Logo des Deutsches Patent- und Markenamt

 

Sie sind hier:  > Homepage  > Service  > Galerie  > Mit Patenten zu den Sternen  > R. Reisen in den Weltraum  > R.2. Raketentechnik  > R.2.2. Raketenantriebe  > R.2.2.1. Chemischer Antrieb  > Treibstofffördersystem

R.2. Raketentechnik

R.2.2.1.2. Treibstofffördersystem

Bei Hybrid- und Feststoffantrieben übernehmen die Brennkammern die Funktion von Tanks für einen Teil oder alle Treibstoffe. Bei der Verwendung von Flüssigkeitstreibstoffen in chemischen Raketentriebwerken ist ein Treibstofffördersystem notwendig, über welches die Treibstoffe von den Treibstofftanks zum Verbrennungsort in der Brennkammer gelangen.

Treibstofffördersystem unter Ausnutzung der Kapillarwirkung zum FlüssigkeitstransportBild vergrößert anzeigenFigur TF1: Treibstofffördersystem der Treibstoffkomponenten über poröse Wände (aus DE 558 012 A).

Ein erster Ansatz von Oberth, der Figur TF1 aus DE 558 012 A zu entnehmen ist, basierte auf der Kapillarwirkung. Es wurden für die Zuleitungen (d) des Brennstoffs (b) und des Oxidators ( c) zum Verbrennungsort (f) Vorrichtungen mit porösen Wänden (e) aus feuerfesten Materialien verwendet. Der Flüssigkeitstransport erfolgte über Kapillarkräfte in Kombination mit leichtem Überdruck (DE 558 012 A). Durch die individuelle Druckregulierung der beiden Treibstoffkomponenten konnte das gewünschte Mengenverhältnis eingestellt werden. Eine darauf aufbauende Weiterentwicklung verbesserte die Einspritzung der Treibstoffkomponenten in die Brennkammer durch Zerstäuberdüsen, die für eine optimale Durchmischung beider Komponenten am Verbrennungsort sorgten (DE 549 222 A, DE 633 667 A).

Heutzutage werden bei den Treibstofffördersystemen die Pumpenförderung und die Druckförderung unterschieden, während der Kapillarförderung nur geringe Bedeutung zukommt.

a) Druckförderung

Druckgasförderung für Treibstofftanks mit Helium aus aus Batterie von DruckgasflaschenBild vergrößert anzeigenFigur TF3: Druckförderung mit Inertgas (aus US 6 113 032 A).

Bei der Druckförderung (Figur TF3 aus US 6 113 032 A) werden die Treibstoffe mit Überdruck (12) aus den jeweiligen Tanks (52, 54, 58), in denen sie gelagert sind, in die Brennkammer (Teil des Triebwerks (28)) eingespritzt. Die Tanks selbst müssen einen deutlich höheren Druck aushalten als die Brennkammer. Dies bedingt eine stabilere Bausweise mit dickeren Tankwandungen, wodurch das Leergewicht der Rakete zunimmt. Eingesetzt wird dieses Verfahren daher bei kleineren Antriebsstufen, wie etwa der Oberstufe von Delta-Raketen oder der Ariane 5.

b) Pumpenförderung

Insbesondere bei großen Raketen und Triebwerken mit hohem Kammerdruck hat sich die Pumpenförderung durchgesetzt. Hierbei werden die Treibstoffe bei niedrigerem Druck gelagert, bevor sie mit Treibstoffpumpen zur Brennkammer befördert und in diese eingespritzt werden. Angetrieben werden die Treibstoffförderpumpen über Gasturbinen. Je nach Herkunft der Antriebsgase lassen sich drei Fälle unterschieden:

  • Druckgas als Lagergas aus dem Treibstofftank (US 3 077 073 A),
  • Druckgaserzeugung durch chemische Reaktion in einem separaten Gasgenerator (US 2 949 007 A, US 3 516 251 A) oder Abzweigung aus der Brennkammer (US 2 637 973 A, wie in Fig. D1) und
  • Druckgaserzeugung durch Flüssigkeitsverdampfung (DE 1 950 407 C). Bei diesem wird der im Regenerativkühlsystem des Triebwerks verwendete, verdampfte Brennstoff als Antriebsgas genutzt, bevor er im Triebwerk verbrannt wird.

Nachteilig sind an der Pumpenförderung der Eigenenergiebedarf sowie der kompliziertere und damit störanfälligere Aufbau des Triebwerks. Dafür zeichnet sie sich durch eine leichtere Tankbauweise und eine genauere Regelbarkeit der Treibstoffmischungsverhältnisse aus.


Zitierte Patentdokumente
PatentnummerJahrTitel
DE 558 012 A   1929  Verfahren und Vorrichtung zum Verbrennen von Brennstoffen, zum Beispiel für Raketen 
DE 549 222 A   1929  Verfahren zur schnellen Verbrennung von Brennstoffen 
DE 633 667 A   1931  Rückstoßmotor für flüssige Treibstoffe 
US 2 949 007 A   1955  Rocket Engine Feed System 
US 3 077 073 A   1957  Rocket Engine Having Fuel Driven Propellant Pumps 
DE 1 950 407 C   1969  Treibstoffversorgungssystem für ein Raketentriebwerk 
US 6 113 032 A   1998  Delivering Liquid Propellant in a Reusable Booster Stage 

Ergänzungsdokumente
PatentnummerJahrTitel
US 2 395 113 A   1940  Mechanism For Feeding Combustion Liquids To Rocket Apparatur 
US 4 589 253 A   1984  Pre-Regenerated Staged-Combustion Rocket Engine 
US 4 583 362 A   1985  Expander-Cycle, Turbine-Drive, Regenerative Rocket Engine 

© 2013 Deutsches Patent- und Markenamt | 22.02.2013