Das DPMA

Inhalt

95. Todestag

Wilhelm Conrad Röntgen: Der Strahlenmann

Er machte eine der berühmtesten Entdeckungen der Wissenschaftsgeschichte: Wilhelm Conrad Röntgen, der vor 95 Jahren starb. Seine „X-Strahlen“ revolutionierten nicht nur die medizinische Diagnostik, sondern gaben den Impuls für weitere Forschungen, die das Atom-Zeitalter einläuteten.

Als Röntgen am 10. Februar 1923 in München starb, war er ein weltberühmter Mann. Und das hatte vor allem mit jenem späten Freitagabend im November 1895 zu tun, an dem Röntgen in seinem Würzburger Labor (heute ein Museum) eine merkwürdige Beobachtung machte. Wie das genau vor sich ging, ist nicht überliefert; es befanden sich – wie Röntgen später sagte – „keine dienstbaren Geister mehr im Haus“. Er experimentierte mit Elektronenstrahlen in einem luftleeren Glasbehälter, einer Hittorfsche Röhre (erfunden vom Physiker Johann Wilhelm Hittorf). Mit einem Fluoreszenzschirm beobachtete er die Elektronenströme innerhalb der Röhre – und dann scheinbar auch außerhalb. Röntgen bemerkte nämlich, dass der Schirm auch in größerer Entfernung von der Röhre immer noch aufleuchtete, obwohl Elektronenstrahlen in der Luft nur wenige Zentimeter weit reichen.

Anna Röntgens Hand, aufgenommen von ihrem Mann am 22. Dezember 1895

Anna Röntgens Hand, aufgenommen von ihrem Mann am 22. Dezember 1895

Im Gegensatz zu anderen Forschern wie Crookes, Hertz und Lenard, die diesen Effekt möglicherweise bereits vor ihm erzeugt hatten, zog Röntgen die richtigen Schlüsse daraus: Es musste sich um „eine neue Art von Strahlen “ handeln. So nannte er seine Publikation, in der er am 28. Dezember 1895 seine Entdeckung beschrieb, die er „X-Strahlen“ nannte.
Ihre spektakulärste Fähigkeit mag er vielleicht zufällig entdeckt haben, indem er seine Hand zwischen Röhre und Schirm hielt und dabei plötzlich seine eigenen Knochen sehen konnte. Weil er außerdem entdeckte, dass die X-Strahlen Fotoplatten schwärzen, konnte er ihre Existenz mit einem bahnbrechenden Bild beweisen: einer Aufnahme der Handknochen seiner (noch höchst lebendigen) Frau Anna.

Ein Bild geht um die Welt

Dieses erste Röntgen-Bild sorgte dafür, dass die Nachricht von seiner Entdeckung in Windeseile um die Welt ging. Nie zuvor hatte sich eine wissenschaftliche Erkenntnis derart schnell verbreitet und für solches Aufsehen gesorgt. Röntgen wurde weltberühmt, mit Auszeichnungen überhäuft und Preisträger des ersten Nobelpreises für Physik 1901.

Dieser Weg war ihm nicht in die Wiege gelegt: Röntgen, der am 27. März 1845 in Remscheid-Lennep geboren wurde, flog in Utrecht ohne Abschluss von der Schule. Die Eidgenössische Polytechnische Schule in Zürich nahm ihn trotzdem auf, weil dort allein die Aufnahmeprüfung zählte. Er studierte Maschinenbau und promovierte mit einer Studie über Gase. Nach Stationen in Würzburg, Straßburg, Hohenheim und Gießen übernahm er als Nachfolger seines früheren Mentors August Kundt dessen Professur für Physik in Würzburg.

Röntgen galt als introvertierter, zurückhaltender Mensch und als Idealist, denn er verzichtete darauf, sich ein Patent auf die Erzeugung der X-Strahlen zu sichern, damit ihre Nutzung zum Wohle der Forschung und der Menschheit frei blieb (finanziell konnte er sich das leisten, war er doch durch Erbschaft zum Millionär geworden). In den folgenden Jahren gelangen dann Forschern wie Henri Bequerel und den Curies bahnbrechende Erkenntnisse in der Strahlungsforschung; Leopold Freund und Georges Chicotot wurden Pioniere der medizinischen Radiologie und Strahlentherapie.

Von Neidern angegriffen

Foto von Wilhelm Conrad Röntgen

Wilhelm Conrad Röntgen, ca. 1900

Dass Röntgen seinen Apparat nicht patentieren lassen wollte, mag edelmütig gewesen sein, aber ein Patent hätte ihm möglicherweise geholfen, Philipp Lenards Vorwurf des geistigen Diebstahls abzuwehren. Lenard behauptete immer wieder (vor allem nach dessen Tod), Röntgen habe seine Entdeckung entweder gänzlich von ihm gestohlen oder zumindest seine angeblich entscheidende Vorarbeit verschwiegen. Beide Anschuldigungen waren haltlos. Der missgünstige Lenard, der für seine Kathodenstrahlungsforschung 1905 ebenfalls den Nobelpreis erhalten hatte, war ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit und diskreditierte sich später auch fachlich als Hitlers Hofphysiker und Wortführer der „Deutschen Physik“, die aus ideologischer Verblendung heraus wesentliche Erkenntnisse der modernen Wissenschaft (insbesondere die Einsteins) verleugnete und negierte.

Röntgen musste das nicht mehr erleben. 1900 wechselte er als Vorstand des Physikalischen Instituts an die Ludwig-Maximilians-Universität München. Er forschte u.a. zur Thermo- und Elektrodynamik und zur Kristallphysik. Angebote aus der Wirtschaft zur Vermarktung der X-Strahlen lehnte er ebenso ab wie das angetragene Adelsprädikat. Sein Nobel-Preisgeld stiftete er der Würzburger Universität.

Kontinuierliche Weiterentwicklung bis heute

 Titelblatt von "Über eine neue Art von Strahlen", 1895

"Über eine neue Art von Strahlen", Titelblatt, 1895

Die Strahlen tragen im deutschsprachigen sowie im mittel- und osteuropäischen Raum seinen Namen, während sie anderswo „X-Strahlen“ heißen, wie Röntgen selbst sie genannt hatte. Der Einsatz der Strahlen wird bis heute immer weiter perfektioniert. So war der Röntgencomputertomograph (CT) von Godfrey Hounsfield ein wichtiger Meilenstein, der ebenfalls mit dem Nobelpreis (1979) ausgezeichnet wurde und immer weiter optimiert wird, was an pdf-Datei aktuellen Patenten ablesbar ist. Auch das Röntgenmikroskop wird bis heute immer weiterentwickelt, wie neue Patente ( pdf-Datei 2013, pdf-Datei 2017 (3,1 MB) ) zeigen.

Bilder: Deutsches Röntgenmuseum, via Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons

Stand: 18.05.2018 

Position

Sie befinden sich hier: