weltweit einsam an der Spitze.

An der Spitze liegt Deutschland - und besonders Bayern - aber in Punkto Vielfalt: Es soll rund 6000 verschiedene deutsche Biersorten geben – Tendenz stark steigend. Das bedeutet, man könnte 16 Jahre lang jeden Tag ein anderes deutsches Bier probieren. Sucht man in DPMAregister nach allen Marken aus dem Bereich „Bier“, erhält man über 60.000 Treffer! Viele Biermarken sind erloschen (etwa das „Münchner Schlossbräu“), aber es kommen auch ständig neue hinzu. Ein Beispiel ist EM 018064803.

Über 1500 Brauereien in Deutschland!

Logo der erloschenen Biermarke "Reichelbräu Kulmbach"

Erloschene Biermarke "Reichelbräu Kulmbach" (Reg.-Nr. DD602666)

2019 gab es in Deutschland 1 548 Brauereien. Rund 40 Prozent davon, nämlich 647, waren laut Bayerischem Brauerbund in Bayern ansässig. Wie viele davon nach der Pandemie noch übrig bleiben werden, weiß niemand.

Neben dem Internationalen Tag des Bieres, der seit 2008 jeden ersten Freitag im August weltweit gefeiert wird, gibt es auch einen Tag des deutschen Bieres. Er wird am 23. April begossen, um an den Erlass der bayerischen Landesordnung von 1516 zu erinnern, die festlegte, dass nur Hopfen, Gerste und Wasser ins Bier gehören – die Geburt des Reinheitsgebots. Prost!

Bilder: DEPATISnet, DPMAregister, Max Liebermann / Public domain via Wikimedia commons, www.bayern.de

Stand: 12.10.2020 

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