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César Milstein (1927 - 2002 ), Argentinien/USA

Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1984

Porträtbild
Bild: César Milstein[1]

für Theorien über die Spezifität in der Entwicklung und Steuerung des Immunsystems und die Entdeckung des Prinzips der Produktion von monoklonalen Antikörpern (gemeinsam mit Niels K. Jerne und Georges J. F. Köhler)

César Milstein wurde am 8. Oktober 1927 in Bahia Blanca, Argentinien, geboren. Nach dem Studium der Chemie an der Universität von Buenos Aires promovierte er 1957 bei dem Biochemiker Professor Stoppani an der Medizinischen Hochschule der Universität Buenos Aires im Fach Chemie auf dem Gebiet der enzymatischen Kinetik von Aldehyd-Dehydrogenase. Neben einer Forschungstätigkeit am Instituto Nacional de Microbiologia in Buenos Aires (1957-1963), dessen Leiter er zwischen 1961 und 1963 war, arbeitete er als Postdoktorand am Department of Biochemistry der Universität Cambridge, England, bei Professor Malcom Dixon auf dem Gebiet der Metall-Aktivierung des Enzyms Phosphoglucomutase. Er schloss seine Forschungen dort erneut mit einer Doktorarbeit ab. Während dieser Zeit begann auch eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem zweifachen Chemie-Nobelpreisträger Professor Frederick Sanger (ebenfalls Universität Cambridge). Ab 1963 waren Milstein und Sanger Mitglieder des wissenschaftlichen Kollegiums des damals neu gegründeten Medical Research Council Laboratory of Molecular Biology in Cambridge. Milstein wurde 1983 Leiter der Abteilung Protein- und Nukleinsäurechemie in Cambridge[2-4].

Hybridom-Technik zur Herstellung monoklonaler Antikörper

Mit entscheidend für Milsteins große wissenschaftliche Karriere war der Vorschlag Sangers, Milsteins Forschungsgebiet von der Enzymology auf die Immunologie zu verlagern[2]. Bekannt wurde Milstein auch durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Strukturanalyse von Antikörpern sowie den Mechanismen, die für die Diversität dieser Immunglobuline ursächlich sind. Diesbezüglich entwickelte er mit seinem Postdoktoranden Georges Köhler 1975 die sogenannte Hybridom-Technik, die erstmalig durch Fusion von Myelomzellen (Krebszellen) mit B-Lymphozyten (antikörperproduzierende Zellen) die Produktion monoklonaler Antikörper in großen Mengen mit maßgeschneiderter Spezifität ermöglichte. Aus dieser Zeit resultieren auch verschiedene Patente bzw. Patentanmeldungen zu diesem Forschungsgebiet (beispielsweise pdf- Datei US 4 350 683 A , pdf- Datei (1,01 MB) US 4 472 500 A , pdf- Datei (1,75 MB) WO 91/05 260 A1 und pdf- Datei DE 0 589 915 T1 ).

Das Prinzip dieser Technik beruht darauf, dass Antikörper produzierende B-Zellen, die eine limitierte Lebensdauer haben, mit Krebszellen (Myelomzellen), die nicht dem programmierten Zelltod (Apoptose) unterliegen, fusioniert werden, sodass gleichsam unsterbliche Hybride (Hybridomzellen) entstehen.

Bild vergrößert anzeigenFigur 1: Hybridom-Technik[5]

Diese Hybridomzellen können monoklonale Antikörper produzieren (pdf- Datei US 4 350 683 A und pdf- Datei (1,01 MB) US 4 472 500 A [6-7]). Figur 1 erläutert die einzelnen Schritte der Hybridom-Technik zur Herstellung von monoklonalen Antikörpern nach Milstein und Köhler im Detail: Immunisierung einer Maus (1), Isolation von B-Zellen aus der Milz (2), Kultivierung von Myelomzellen (3), Fusionierung von B- und Myelomzelle (4), Selektion und Screening optimaler Zelllinien (5), Weiterverarbeitung bzw. Lagerung der Myelomzellen (6), Antikörperherstellung in vitro (7a) oder in vivo (7b), Ernte der produzierten Antikörper (8) aus pdf- Datei US 4 350 683 A und pdf- Datei (1,01 MB) US 4 472 500 A [5-8].

Die durch diese Technik bedingte einfache Verfügbarkeit monoklonaler Antikörper eröffnete neue Möglichkeiten in der Grundlagen- und in der angewandten biomedizinischen Forschung. Dadurch wird beispielsweise eine genauere Identifizierung der verschiedenen Funktionen unterschiedlicher Abschnitte von Antigen-Molekülen, eine hohe Aufreinigung von pharmazeutischen Wirkstoffen oder eine bessere diagnostische Charakterisierung von Krankheiten und deren Behandlung möglich (pdf- Datei (1,23 MB) WO 89/ 03 993 A1 , pdf- Datei (1,52 MB) WO 00/55 183 A1 und pdf- Datei (8,74 MB) WO 03/07 5016 A1 ).

Patentdokumente zu César Milstein
PublikationsnummerJahrTitel
pdf-Datei US 4 350 683 A   1980  Antibody production from hybrid cell line 
pdf-Datei US 4 472 500 A   1981  Rat myeloma cell lines 
pdf-Datei WO 89/ 03 993 A1   1987  Paired helical filament core and antibody thereto useful in diagnosing Alzheimer's disease 
pdf-Datei WO 91/05 260 A1   1989  A method for the identification and selection of antibody producing cells 
pdf-Datei DE 0 589 915 T1   1991  Herstellung von monoklonalen Antikörpern 
pdf-Datei WO 00/55 183 A1   1999  Method for refolding molecules for polypeptides containing ig domains 
pdf-Datei WO 03/07 5016 A1   2002  SCD Fingerprints 

Quellen:

[1] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Milstein_lnp_restauraci%C3%B3n.jpg?uselang=de [recherchiert am 29.05.2012]

[2] "César Milstein - Autobiography". Nobelprize.org. 21.08.2012 http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1984/milstein.html [recherchiert am 21.08.2012]

[3] SPRINGER, T. A.: César Milstein, the father of modern immunology. In: Nature Immonology, Vol. 3, No. 6, 501-503 (2002)

[4] "Frederick Sanger - Biography". Nobelprize.org. 21.08.2012 http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/1958/sanger-bio.html [recherchiert am 21.08.2012]

[5] http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/09/Hybridomtechnik.png , Autor der Grafik ist Martin Brändli [recherchiert am 29.05.2012]

[6] "César Milstein - Nobel Lecture: From the Structure of Antibodies to the Diversification of the Immune Response". Nobelprize.org. 21.08.2012 http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1984/milstein-lecture.html [recherchiert am 21.08.2012]

[7] "Physiology or Medicine 1984 - Press Release". Nobelprize.org. 21.08.2012 http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/1984/press.html [recherchiert am 21.08.2012]

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Hybridom-Technik [recherchiert am 29.05.2012]

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