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T.1. Optische Teleskope

T.1.1.1.2. Familie Dollond und die Linsenkrise

Isaac Newton (1642-1726) führten seine Versuche zur Lichtbrechung und der Analyse des Lichtspektrums zur Ansicht, dass jedes Linsenteleskop eine chromatische Aberration aufweisen müsse. Um diesen Fehler zu vermeiden konstruierte er das bis heute nach ihm benannte Newtonsche Spiegelteleskop. Bald wurden jedoch Zweifel an seiner Meinung laut, und die ersten Versuchsreihen starteten, um den Farbfehler zu korrigieren.

a) Vom Seidenweber zum Linsenschleifer

Zeitgenössisches Portrait des Linsenschleifers John Dollond.Bild vergrößert anzeigenFigur JDO: Linsenschleifer John Dollond.

Der ehemalige Seidenweber John Dollond (auch "Dolland", 1706-1761) ließ sich unter GB 1758-721 eine Linsenkombination patentieren, die diese Verzerrungen nicht mehr aufwies.

Sie erleichterte die Beobachtungen astronomischer Objekte erheblich und gab ihm und seinem geschäftstüchtigen Sohn Peter ein Monopol auf deren Herstellung. Dieses ließ beide sehr wohlhabend werden (LEA85) und bootete die Konkurrenz auf der Insel komplett aus, wollte doch niemand mehr Teleskope erwerben, die einen Farbfehler hatten, wenn es auf dem Markt fehlerfreie zu kaufen gab.

b) Chester Moor Hall, das unbekannte Genie

Aber die Dollonds schmückten sich mit fremden Federn, denn die Vorarbeiten lieferten andere, die finanziell keinerlei Vorteile aus ihrer Forschungsarbeit zogen. Zu ihnen gehörten der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler (1707-1783), der schwedische Naturphilosoph Samuel Klingenstierna (1698-1765) und der englische Rechtsanwalt und Hobbyoptiker Chester Moor Hall (1703-1771). Die beiden ersten zogen Newtons Ansicht zur Lichtbrechung theoretisch in Zweifel und Moor Hall widerlegte sie experimentell, auch wenn er nie darüber publizierte.

Ihm gelang es bereits 1733 mittels zweier hintereinandergesetzter Linsen aus Kron- und Flintglas - dies sind Glasarten unterschiedlicher Dispersionseigenschaften - einen so genannten "Achromaten" herzustellen. Moor Hall muss somit als dessen eigentlicher Erfinder gelten. Diese Tatsache wurde Dollond 1755 über den Glasschleifer hinterbracht, der für Moor Hall die Linsen nach dessen Anweisungen angefertigt hatte. Erst dieses Wissen führte zu Dollonds eigenen Versuchsreihen und zum oben genannten Patent, hatte er doch noch 1754 vehement Newtons Meinung vertreten (LEA85).

c) Patentstreitigkeiten und Verkaufshindernisse

Der Neid seiner Londoner Optikerkollegen war ihm gewiss, und so wurden zwei Prozesse gegen ihn angestrengt. Ein Richter bestätigte zwar den Einwand, dass John Dollond nicht der Erfinder des Achromaten war, stellte jedoch fest: "Es sollte nicht die Person sein, die ihre Erfindung in ihrem Schreibtisch verschließt, die von einem Patent Vorteile hat, sondern der, der sie zum Wohle der Allgemeinheit nutzt." (zitiert nach LEA85). Diese Ansicht bewahrte Dollonds Monopol und lähmte weiterhin seine britische Konkurrenz.

Ironischerweise wurde zu dieser Zeit Klingenstiernas Werk zu Newtons Brechungstheorie durch die britische Royal Society auf lateinisch übersetzt und publiziert. Diese Veröffentlichung regte letztlich Alexis-Claude Clairaut (1713-1765) aus Frankreich an, einfacher herzustellende und qualitativ bessere Achromate zu entwickeln.

Auch in anderen Ländern wurde auf dieser Basis an neuen Lösungen zur Verbesserung der Linsenqualität gearbeitet. Die britischen Linsenmacher waren somit doppelt im Hintertreffen, denn sie mussten sich neben Dollonds Patent zusätzlich mit ihrem Fiskus herumärgern. Dieser hatte Glas zum Luxusartikel erklärt, egal ob es sich um einen Lüster, ein Fenster oder eine Teleskoplinse handelte, und verlangte auf alles eine saftige "Glassteuer". Diese Umstände ließen die Nachfrage nach astronomischen Linsen aus englischer Produktion einbrechen.


Zitiertes Patentdokument
PatentnummerJahrTitel
GB 1758-721   1758  Object glasses for telescopes 

© 2013 Deutsches Patent- und Markenamt | 22.02.2013