Logo des Deutsches Patent- und Markenamt

 

Sie sind hier:  > Homepage  > Service  > Galerie  > Erfindungen von Nobelpreisträgern  > Einführung  > Erfindungen von Nobel

Erfindungen, die Alfred Nobel berühmt machten

Die Arbeit mit dem umgangssprachlich unter der Bezeichnung Nitroglycerin bekannten Sprengstoff (korrekt: Glyceroltrinitrat) ist aufgrund seiner extremen Empfindlichkeit gegenüber Erschütterungen sehr gefährlich. Ascanio Sobrero, der Nitroglycerin bei Experimenten mit Schießbaumwolle entdeckt hatte und im Laufe seiner Experimente damit schwere Verletzungen erlitt, hielt eine praktische Nutzung daher für aussichtslos (heute wird dieser Stoff aufgrund seiner gefäßerweiternden Wirkung sogar in der Medizin eingesetzt). Alfred Nobel, der oft als Schüler von Sobrero bezeichnet wird[1], entwickelte in den Jahren 1863 bis 1867 verschiedene Verfahren, mit denen er letztlich eine kontrollierte Explosion erzielen konnte. Im Rahmen dieser Versuche, die an verschiedenen Orten in Europa stattfanden, beispielsweise nahe Stockholm auf einem Prahm in einem See und in Krümmel (Geesthacht) nahe Hamburg (Standort des heutigen Atomkraftwerks), kamen mehrere Menschen ums Leben, unter anderem 1864 auch Nobels 1843 geborener Bruder Emil.

Nobels Lösungsansatz zur Nutzbarmachung der Sprengwirkung von Nitroglycerin bestand in der physikalischen Mischung desselben mit anderen Komponenten, um die Erschütterungsempfindlichkeit von Nitroglycerin zu reduzieren. Am sichersten erwies sich die Mischung von Nitroglycerin mit Kieselgur im Verhältnis 3:1, das unter der Bezeichnung Dynamit weltberühmt wurde (GB 1867-1345).

PatentzeichnungBild vergrößert anzeigenFigur 1: Zünder von Alfred Nobel (aus GB 1887 - 16919)

Eine bereits vorher von ihm entwickelte Methode, die Initialzündung, ließ eine kontrollierte Zündung dieses Sprengstoffes, der auch unter der Bezeichnung "Nobels Sicherheitspulver" bekannt war, zu. Hierbei wird der eigentliche Sprengstoff mittels eines Initialsprengstoffes zur Explosion gebracht. Eine gute Vorstellung von der Konzeption eines derartigen Zündmechanismus' bietet die Figur 1 (aus GB 1887 - 16919), in der ein Zündmittel c in ein mit einem Sprenggranulat b gefüllten Gefäß a eingebettet zu sehen ist. Das Granulat explodiert ohne äußere Anregung selbst nicht und wird erst durch die Zündung des Zündmittels c, das unmittelbar auf das Granulat einwirkt, zur Detonation gebracht.

Dynamit erleichterte in Folge im Bergbau und bei Felsarbeiten, etwa beim Tunnelbau oder beim Vortrieb von Eisenbahntrassen, den Baufortschritt erheblich. Jedoch hatte es den Nachteil, dass nicht vollständig in der Kieselgurmatrix gebundenes Nitroglycerin "ausschwitzen" konnte und somit wiederum ein Gefahrenpotential entstand. Alfred Nobels Entwicklung der so genannten Sprenggelatine, die auch zu den Dynamitsprengstoffen gerechnet wird (GB 1875-4179), behob dieses Problem, da dort das Kieselgur durch einen 6- bis 8-prozentigen Anteil von Kollodiumwolle ersetzt wird, die man etwa durch die Einwirkung von Salpeter- und Schwefelsäure auf Baumwolle erhält. Dieser Sprengstoff bildet, wie der Name schon andeutet, eine gelatineartige Masse, die selbst bei hohem Druck das Nitroglycerin sicher bindet, leicht verformbar ist und mit einem Messer geschnitten werden kann.

PatentzeichnungBild vergrößert anzeigenFigur 2: Apparatur zur Herstellung von Korditstangen (aus GB 1889 - 11667)

Wie der Literatur zu entnehmen ist, gingen mit diesen Erfindungen einige Probleme einher, sie weltweit patentrechtlich zu schützen. Gerade die USA zeigten sich in dieser Hinsicht als schwieriges Pflaster und ließen Alfred Nobel desillusioniert von der "Neuen Welt" zurück[2]. Dass aber auch in Europa nationale Interessen zu dieser Zeit oftmals über den Schutz des geistigen Eigentums Einzelner gestellt wurden, zeigt die Geschichte des rauchschwachen Pulvers Ballistit, um das Nobel einen jahrelangen Rechtsstreit in Großbritannien führte.

Ballisitit ist eine Weiterentwicklung der Sprenggelatine aus dem Jahre 1887 und brennt in einem Geschütz dergestalt ab, dass es ein Projektil gegenüber gewöhnlichem Schiesspulver mit wesentlich höherem Druck beschleunigt - was seine Reichweite erhöht - ohne jedoch den Geschützlauf dabei zu überbeanspruchen. Diese Eigenschaften machten es für Militärs besonders interessant. Über seine Entwicklungsarbeit und die technischen Details hielt Alfred Nobel gemäß Abmachung vertraulich die Mitglieder des britischen "Explosives committee", die Chemiker Frederik Augustus Abel (1827 - 1902) und James Dewar (1842 - 1923) auf dem Laufenden, wobei letzterer durch das "Dewar-Gefäß" - einen Behälter zur Aufbewahrung von Flüssiggasen - noch heute ein Begriff ist. Die beiden Briten meldeten in Kenntnis dieser Ergebnisse, aber ohne Alfred Nobel einzubeziehen, ein Patent in Großbritannien an, das die Mischungsverhältnisse der für Ballistit verwendeten Chemikalien lediglich in Maßen abwandelte und nannten ihr Ergebnis "Kordit" (Patentschrift GB 1889 - 11667, Figur 2).

PatentzeichnungBild vergrößert anzeigenFigur 3: Geschütz variablen Kalibers (aus GB 1887 - 926)

Dagegen ging schließlich die "Nobel's Explosives Co." gerichtlich vor, nachdem sie Ballistit dem britischen Kriegsministerium erfolglos anbot, da dieses durch das Kordit schon befriedigt war, und die Machenschaften von Abel und Dewar ans Licht kamen. Aufgrund einer ungenauen Formulierung im Ballistit-Patent wurden jedoch die Klagen durch alle Instanzen abgewiesen. Bezeichnend ist die Perspektive des an der letztinstanzlichen Urteilsfindung 1895 beteiligten Lordrichters Maurice Kay vom britischen Appellationsgericht: "Es ist ganz natürlich, dass ein Zwerg, dem es geglückt ist, auf die Schultern eines Riesen zu klettern, etwas weiter sehen kann, als der Riese selbst"[2], was jedoch an der insgesamt für den Kläger negativen Auffassung des Gerichts nichts änderte.

PatentzeichnungBild vergrößert anzeigenFigur 4: Gewehrkühlung (aus GB 1890 - 6021)

Abschließend sei angemerkt, dass sich Alfred Nobel bei weitem nicht allein auf die Entwicklung von Sprengstoffen beschränkte, sondern eine ganze Palette kriegswichtiger Komponenten für die Militärs dieser Welt entwickelte. Hierbei sei nur beispielhaft auf die Patentschrift GB 1887-926 (Figur 3) verwiesen, die Vorteile eines über die Länge des Geschützrohres variablen Kalibers beschreibt, oder auf GB 1890-6021 (Figur 4), die eine Idee zur Kühlung von Schnellfeuergewehren vorstellt.

Patentdokumente
PublikationsnummerJahrTitel
pdf-Datei GB 1867-1345   1867  Improvements in Explosive Compounds and in the Means of Igniting the same 
pdf-Datei GB 1875-4179   1875  Improvements in Explosive Compounds 
pdf-Datei GB 1887-926   1887  Improvements in Guns and Projectiles to be Used therewith 
pdf-Datei GB 1887-16919   1887  Improvements in Detonators 
pdf-Datei GB 1889-11667   1889  Process and Apparatus for the Manufacture of Explosives in the Form of Wires or Rods and for Forming the same into Cartridges 
pdf-Datei GB 1890-6021   1890  Improvements in Rifles 

Quellen:

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Ascanio_Sobrero [recherchiert am 15.09.2011]

[2] MARTIN, W.: Verzeichnis der Nobelpreisträger 1901 - 1987. 1988, K.G. Saur, München, S.1-31. ISBN 3-598-10721-8


© 2016 Deutsches Patent- und Markenamt | 29.02.2016