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Sektion C: Chemie; Hüttenwesen

Sicherheitsglas

C03C 27/12

Der Einsatz von Glas im Auto unterliegt einer Vielzahl von Sicherheitsbestimmungen, um beispielsweise bei einem Unfall das Verletzungsrisiko der Insassen zu minimieren. So genanntes Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) wird vor allem für Seiten- und Heckscheiben in Fahrzeugen eingesetzt, wogegen für die Frontscheibe Verbund-Sicherheitsglas (VSG) vorgeschrieben ist.

Einscheiben-Sicherheitsglas besteht aus thermisch vorgespanntem Glas, das zumeist in einem "Floatprozess" genannten Herstellungsverfahren zunächst als "Floatglas" gewonnen wird. Vereinfachend dargestellt wird hierbei kontinuierlich flüssige Glasschmelze von einer Seite auf eine schmale, aber bis zu 1 Kilometer lange Wanne mit flüssigem Zinn aufgeleitet. Aufgrund des geringeren spezifischen Gewichts schwimmt das Glas wie ein Film auf dem Zinn, erkaltet langsam auf der langen Strecke bis zum anderen Ende der Wanne und wird dort herausgezogen. Wird das Glas in einem "Vorspannprozess" zunächst noch einmal aufgeheizt und nachfolgend mittels kalter Luft abgeschreckt, erkaltet die Oberfläche des Glaskörpers schneller als sein Innenbereich. Die dadurch auftretende Druckspannung an der Oberfläche und die Zugspannung im Inneren stehen bei qualitativ einwandfreiem Glas im Gleichgewicht. Wird dieses Gleichgewicht gestört, zerfällt das Glas schlagartig.

Die Figur zeigt die Seitenscheibe eines Autos mit unterschiedlicher Dicke an den Rändern und im Zentrum der Verbundglasscheibe. Bild vergrößert anzeigenFigur 1: Verbund-Sicherheitsglas-Seitenscheibe aus DE 40 27 035 C2.

Verbund-Sicherheitsglas setzt sich aus mindestens zwei Glasscheiben und einer meist aus transparenter, farbloser Polyvinylbutyral-Folie (PVB-Folie) bestehenden Zwischenschicht zusammen. Für Frontscheiben in einem Kraftfahrzeug werden meist zwei Floatglasscheiben unter hohem Druck und hoher Temperatur mit der PVB-Folie zu einer Verbundscheibe verschmolzen. Die Folie sorgt dafür, dass bei einer Überlastung der Verbundscheibe keine Bruchstücke aus der Scheibe ausbrechen können, sondern an der Folie haften bleiben.

Es ist jedoch auch wichtig, die Scheiben im Auto an die besonderen geometrischen Vorgaben der Karosserie und die Belastungsmuster beim Betrieb anzupassen. Ein Beispiel hierfür zeigt die DE 40 27 035 C2 (Figur 1). In diesem Patent wird eine Verbundglas-Seitenscheibe vorgestellt, die über die Fläche ? wie auch von anderen Verbundglasscheiben bekannt - unterschiedliche Vorspannungswerte für den Rand- und den Binnenbereich der Scheibe aufweist. Diese Werte werden hier durch die spezielle Zusammensetzung des Verbundglases jedoch modifiziert, um die Festigkeit im Mittelfeld dieser Scheibe so weit herabzusetzen, dass sie bei einer Zerstörung von außen am Rand leicht in kleine und im Zentralbereich in vergleichsweise große Bruchstücke zerfällt. Dieses Bruchmuster fördert z.B. eine schnelle Freilegung des zersprungenen Fensters. Die verminderte Festigkeit im Zentralbereich der Scheibe hilft darüber hinaus bei der effektiven Absorption von Stoßenergie durch die plastische Verformung der Zwischenschicht.

Die Figur zeigt den mehrlagigen Aufbau einer Schutzscheibe, die jeweils abwechselnd Spezialglas und Klebefolienschichten aufweist.Bild vergrößert anzeigenFigur 2: "Panzerglasscheibe" aus DE 100 48 566 B4.

Auf die möglichst gute Absorption von Stoßenergie zielt auch die Entwicklung von Verbundglasscheiben, die umgangssprachlich prägnant als "Panzerglas" bezeichnet werden. Beim Einsatz dieser Scheiben im Auto ist es jedoch wesentlich, dass sie sich im Ernstfall nicht aus dem für sie vorgesehenen Ort entfernen lassen, sondern ihre Integrität dort in jedem Fall bewahren. Zu diesem Zweck werden nicht nur zwei Glasscheiben wie etwa beim Verbund-Sicherheitsglas kombiniert, sondern ein ganzer Stapel von Scheiben. In der Patentschrift DE 100 48 566 B4 (Figur 2) sind es fünf miteinander verbundene Scheiben, die zudem aus Kunstglas (Polycarbonat) bestehen. Kunstgläser haben den Vorteil, dass sie ein geringes Gewicht aufweisen und sich leicht verarbeiten lassen. Dadurch ist z.B. eine größere gestalterische Freiheit bei der Formgebung bei gleichzeitiger Senkung der Verarbeitungskosten möglich.

Für eine Recherche relevante IPC-Gruppen
IPCTechnischer Aspekt
C03C 27/12   Verbinden von Glas zu einem Mehrschichtenglas 
B60J 1/00   Automobilfenster 
B32B 17/06   Schichtkörper aus Glas und einem anderen Werkstoff 
C03C 27/00   Verbinden von Glas mit anderen anorganischen Stoffen 
C03C 27/10   Verbinden von Glas mit Glas durch Klebemittel 
C03B 27/00   Nachbehandeln von Glas 
C08J 5/18   Herstellen von Folien 
F41H 5/26   Panzerung bei Fenstern 

Zitierte Patentdokumente
PatentnummerJahrTitel
DE 100 48 566 B4   2000   Panzerglasscheibe und Verfahren zur Herstellung einer Panzerglasscheibe 
DE 40 27 035 C2   1990   Autoglasscheibe, insbesondere höhenverstellbare Seitenscheibe 

© 2013 Deutsches Patent- und Markenamt | 22.02.2013