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Margarita Salas Falgueras - der DNA auf der Spur

Frau hinter Abbildung von Genanalyse

Mit Europäischem Erfinderpreis 2019 ausgezeichnet

Ihre Erfindung wird in der Onkologie, an archäologischen Fundstätten und bei der Aufklärung von Kriminalfällen auf der ganzen Welt eingesetzt: Die spanische Wissenschaftlerin Margarita Salas erfand einen schnellen, einfachen und zuverlässigen Weg, Spuren von DNA zu replizieren, die groß genug für eine vollständige Genanalyse sind. Dafür erhielt sie jetzt den Europäischen Erfinderpreis 2019 in den Kategorien "Lebenswerk" und "Publikumspreis". In ihrer 50-jährigen Karriere hat sich Salas für Frauen in der Wissenschaft, für Investitionen in die Grundlagenforschung und den Aufbau der Molekulargenetik in Spanien eingesetzt.

Die Frau, die DNA-Tests revolutionierte

Porträtfoto

Margarita Salas Falgueras

Margarita Salas gelang eine Pioniererfindung, die DNA-Analysen schnell und zuverlässig machte und ihre Nutzung in einer Vielzahl von Anwendungen ermöglichte. Nach ihrer Promotion in Biochemie 1963 an der Universität Complutense in Madrid arbeitete Salas drei Jahre lang mit dem Nobelpreisträger Severo Ochoa an der New York University zusammen. Danach kehrte sie in ihre spanische Heimat zurück und gründete 1967 die erste Forschungsgruppe des Landes für Molekulargenetik am Obersten Rat für wissenschaftliche Forschung (CSIC) in Madrid. Dort entdeckte sie, dass ein Bakterienvirus namens φ29 ein Enzym, die sogenannte φ29-DNA-Polymerase, erzeugen kann. Das Enzym kann DNA-Moleküle viel schneller und genauer zusammensetzen, als andere Alternativen - mit weniger als einem Fehler in einer Million Basenpaare.

Salas isolierte das Enzym erfolgreich und zeigte, dass es auch bei menschlichen Zellen funktioniert, was zu bahnbrechenden Anwendungen für DNA-Tests führte. Diese hochgenaue Replikation ermöglichte es erstmals, zuverlässige Ergebnisse aus kleinen Mengen genetischen Materials zu erhalten. Die Technik wird heute in der medizinischen Forschung eingesetzt, um Mikroben zu untersuchen, die nicht im Labor kultiviert werden können. Sie ermöglicht es Onkologen, kleine Teilpopulationen von Zellen, die Tumore auslösen könnten, zu vergrößern. Es unterstützt auch Forensiker und Archäologen, weil DNA-Spuren, die an Tatorten und historischen Stätten gesammelt wurden, nun durch φ29-DNA-Polymerase vermehrt werden können, um Opfer, Verdächtige und sogar Fossilien zu identifizieren.

Patente für weitere Fortschritte in der Genetik genutzt

Die von Salas eingereichten Patentanmeldungen haben die Kommerzialisierung anwenderfreundlicher Kits zur DNA-Vervielfältigung ermöglicht. Sie und ihr Team beim CSIC reichten 1989 in den USA den Erstantrag auf Patentschutz für die φ29-DNA-Polymerase und ihre Anwendungen ein. Das Patent wurde 1991 erteilt, das europäische Patent folgte 1997. Weitere Patente folgten im Laufe der Jahre. Das Patent für das Verfahren zur Nutzung der φ29-DNA-Polymerase blieb jedoch das profitabelste, das je von der CSIC eingereicht wurde: Es machte mehr als die Hälfte der Lizenzeinnahmen der Organisation zwischen 2003 und 2009 aus, erlaubte Investitionen in Millionenhöhe für öffentlich finanzierte Forschung und ermöglichte Salas und ihrem Team weitere Fortschritte in der Genetik.

Ein Leben für die Forschung

Gruppenbild

Margarita Salas mit Kolleginnen

Die spanische Wissenschaftlerin hat ihre öffentliche Bekanntheit konsequent dafür genutzt, die Grundlagenforschung zu fördern und Frauen zur Teilhabe an der Wissenschaft zu ermutigen. "Als ich 1961 mit meiner Doktorarbeit begann, gab es in Spanien fast keine forschenden Frauen", sagt sie. "Heutzutage beginnen jedoch mehr Frauen als Männer mit ihrer Promotion in unseren Labors."

Heute, im Alter von 80 Jahren, geht Margarita Salas weiterhin jeden Tag in ihr Labor und arbeitet daran, die Fähigkeiten der φ29-DNA-Polymerase weiter auszubauen. "Für mich ist Forschung wirklich eine Leidenschaft; ohne sie könnte ich mir kein Leben vorstellen", sagt sie. "Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre lang forschen kann."

Mehr zum Europäischen Erfinderpreis

Der Europäische Erfinderpreis wird jedes Jahr vom Europäischen Patentamt (EPA) vergeben. Die Preisverleihung fand in diesem Jahr am 20. Juni im Rahmen einer Galaveranstaltung in Wien statt. Weitere Informationen und Videos zu Margarita Salas und allen Nominierten und Preisträgern finden Sie auf den Internetseiten des Europäischen Patentamts.

Bilder: EPO

Stand: 08.11.2019 

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