Eine Möglichkeit Feststoffraketen zu realisieren besteht in der Verwendung von Pulver als Treibstoff. Mit solchen Pulverraketen experimentierte der Amerikaner Goddard, etwa auf Basis von Nitrocellulose. Seine ersten Veröffentlichungen aus den 1910er Jahren (GOD19, US 1 102 653 A; US 1 103 503 A; US 1 191 299 A; US 1 194 496 A) zielten aber noch nicht auf die bemannte Raumfahrt ab, sondern sollten vielmehr Kameras und Aufzeichnungsgeräte in bislang unerreichte Höhen transportieren, die mit Hilfe eines Fallschirms wieder auf der Erde landen.
Der US 1 102 653 A ist der Aufbau solch einer Feststoffrakete (Figur TR1 aus US 1 102 653 A) zu entnehmen, bei der bereits ein zweistufiger Antrieb (10, 25) vorgesehen ist. Als Treibstoff dient explosives Pulver (27, 12), das zu Scheiben verpresst ist.
Goddard experimentierte zwar mit einem Benzin/Stickstoffmonoxid-Gemischen als Treibstoff (US 1 103 503 A), beschränkte sich aber zunächst auf rauchfreie Pulverraketen, die elektrisch und damit zeitlich definiert und fern gezündet werden können (US 1 191 299 A und US 1 194 496 A). Ihre Brenndauer war durch die Brennstoffmenge festgelegt.
Wenn die oben genannten gepressten Scheiben Dichteunterschiede aufwiesen, dann führte dies zu ungleichmäßigem Abbrennen des Brennstoffs und dadurch zu unkontrollierbaren und ungewollten Schubvariationen. Der starre Übergang (Figur TR1) von Brennkammer (10) zu Düse (11) bewirkte darüber hinaus eine schlechte Steuerung der Rakete.
Moderne Feststofftriebwerke zeichnen sich durch schwenkbare Düsen (US 3 049 877 A, US 3 230 708 A, US 3 392 918 A) zum Steuern aus, vergleichbar den Flüssigkeitsraketen. Der Schub wird variabel (US 4 397 149 A, US 3 286 471 A, US 3 349 565 A, US 3 381 476 A) reguliert, wobei auch ein vorzeitiger Brennschluß erzielt werden kann. Ohne separate Treibstofftanks und Treibstofffördersysteme, wie für Flüssigkeitstreibstoffe benötigt, ist ihr Aufbau unkompliziert und zuverlässig. Daher finden diese Raketen heute als Hilfsraketen (Booster) zur Erzeugung des Startschubs des Space Shuttle, der Titan, Delta, der japanischen H-2 oder Ariane-Rakete breite Anwendung.
Heutzutage nutzen die meisten Feststoffraketen Treibstoffe aus heterogenen Verbundmaterialien (Composits), bei denen ein anorganischer Oxidator in einem als Bindemittel dienenden organischen Brennstoff fein verteilt ist (US 3 165 060 A, WO 01/38170 A1, US 4 482 406 A, DE 977 941 B). Hierbei kommen pressfähige oder aushärtbare Kunststoffe wie Polyurethan, Polybutadien, Plexiglas oder Polsulfide als Brennstoff in Frage. Häufige Verwendung fand und findet ein Kunststoffharz wie PBAA (Polybutadien-Acrylsäure-Acrylnitril) oder HTPB (Hydroxyterminiertes Polybutadien), in das der Oxidator Ammoniumperchlorat und Aluminium als energiesteigernder Zusatz eingebettet ist. Ammoniumperchlorat wirkt eigentlich als Oxidator und Treibstoff zugleich, denn es zerfällt beim Verbrennen unter anderem in Sauerstoff und Chlor. Diese Gase können wiederum die übrigen Komponenten, wie Aluminium oder Polybutadien, verbrennen. Die Oxidation von Aluminium liefert eine große Hitze, wodurch die gesamte Verbrennungsreaktion in Gang bleibt.
| Patentnummer | Jahr | Titel |
|---|---|---|
| US 1 102 653 A | 1914 | Rocket Apparatus |
| US 1 103 503 A | 1914 | Rocket Apparatus |
| US 1 191 299 A | 1916 | Rocket Apparatus |
| US 1 194 496 A | 1916 | Rocket Apparatus |
| US 3 165 060 A | 1960 | Multiple Propellant Grain For Rocket Motors |
| US 3 049 877 A | 1962 | Nozzle for Reaction Motor |
| DE 977 941 B | 1963 | Halbfeststoff- und Feststoff-Raketentreibsatz |
| US 3 286 471 A | 1963 | Solid Propellant Rocket Motor |
| US 3 381 476 A | 1966 | Filament Control System For The Burning Rate Of A Solid Propellant Rocket Motor |
| US 3 230 708 A | 1966 | Steerable Rocket Motor With Gimballed Nozzle Means And Cooling Means |
| US 3 349 565 A | 1967 | Variable thrust Solid Propellant Rocket Motor |
| US 3 392 918 A | 1968 | Rocket Motor Thrust Control System |
| US 4 397 149 A | 1981 | Variable Thrust solid Propellant Rocket Motor |
| US 4 482 406 A | 1983 | Propellant Plasticizer |
| WO 01/38170 A1 | 2000 | Single-Stage-To-Orbit Rocket |
© 2013 Deutsches Patent- und Markenamt | 22.02.2013