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Vor 200 Jahren

Patent für Drais‘ Ur-Fahrrad

Vor 200 Jahren begann der Siegeszug des Fahrrads: Am 12. Januar 1818 erhielt Karl Freiherr von Drais für seine Laufmaschine vom badischen Fürsten ein zehnjähriges Großherzogliches Privileg, was heute einem Patent gleichkäme. Drais‘ Laufmaschine, dem Erfinder zu Ehren auch Draisine genannt, war das erste lenkbare, durch Muskelkraft betriebene Zweirad und somit der direkte Vorläufer unseres heutigen Fahrrads.

Ein halbes Jahr zuvor, am 12. Juni 1817, hatte der badische Forstmeister Drais seine Erfindung der Öffentlichkeit vorgestellt. Er fuhr mit seinem Laufrad die fast 15 Kilometer lange Strecke von Mannheim nach Schwetzingen und zurück in nur einer Stunde. Das war schneller als die Postkutsche und somit eine Sensation. Eine erhaltene Draisine kann heute in unmittelbarer Nachbarschaft zum DPMA im Deutschen Museum in München besichtigt werden.

Gewerblicher Rechtsschutz damals schwer durchsetzbar

Zeichnung der Draisine

Konstruktionszeichnung der "Draisine"

Dank des Großherzoglichen Privilegs musste jede Draisine in Baden eine Drais-Lizenzmarke auf der Lenkstange haben. Außerdem erhielt Drais noch ein „Brevet“ in Frankreich. Aber trotz des „Privilegs“ musste Drais erleben, wie seine Erfindung unerlaubt nachgebaut und verkauft wurde. Andere meldeten seine Erfindung etwa in den USA oder Großbritannien für sich selbst zum Patent an. Der gewerbliche Rechtsschutz steckte damals eben noch in den Kinderschuhen und endete meist an den Landesgrenzen.

Mit etwa 50 Pfund Gewicht war die Draisine aus Eschenholz nicht viel schwerer als moderne Stahlrahmenräder. Sie besaß bereits Klappständer, einen Gepäckträger und eine Bremse. Vor allem letztere fehlte mitunter bei den Plagiaten, was zu Unfällen oder Verboten und zu einer Rufschädigung der Erfindung führte.

Drais war möglicherweise durch das „Jahr ohne Sommer“ 1816 inspiriert worden, ein Fortbewegungsmittel ohne Pferde zu erfinden: Infolge des Ausbruchs des Vulkans Tambora in Südostasien im Jahr zuvor kam es auf der Nordhalbkugel zu einer vorübergehenden Klimaverschlechterung mit Regen und Kälte; Missernten und Mangel an Hafer folgten, was auch die Ernährung der Zugtiere erschwerte. Auf der 2017 geprägten 20-Euro-Jubiläums-Sondermünze zu Drais‘ Ehren ist daher ein Vulkan im Hintergrund zu sehen. Dieser Zusammenhang ist allerdings nicht erwiesen, denn bereits 1813 hatte Drais erfolglos ein Patent auf einen kurbelbetriebenen „Wagen ohne Pferde“ beantragt.

Das häufigste Fahrzeug der Welt

Die 20-Euro-Sondermünze zum 200. Jubiläum der Draisine

Die 20-Euro-Sondermünze zum 200. Jubiläum der Draisine

Drais, der 1818 zum Professor für Mechanik ernannt wurde, war ein innovativer Mathematiker und vielseitiger Erfinder: Er entwickelte unter anderem eine Notenschriftmaschine, die beim Klavierspielen die Noten aufschrieb, eine Schnellschreibmaschine, einen Holzsparherd und eine Kochmaschine. Dennoch galt Drais gegen Ende seines Lebens eher als gescheiterter „verrückter Erfinder“ denn als technischer Innovator. Erst sehr lange nach seinem Tod setzte die Würdigung seiner Pionierleistungen ein.

In den folgenden Jahrzehnten nach Drais´ Patent sorgten einige entscheidende technische Weiterentwicklungen wie der Tretkurbelantrieb für das Hinterrad, der luftgefüllte Reifen oder die Niederrad-Rahmenbauweise dafür, dass das Fahrrad seine bis heute gültige Form erhielt.

Heute ist es mit Milliarden von Exemplaren weltweit das mit Abstand häufigste Fahrzeug: Allein in Deutschland gibt es etwa 72 Millionen "Drahtesel". Laufräder sind trotzdem bis heute sehr populär – bei kleinen Kindern.

In der DPMA-Patentdatenbank DEPATISnet können Sie sämtliche deutsche Patentschriften und auch die Dokumente der wichtigsten Patentämter und Organisationen weltweit rund um das Thema "Fahrrad" recherchieren. Allein im IPC-Bereich B62M1 "Antrieb von Radfahrzeugen durch den Fahrer" finden sich über 12 000 Patentschriften.

Bild 1: Technoseum Mannheim, Bild: 2 BADV / Hans-Jürgen Fuchs

Stand: 12.01.2018 

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