Fußball und Technik

Deutsches Patent- und Markenamt

 

Der Fußballschuh

2. Die Entwicklung flacher Fußballschuhe

2.1. Erste Konzepte zur Reduzierung des Schuhgewichts und zur Erhöhung der Bewegungsfreiheit des Fußes

In Westeuropa, vor allem in England, wurde noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts an der robusten, stiefelartigen Schuhform festgehalten. Dies lag wohl vor allem daran, dass bei den witterungsbedingt oft widrigen Platzverhältnissen und bei dem Spiel mit von Regenwasser durchtränkten, schweren Lederbällen die Verwendung von standfestem und stabilem Schuhwerk meist unerlässlich war. Im Gegensatz dazu konnte in den südlichen Ländern, vor allem in Südamerika, mit wesentlich leichteren Schuhen gespielt werden. Entsprechend entwickelte sich dort auch ein wesentlich schnelleres, athletischeres und technisch ausgefeilteres Spiel.

In der deutschen Patentliteratur der 1920er Jahre findet sich dabei zwar immerhin ein Vorschlag für einen extrem leichten, sandalenartigen Fußballschuh (Abbildung 2). Dieser konnte sich jedoch aufgrund der Wetterproblematik und der extremen Verletzungsgefahr des weitgehend entblößten Fußes verständlicherweise nicht durchsetzen. Mit dem Wegnehmen eines Teils des Oberleders oberhalb der Schnürung am oberen Spann und einem Ausschnitt im Fersenbereich bis unter den Knöchel konnte aber wenigstens für eine freiere Beweglichkeit des Fußes und ein verbessertes Ballgefühl gesorgt werden (Abbildung 3).

Leichter, sandalenartiger Fußballschuh LupeAbb. 2: Leichter, sandalenartiger Fußballschuh nach DE-PS 376995

Die meisten europäischen Patente aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg widmen sich aber weiterhin vor allem der Verbesserung der Standfestigkeit und der Stabilität der Sohle (vgl. Abschnitt 3), ohne dabei von der knöchelhohen Stiefelform abzugehen.

Erst die zunehmende Internationalisierung der Fußballwettkämpfe nach dem Zweiten Weltkrieg und das immer häufigere Aufeinandertreffen der europäischen und südamerikanischen Fußballkultur zwang auch die Europäer, ihre Fußballschuhe flexibler und leichter zu gestalten.

Fußballstiefel mit ausgeschnittenem Schaft zur Erhöhung der Beweglichkeit im FersenbereichLupeAbb. 3: Fußballstiefel mit ausgeschnittenem Schaft zur Erhöhung der Beweglichkeit im Fersenbereich (nach DE-PS 386 726)

Die Konstruktion von Schuhen mit diesen Anforderungen stand von nun an auch in Europa im Zentrum des Interesses. Bereits zu Beginn der 1950er Jahre wurden in Deutschland auf diesem Gebiet mehrere Patente erteilt. Da ein erheblicher Teil des Schuhgewichts auf die Sohle und die schwere Vorderkappe zurückzuführen war, wurden nach und nach Maßnahmen getroffen, um auf Teile der Sohle und die schwere Vorderkappe der Schuhe verzichten zu können.

Einlegesohlen mit Druckpolstern gegen den Stollendruck oder zur Erhöhung der Fersenlage, die Verwendung leichterer Gummimaterialien für einen Zehenschutz auf der Innenseite des Schuhs, die Verwendung von federnden Einlegesohlen, um bei fester Schnürung des Schuhs eine bewegliche Lagerung des Fußes zu gewährleisten, und die Verwendung flexibler, gummiartiger Materialien für den Knöchelbereich des Schuhschafts sind typische Maßnahmen aus dieser Zeit (Abbildung 4).

Verwendung flexibler Materialien für den Schuhschaft zur Erhöhung der Bewegungsfreiheit des FußesLupeAbb. 4: Verwendung flexibler Materialien für den Schuhschaft zur Erhöhung der Bewegungsfreiheit des Fußes (nach DE-PS 922573)


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Patentdokumente zu diesem Abschnitt
PublikationsnummerJahrTitelKurzbeschreibung
DE-PS 922 573   1953   Sport-, insbesondere Fußballstiefel   Fußballstiefel mit flexiblem, weichem Material im Knöchelbereich des Schafts für verbesserte Bewegungsfreiheit des Fußes  
DE-PS 816 511   1950   Sportschuh für Fußballsport o. dgl.   Verstärkung der Schuhspitze mit Innenpolster für verbesserte Stabilität und Zehenschutz 
DE-PS 816 510   1949   Sportschuh, insbesondere für Eishockey- und Fußballsport   Fußballschuh mit federnder Einlage für das Fußbett, um bei fester Schnürung eine bewegliche und nicht zu flache Lagerung des Fußes zu gewährleisten 
DE-PS 804 072   1949   Fußballstiefel und Verfahren zu seiner Herstellung   Zur Gegenstabilisierung der Stollen sind Kunststoff- oder Lederplatten in die Laufsohle eingearbeitet 
DE-PS 800 365   1949   Sportschuh, insbesondere Fußballschuh   Fußballschuh mit Schnürriemen, aufsteckbaren Stollen und Einlage zur Erhöhung der Fersenlage für eine verbesserte Standfestigkeit  
DE-PS 386 726   1922   Fußballstiefel   Fußballstiefel mit ausgeschnittenem Schaft zur Erhöhung der Bewegungsfreiheit des Fußes 
DE-PS 376 995   1922   Sportschuhwerk   Leichter, sandalenartiger Fußballschuh 

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2.2. Entwicklung flacher Fußballschuhe

Nach und nach wurde dabei auch zu einer flachen Schuhform übergegangen, und schon bei der Weltmeisterschaft 1954 spielte die deutsche Nationalmannschaft in Schuhen, deren oberer Rand unterhalb des Knöchels abschloss. Dieser legendäre Schuh von Adi Dassler stellte eine Weiterentwicklung des von ihm ursprünglich für die Leichtathletik entwickelten Laufschuhs dar, der für die besonderen Stabilitätsanforderungen des Fußballs angepasst, und vor allem mit wechselbaren und höhenverstellbaren Schraubstollen versehen wurde (vgl. Abschnitt 3).

Mit der flachen und zierlichen Schuhform geht aber eine beträchtliche Erhöhung der Verletzungsgefahr, vor allem im Bereich des Knöchels und der Achillesferse, aber auch am Spann und an der Fußspitze einher. Um dem zu begegnen, wurden in der Folge lokale Verstärkungen zum selektiven Schutz dieser Fußpartien in das Schuhmaterial eingearbeitet.

Durch vergleichbare Maßnahmen wurde auch versucht die Stabilität der Schuhe selbst weiter zu verbessern, meist jedoch mit unbefriedigenden Ergebnissen. Erst mit der Entwicklung wetterfester, robuster, reißfester und gleichzeitig leichter Kunststoffmaterialien, wie Kunstleder, Polyamiden wie Nylon, Polyurethanen, Polyestern in Kombination mit natürlichen Leichtmaterialien wie Viskose oder Baumwolle konnten diese Probleme weitestgehend bewältigt und leichte, bequeme, dauerhaft stabile Fußballschuhe geschaffen werden. So stellt inzwischen das Durchscheuern des "Leders" etwa seit Beginn der 1980er Jahre selbst bei längerem Gebrauch der Schuhe auf Hartplätzen praktisch kein ernsthaftes Problem mehr dar.

Federelastische Spezialinnensohle zur Unterstützung des Fußes beim Schuss, die zusätzlich im Fersenbereich noch mit einem Dämpfungselement ausgestattet istLupeAbb. 5: Federelastische Spezialinnensohle zur Unterstützung des Fußes beim Schuss, die zusätzlich im Fersenbereich noch mit einem Dämpfungselement ausgestattet ist (Illustration der in der WO 02/00051 A1 beschriebenen Innensohle, Copyright: PUMA)

Die Erzeugung einer dauerhaft stabilen Verbindung von Oberteil und Sohle bedeutet zwar nach wie vor eine besondere Herausforderung an die Schuhfertigung. Die optimale Balance zwischen Schuhstabilität, Fußschutz und Schuhgewicht dürfte inzwischen aber wohl erreicht sein. Die jüngeren Weiterentwicklungen im Bereich des Oberschuhs liegen daher neben der Fertigungstechnik vor allem im Bereich der Griffigkeit der Schuhoberfläche, um eine optimale Ballbehandlung zu ermöglichen (vgl. Abschnitt 4), oder sie dienen der weiteren Verbesserung des Schuhkomforts (vgl. z.B. DE 34 41 624 zur Wärmeisolation) und der optimalen Federung des Fußes durch federelastische Einlagesohlen (Abbildung 5). Hierbei wurde das revolutionäre, zunächst als Lederersatz verwendete Polyurethan zunehmend durch bequemere, moderne viskoelastische Polymere ersetzt.

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Patentdokumente zu diesem Abschnitt
PublikationsnummerJahrTitelKurzbeschreibung
WO 02/00051 A1   2001   Als Zwischensohle, Innensohle oder Einlegesohle ausgebildete Sohle für einen Schuh und Schuh mit einer derartigen Sohle   Biegsame federelastische Einlagesohle 
DE 39 24 360 A1   1989   Sportschuh, insbesondere Fußballschuh   Fußballschuh mit einem in den Fersenbereich der Sohle eingearbeiteten elastischen Dämpfungselement 
DE 38 32 743 A1   1988   Laufsohle mit dämpfender Zwischensohle   Kompressible, stoßdämpfende Einlagesohle mit "Röhrensystem" 
DE 34 41 624 A1   1984   Sportschuh   Fußballschuh mit innenseitiger Wärmereflexionsschicht für Spiele im Winter 
DE 27 11 579 A1   1977   Material mit lederähnlichen Eigenschaften und Verfahren zu seiner Herstellung   Lederähnliches Material auf Polyurethanbasis mit porösen, wasserdichten, aber wasserdampfdurchlässigen Eigenschaften 
DE-PS 2 107 447   1971   Sportschuh mit angespritzter Laufsohle   Herstellung angespritzter Laufsohlen aus besonderem Kunststoffmaterial auf Polyamidbasis, mit dem die Form der Sohle beim Erstarren erhalten bleibt 
DE-GM 1 886 440   1963   Sportschuh   Fußballschuh mit einer mit Nylon überzogenen Lasche zum Abdecken der Schnüröffnung, die ein zusätzliches Polstermittelstück als Fußschutz aufweist 
DE-GM 1 868 954   1959   Sportschuh   Flacher Fußballschuh mit über dem Vorderschuh angebrachter Schutzkappe  
DE-GM 1 797 088   1959   Fußballschuh   Flacher Fußballschuh mit an der Schuhspitze angebrachter Nylonkappe  
DE-GM 1 794 640   1959   Sportschuh, insbesondere Rennschuh oder Fußballstiefel   Flacher Fußballschuh mit Schlupflappen im Fersenbereich, der zum Schutz der Achillessehne eine Filz- oder Schaumstoffauflage aufweist 
DE-PS 928 996   1952   Fußballstiefel   Fußballhalbstiefel mit Korkverstärkungen im Vorderteil und seitlich verlängerten Lappen im Knöchelbereich zum Schutz des Fußes vor Stößen  
DE-PS 922 572   1952   Fußballschuh   Fußballhalbstiefel mit Ristplatte aus Kork, die als Fußschutz und zur Unterstützung der Schusstechnik dient (vgl. auch Abschnitt 4.1.) 
DE-PS 816 967   1949   Schuh und Verfahren zu seiner Herstellung   Herstellungsverfahren für einen Laufschuh, der einen Vorläufer des flachen Fußballschuhs darstellt 

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