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Was es sonst noch gibt ...

1. Besonderheiten rund ums Auto

Viele große und kleine Entwicklungen rund um das Auto müssen in dieser Präsentation aus den eingangs genannten Gründen leider unberücksichtigt bleiben. Trotzdem sollen hier noch ein paar außergewöhnliche Erfindungen anhand ihrer Patentschriften kurz vorgestellt werden, die für uns heute teilweise selbstverständlich geworden sind oder die mancher noch aus seiner Kindheit kennt:

1.1 Kfz - Laufband

In raupenschlepperähnlicher Form ausgebildetes Endlosband, das auf der Lauffläche mit Rollen versehen ist.Bild vergrößert anzeigenFigur 26: Teststand für Autos mit Endlosband aus US 1 064 615 A.

Eine ortsfeste Testvorrichtung für Kraftfahrzeuge wird in der Patentschrift US 1 064 615 A aus dem Jahre 1911 vorgestellt (Figur 26). Sie zeigt ein Laufband für Tauglichkeitstests am fahrenden Auto, das zusätzlich in seiner Neigung verstellbar ist. Mancher mag sich dabei an die heute üblichen Teststände des TÜV oder die Trainingslaufbänder der Fitnessstudios erinnert fühlen.

1.2 Kippermechanik

Nach hinten weggeklappte Ladefläche eines Oldtimer-Kippers, mit zugehöriger Kippmechanik..Bild vergrößert anzeigenFigur 27: Kippmechanismus aus GB 164 658 A.

Für den Transport schwerer Lasten, sind LKWs nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Die enorme Kraft, die hinter hydraulisch oder pneumatisch betriebenen Kippern für Schüttgut steht, ist nicht nur für kleine Jungs faszinierend. Wie ein einfacher und effektiver Hebel-Ablademechanismus für Kipper bereits 1921 verwirklicht wurde, zeigt z.B. die GB 164 658 A (Figur 27).

1.3 Das Tropfenauto

Ein äußerlich einer Zeppelingondel nachempfundenes stromlinienförmiges AutoBild vergrößert anzeigenFigur 28: Tropfenauto aus DE 441 618 A.

Ein heute noch aktuelles Thema ist die Windschlüpfrigkeit der Fahrzeuge, um höhere Geschwindigkeiten bei möglichst geringem Treibstoffverbrauch zu erzielen. Das so genannte "Tropfenauto" des ehemaligen Aerodynamikers der Zeppelinwerke in Friedrichshafen Paul Jaray (1889 - 1974) aus dem Jahre 1921 (DE 441 618 A, Figur 28) nimmt viele Erfahrungen aus dem Luftschiffbau auf und setzt sie direkt in den Kraftfahrzeugbau um. Sie ist ein weiteres Beispiel für den fachübergreifenden Charakter der Kraftfahrzeugtechnik, wie man ihn auch bei der Entwicklung des Sicherheitsgurts beobachten konnte.

1.4 Die Strömungsbremse

Klappenartige Strömungsbremse am Heck eines Autos, die den Steuerungsklappen einer Flugzeugtragfläche nachempfunden sind.Bild vergrößert anzeigenFigur 29: Strömungsbremse für Autos aus DE 699 978 A.

Auch alternative Bremskonzepte beschäftigen die Erfinder, seitdem es Automobile gibt. Sind heute effektive Wirbelstrombremsen oder andere Konzepte Forschungsobjekt, so waren es in den 1930er Jahren - wieder einmal aus dem Flugzeugbau entlehnt - Strömungsbremsen. Die futuristisch anmutenden Automobile der Auto-Union in Chemnitz aus DE 699 978 A sollten durch ausfahrbare und drehbare Bremsflügel im Heck zum Stehen gebracht werden (Figur 29).

1.5 Der Rotel - Bus

Wie in einem Bienenhaus aneinanergefügte Schlafkabinen in einem LKW-Anhänger, der von einem Reisebus gezogen werden kann. Bild vergrößert anzeigenFigur 30: Georg Höltls Rotel-Bus in der Anhängerausführung (DE 1 223 705 A).

Eine etwas andere Art mit dem Auto zu reisen liegt der Erfindung von Georg Höltl aus Niederbayern zugrunde. Er meldete 1959 den so genannten Rotel-Bus an, in dem die Fahrgäste in einem Omnibus oder einem Omnibus-Anhänger nachts zum Schlafen in permanent montierten Schlafkabinen untergebracht werden (DE 1 223 705 A, Figur 30).


PatentnummerJahrTitel
US 1 064 615 A   1911  Testing device for motor-vehicles 
GB 164 658 A   1920  A new or improved tipping wagon 
DE 441 618 A   1921  Kraftwagen 
DE 699 978 A   1939  Stroemungsbremse fuer Fahrzeuge, insbesondere fuer Kraftfahrzeuge 
DE 1 223 705 A   1959  Fahrzeugaufbau, insbesondere für Reise-Omnibusse oder Anhaenger solcher Omnibusse, mit Schlafkabinen 

2. Die Parkuhr

Einzelheiten einer Parkuhr mit Münzeinwurf, Parkanzeige und Aufklappmechanik.Bild vergrößert anzeigenFigur 31: Die erste Münzparkuhr nach US 2 118 318 A.

Wo sich viele Autos drängen, gibt es meist wenige Parkplätze und somit ist mit dem knappen Raum auch Geld zu verdienen. Dieser Ansicht war auch Rechtsanwalt und Zeitungsherausgeber Carl C. Magee (1873 - 1946) aus Oklahoma City, der sich die erste Parkuhr mit Münzgeldeinwurf 1935 patentieren ließ (US 2 118 318 A, Figur 31).

Dieses Beispiel machte Schule, und viele Erfinder beschäftigten sich schließlich über die Jahre mit dieser Art von legaler Geldquelle und ihrer Erschließung.

Sackkarre mit aufmontiertem Kasten und staubsaugerähnlichem Koppelschlauch zur Entleerung von Parkuhren.Bild vergrößert anzeigenFigur 32: Parkuhrentleerungsvorrichtung nach DE 1 745 832 U.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Parkuhren auch in Deutschland populär und waren lange aus dem Straßenbild der Innenstädte kaum wegzudenken. Das Kleingeld in der Parkuhr lockte in Folge auch kriminelle Elemente an, so dass diese immer robuster gefertigt werden mussten und letztlich eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen beinhalteten. Eine Möglichkeit, die Parkuhren legal ihrer Fracht zu entledigen, zeigt DE 1 745 832 U (Figur 32) der Kienzle Apparate GmbH aus dem Jahre 1957, die selbst ein Hersteller von Parkuhren war.


PatentnummerJahrTitel
US 2 118 318 A   1935  Coin controlled parking meter 
DE 1 745 832 U   1957  Anordnung zum Entleeren der Münzbehälter von Parkuhren 

3. Die Verkehrsampel

Das Verkehrsaufkommen in Ballungsgebieten war schon immer ein Grund, regelnd einzugreifen, auch vor der Entwicklung des Automobils. Wollte man auf den Einsatz von Verkehrspolizisten verzichten, blieb nur eine mechanische Alternative, denn auf die Rücksichtnahme und Voraussicht der Verkehrsteilnehmer konnte man sich schon damals nicht verlassen.

3.1 Erste mechanische Verkehrssignalanlagen

Mit Wendeschildern ausgestattete Verkehrssignalanlage.Bild vergrößert anzeigenFigur 33: Verkehrssignalanlage gemäß US 976 939 A.

Patentrechtlich in Erscheinung traten die noch kaum als "Ampeln" zu bezeichnenden Verkehrssignalanlagen allerdings erst im Jahre 1910 mit der Erfindung von Earnest E. Sirrine (US 976 939 A, Figur 33), wenngleich Vorläufer verschiedenster Art u.a. in London bereits im 19. Jahrhundert betrieben wurden.

Dieses Patent beschreibt beleuchtete, längliche Glasschilder, die an einem Pfosten im rechten Winkel versetzt angebracht werden, und die Weisungen "stop" und "proceed" anzeigen. Die Schilder sind am Pfosten drehbar gelagert und können so jeweils den Verkehrsteilnehmern zugewendet werden, für die sie aktuell gelten sollen.

3.2 Die leuchtende Rot-Grün-Ampel

Ampelanlage, die in einem Kasten untergebracht eine rote über einer grünen Signallampe zeigt.Bild vergrößert anzeigenFigur 34: Rot-Grün-Ampelanlage nach US 1 224 632 A.

Die Patentschrift US 1 224 632 A (Figur 34) aus dem Jahr 1915 zeigt zu gleichem Zweck erstmals die heute vertraute senkrechte Anordnung von in einem Kasten untergebrachten grünen (unten) und roten (oben) runden Scheiben, die von innen aus dem Kasten heraus beleuchtet werden und je nach Farbgebung den Verkehr stoppen oder fließen lassen sollen. Als weiteres Beispiel für erste Signalanlagen mögen die US 1 251 666 A und die US 1 475 024 A dienen.

3.3 Die Heuer-Ampel

In vier Rot-Grün-Sektoren unterteilte Zeigerampel.Bild vergrößert anzeigenFigur 35: Heuer-Ampel nach DE 558 962 A.

Die so genannte "Heuer-Ampel" war ein Verkehrsregler mit an den Seitenflächen umlaufenden Zeigern (z.B. DE 466 793 A, DE 558 962 A (Figur 35), DE 901 996 B), der bis in die 1960er Jahre z.B. im Ruhrgebiet mittig über Kreuzungen an diese überspannenden Drähten aufgehängt wurde. Die Zeiger wanderten wie bei einer Uhr in einer bestimmten Zeit in grüne bzw. rote Felder und teilten so den Verkehrsteilnehmern mit, ob sie warten mussten oder gehen bzw. fahren durften.

3.4 Fazit und Ampelmännchen

Letztlich setzten sich in Deutschland längliche Ampeln mit runden Leuchtfeldern durch, sowohl für den Kraftverkehr als auch als Fußgängerampeln. Die Aussage der Leuchtflächen wird in letzterem Fall zusätzlich von Piktogrammen unterstützt, die zum Gehen oder Stehenbleiben auffordern. Ergänzend sei angemerkt, dass diese "Ampelmännchen" als solche nicht patentierbar sind. Es bestehen jedoch Markenrechte auf die Ausgestaltung des grünen und roten Männchens oder Mädchens. Sie liegen im Falle der aus der ehemaligen DDR bekannten Form jedoch nicht beim Gestalter Karl Peglau, der dieses Ampelmännchen 1961 entwickelte, sondern derzeit bei den Nachfolgern des VEB-Betriebs, der es einstmals produzierte.

PatentnummerJahrTitel
US 976 939 A   1910  Street-traffic system 
US 1 251 666 A   1913  Municipal traffic control system 
US 1 224 632 A   1915  Traffic signal 
US 1 475 024 A   1922  Traffic signal 
DE 466 793 A   1928  Einrichtung zur Regelung des Verkehrs an Strassenkreuzungen durch eine Schaltuhr, welche Zeiger ueber feststehende und  
DE 558 962 A   1931  Verkehrssignaluhr 
DE 901 996 B   1949  Verkehrsregler mit umlaufenden Zeigern 

© 2013 Deutsches Patent- und Markenamt | 22.02.2013