
für die Entdeckung der kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung
(gemeinsam mit Robert Woodrow Wilson)
Arno Penzias ist der Prototyp eines Wissenschaftlers, der seine Forschungen nicht ausschließlich an Universitäten durchführte sondern überwiegend im Rahmen seiner Arbeit für kommerzielle Unternehmen. Geboren in München, aufgrund des jüdischen Glaubens seiner Eltern 1939 in die USA emigriert und dort akademisch ausgebildet, heuerte er 1961 bei den Bell Labs in New Jersey an. Dort entstanden auch die maßgeblichen radioastronomischen Messungen zur kosmischen Hintergrundstrahlung, für die er mit Robert Woodrow Wilson den Nobelpreis erhielt. Bemerkenswert an seinen Messergebnissen ist, dass sie zunächst als "Mülleffekte" interpretiert wurden. Erst nach Ausschluss aller Fehlerquellen setzte sich die Gewissheit durch, dass die Messwerte den Nachhall des "Big Bang", also des Beginns unseres Universums, so wie wir es heute verstehen, widerspiegeln.
Seine Patentanmeldungen geben kaum seine Tätigkeit in der Radioastronomie wieder. Vielmehr zeichnen sie das Bild eines Mannes, der sich immer mehr in den eigentlichen Aufgabenbereich seines jeweiligen Arbeitgebers einbringt, nämlich die Telekommunikation. Aber auch auf den ersten Blick etwas abseitig erscheinende Anmeldungen finden sich in seinem breit gestreuten Portfolio. Zeigen die Dokumente aus den 1970er und 1980er Jahren, als er in der Kommunikationstechniksparte der Bell Labs tätig war, noch Schwerpunkte in der Antennentechnik (
US 3 605 105 A ,
US 4 410 894 A ) und der Millimeterwellen-Technik (
US 4 023 258 A ), ändern sich diese mit der Aufsplitterung der Bell Labs durch das US-Justizministerium aufgrund von Anti-Trust-Gesetzen 1982 erheblich.[2] Arno Penzias ist nun für AT&T tätig, die aus der Western Electric hervorging und Teile der Bell Labs übernommen hatte. So arbeitet er verstärkt im Bereich der Softwareentwicklung und Hardware-Elektronik für die Telekommunikation. Diese entwicklungstechnisch sehr produktive Phase spiegelt sich beispielsweise in
US 5 805 680 A wieder, in der softwaregesteuerte Abrechnungsverfahren für Telefonnetze vorgestellt werden, oder in
EP 0 744 856 A2 , die unter anderem Peripheriegeräte, Hardware und Verfahren behandelt, die nach dem Einlesen eines Produkt-Strichcodes für einen Kunden sofort die telefonische Verbindung mit einem kommerziellen Anbieter des Produktes herstellen.

Figur 1: Fern-Kartenspiel (aus DE 694 07 377 T2 )
Auf ein nur scheinbar komplett anderes Gebiet dieser Technik begibt er sich mit
DE 694 07 377 T2 (1993), die ein Multimedia-Kommunikationssystem zum Kartenspielen für räumlich weit voneinander entfernte Spieler zeigt. Figur 1 ermöglicht eine Vorstellung davon, wie zwei Kartenspieler 120, 121 über Videobildschirme 115, 116 und Kameras 117, 118 mit zwei weiteren an einem anderen Ort befindlichen Mitspielern 122, 123 optisch in Kontakt treten können. Mikrophone an den Spielorten ermöglichen zusätzlich eine akustische Kommunikation. Eine weitere Kamera 130, die ein Bilderkennungssystem beinhaltet, und ein Kartenspender 10, der Spielkarten identifizieren, heraussuchen und entsprechend den Spielregeln des Kartenspieles auch verteilen kann, stellen weitere Zusatzgeräte dar.
Trat Arno Penzias bereits bei der zuletzt besprochenen Patentanmeldung als alleiniger Erfinder auf, so ist dies auch bei
US 2006/0 178 212 A1 , der Fall, die ebenfalls einen Spielhintergrund aufweist.

Figur 2: Modifizierte Computermaus als Spieleingabegerät (aus US 2006/0 178 212 A1 )
In dieser wird eine Computermaus beschrieben, die verschiedene Zusatzsensoren enthält, wie etwa einen Rotationssensor und einen Beschleunigungsmesser, um etwa aus der Handbewegung eines Nutzers dieser Maus Eingabesignale für ein rechnergestütztes Spiel bereitzustellen, wie es heutzutage für viele Spielkonsolen zur Standardausrüstung gehört (Figur 2).
Die Breite und Vielschichtigkeit der Patentanmeldungen von Arno Penzias, wie sie zum Teil der unten aufgeführten Tabelle zu entnehmen sind, zeigt einen bis ins hohe Alter wachen und innovativen Geist. Seine bis dato letzte Anmeldung (
(1,34 MB) US 2011/0 026 693 A1 ) mag hierfür das abschließende Beispiel sein.
| Publikationsnummer | Jahr | Titel |
|---|---|---|
| 1969 | Stabilizer for reflector of a pole-mounted antenna | |
| 1976 | Method of manufacturing semiconductor diodes for use in millimeter-wave circuits | |
| 1981 | Array phasing techniques for wide area coverage in a failure mode | |
| 1993 | Interface between text and voice messaging systems | |
| 1994 | Systeme zum Kartenspielen auf Abstand | |
| 1994 | System and method for coordinating personal transportation | |
| 1994 | Betrugsschutz für Kartentransaktionen | |
| 1996 | Apparatus for and method of utilizing product identifier codes to establish communication connections | |
| 1996 | Method and apparatus for telephone call sub-billing | |
| 2001 | Network lock | |
| 2001 | Migration of computer personalization information | |
| 2004 | Method and system for controllably and selectively securing a portable computing device to a physical holding device | |
| 2005 | Semantic gaming and application transformation | |
| 2010 | Apparatus and method to bridge telephone and data networks |
[1] http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Arno_Penzias.jpg&filetimestamp=20070811025104 [recherchiert am 7.9.2011]
[2] BENETTE, R. & JOSHI, P.C.: The Encyclopaedia of Nobel Laureates, Physics 2004 - 1901. 2007, Dominant Publishers and Distributors, New Delhi, 1. überarb. und aktual. Aufl., 2 Bände, S.349-353. ISBN 81-7888-491-7.
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