Es liegt wohl in der Natur des Menschen, sich im kommerziellen Erfolg, der gesteigerten Aufmerksamkeit oder dem Ansehen einer bahnbrechenden Erfindung sonnen zu wollen. Wie viel Anteil eine Person, eine Gruppe oder eine Nation nun tatsächlich am "Gelingen" einer Erfindung besitzt, ist meist Nebensache. So streitet man sich auch heute noch auf den verschiedensten Ebenen, wer der wahre Erfinder des Automobils mit Verbrennungsmotor ist. Dabei ist vieles auch Definitionssache und vom Betrachtungswinkel abhängig.
Die vollständigste Untersuchung zum Thema hat wohl Olaf von Fersen in seinem Buch "Ein Jahrhundert Automobiltechnik" geliefert, und er kommt zu dem Schluss, dass Carl Benz den ersten praxistauglichen Kraftwagen konstruiert hat. Daher schlägt seiner Ansicht nach auch mit seiner dreirädrigen Motorkutsche die Geburtsstunde des modernen Automobils (DE 37 435 A, Figur 5).
Er argumentiert, dass der "Break" der Franzosen Edouard Delamare-Deboutteville (1856-1901) und Leon Malandin (1849-1912) aus dem Jahre 1884 zwar bereits wesentliche Merkmale des modernen Automobils aufweist (FR 160 267 A), da aber die Praxistauglichkeit nie mittels einer durch Zeugen bestätigten Ausfahrt nachgewiesen werden konnte, fehlt diesem hiermit ein entscheidendes Merkmal. Eine ähnliche Einschätzung gilt für die vom US-amerikanischen Rechtsanwalt George B. Selden (1846-1922) bereits 1879 angemeldete und aufgrund verschiedener patentrechtlicher Tricks erst 1895 erteilte "road engine" US 549 160 A (Figur 6), die einen vierrädrigen frontgetriebenen Wagen mit einer Verbrennungskraftmaschine als Antrieb darstellen soll. Wirklich gebaut wurde dieser Wagen allerdings erst 1904.
| Patentnummer | Jahr | Titel |
|---|---|---|
| US 549 160 A | 1879 | Road engine |
| FR 160 267 A | 1884 | Pour un moteur à gaz perfectionné et sous applications |
| DE 37 435 A | 1886 | Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb |
© 2013 Deutsches Patent- und Markenamt | 22.02.2013