
für seine Entwicklung der Theorie und Methodik der organischen Synthese
Elias James Corey, geboren am 12. Juli 1928 in Methuen, Massachusetts (USA), wird als einer der kreativsten organischen Chemiker des 20. Jahrhunderts bezeichnet; auf Grundlage seiner Forschungsarbeiten wurde die Synthese vieler hochkomplexer wirksamer Naturstoffe und Arzneimittel erst möglich.
Corey begann 1945 sein Studium am Massachusetts Institute of Technology (MIT) zunächst in Mathematik, wechselte dann aber ins Chemiestudium, das er 1951 mit dem Doktortitel abschloss. Schon mit 22 Jahren begann er 1951 seine erste Dozententätigkeit an der University of Illinois, Urbana-Champaign, wo er 1956 zum Professor ernannt wurde. 1959 erhielt er einen Ruf an die Harvard University in Cambridge (MA), an der er nach seiner Emeritierung als Sheldon Emery Research Professor tätig ist[2, 7].

Figur 1: Prostaglandinderivate (aus DE 27 39 277 C2)
Bekannt wurde Corey vor allem durch die Totalsynthese einer Vielzahl von Prostaglandinen (hormonähnliche Stoffe, Figur 1) und Leukotrienen[3, 4].
Unter anderem beschreibt das Patent
DE 23 19 017 C3 ein neues von Corey entwickeltes Verfahren zur Herstellung neuer Ausgangsstoffe für die Synthese von Prostaglandinen der Serie-1.
Diese Prostaglandin-Klasse ist eine Gruppe von Gewebehormonen, die durch Cyclooxygenasen und durch Prostaglandin-Synthasen aus der Dihomo-gamma-Linolensäure entstehen und eine besonders starke Entzündungshemmung und Verringerung der Blutgerinnung bewirken.

Figur 2: Verfahren zur Herstellung neuer Edukte für die Prostaglandinsynthese der Serie-1, AT 347 610 B
Figur 2 aus AT 347 610 B zeigt schematisch das von Corey und anderen entwickelte Syntheseverfahren von Prostaglandin E1-Vorstufen.
Entscheidender Schritt ist hierbei die katalytische Hydrierung des Carbohydroxyesters (I) in Gegenwart eines Protonen liefernden Materials in einem inerten Lösungsmittel (zum Beispiel Palladium auf Kohle in Ethanol) zu (II), um nach mehreren Schritten zur Vorstufe von Prostaglandin PGE1 (XVIII) zu gelangen.
Um hochkomplizierte Moleküle in mehrstufigen Synthesen wesentlich effizienter herzustellen, entwickelte Corey das Prinzip der Retrosynthese, für die ihm 1990 auch der Chemie-Nobelpreis verliehen wurde.
Bei der Retrosynthese wird das zu synthetisierende komplexe Molekül gedanklich in einfachere Bausteine bzw. Verbindungen zerlegt, für deren Verknüpfung bereits Herstellungsverfahren bekannt sind. Nach Corey "wird die Zielstruktur einem Abbauprozeß - einer 'Dekonstruktion' - unterworfen, der einer umgekehrten Synthesereaktion entspricht, so dass die Zielstruktur in einfachere Vorläufer umgewandelt wird, ohne dass Annahmen über Ausgangsverbindungen nötig sind". Bevor die Retrosynthese eingeführt und verwendet wurde, erfolgte die Synthese aus einer der Zielverbindung ähnlichen Ausgangsverbindung; der Erfolg der Synthese hing dabei von der Wahl der Ausgangsverbindung ab, was in der Praxis eine Vielzahl an Versuchen erforderte, bis schließlich eine geeignete Ausgangsverbindung gefunden wurde[4].
Darüber hinaus entwickelte Corey mehrere synthetische Reagenzien im Bereich der klassischen organischen Chemie. Nach ihm wurde auch eine Vielzahl von organisch-chemischen Reaktionen benannt[5, 6].
| Publikationsnummer | Jahr | Titel |
|---|---|---|
| 1967 | 1,3,5-Trithiacyclohexane und deren Herstellung | |
| 1972 | Verfahren zur Herstellung von Prostaglandinen der Eins-Reihe | |
| 1975 | Novel prostaglandin intermediates | |
| 1976 | Prostaglandinderivate, Verfahren zu deren Herstellung und deren Verwendung | |
| 1988 | Arylsulfatase inhibition and potentiation of angiostatic steroids and heparin | |
| 1988 | Enantioselektive Reduktion von Ketonen | |
| 1997 | Verfahren zur Herstellung von Ecteinascidin-Verbindungen | |
| 1999 | Synthetische Analoge des Ecteinascidin-743 | |
| 2000 | Synthesis of pseudopterosin compounds | |
| 2002 | Synthetic process for an intermediate for ecteinascidin and phthalascidin compounds | |
| 2004 | Simple stereocontrolled synthesis of salinosporamide A | |
| 2005 | Proteasome inhibiting beta-lactam compounds | |
| 2006 | Analogs of salinosporamide A | |
| 2008 | Ryanodine channel binders and uses thereof | |
| 2009 | Angiogenesis Inhibitors |
[1] http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a2/E.J.Coreyx240.jpg [recherchiert am 22.05.2012]
[2] MLA style: "Elias James Corey - Autobiography". Nobelprize.org. 14.08.2012 http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/1990/corey.html [recherchiert am 14.08.2012]
[3] http://ejcorey.com/ [recherchiert am 22.05.2012]
[4] COREY, E. J.: Die Logik der chemischen Synthese: Vielstufige Synthesen komplexer "carbogener" Moleküle (Nobel-Vortrag). In: Angew. Chem. Vol. 103 (1991) S. 469-479
[5] LI, Jie Jack (Editor): Name Reactions in Heterocyclic Chemistry. Wiley, 2004. ISBN 978-0-471-30215-5
[6] LI, Jie Jack; COREY, E. J.: Name Reactions of Functional Group Transformations. Wiley, 2007. ISBN 978-0-471-74868-7
[7] http://www.hcs.harvard.edu/coreylab/ [recherchiert am 22.05.2012]
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